Broders Bestseller als Fortsetzung von "Der ewige Antisemit"

Viele Bücher von Henryk M.Broder befassen sich mit dem Thema "Antizionismus" und das in ureigenster Broder-Art: provokativ und polarisierend. "Vergesst Ausschwitz!" knüpft an das 1986 erschienene, damals heiß umstrittene Buch "Der ewige Antisemit" an.

Vor dem Hintergrund der politischen Rolle Israels in der Palästina-Frage sieht Broder einen wachsenden Antizionismus, gerade bei politisch denkenden Menschen, die dem linken Spektrum zugeordnet werden. Spitzfedrig, bisweilen drastisch, sogar hin und wieder beleidigend, rechnet der Autor mit den europäischen Linksparteien ab, die - wie er schreibt - "ein Problem mit Israel haben, je linker, je stärker".

Dabei kokettiert Broder gerne mit seiner eigenen Herkunft, schreibt, er wäre "lieber Sohn holländischer Bauern als Nachkomme hysterischer polnischer Juden geworden". Seine Schreibe ist geprägt durch Wortwitz, teils deftige Ausdrücke und könnte glatt als Satire bezeichnet werden, wenn es dem Autor nicht so ernst wäre mit seinen Thesen. Warum wir Auschwitz vergessen sollen, ist eigentlich schon auf den ersten Seiten erklärt. Die Gedenkstätte in Auschwitz bezeichnet er als "Rummelplatz des Schreckens" und ist der Ansicht, dass die Erinnerung an den Holocaust als Alibi der Betroffenheit wach gehalten werde, statt die "Endlösung der Nahostfrage" zu verhindern, wobei er wohl die atomare Bedrohung durch den Iran meint.

Interessante Lektüre - mit kritischer Distanz zu lesen

Deutschen Israelkritikern, die sich an der Palästinenserfrage reiben, empfiehlt er, "kollektiv zum Therapeuten" zu gehen. "Je mieser sich die Isrealis gegenüber den Palästinensern benehmen, umso weniger werden die Schuldgefühle der Deutschen". Er sagt, dass der Holocaust an den Deutschen haftet "wie Schuppenflechte" und die Beschäftigung mit Israel zu einer Obsession geworden ist.

"Vergesst Auschwitz!" ist keine leichte Kost, aber eine interessante Lektüre, die wegen des flüssigen und teilweise humorvollen Schreibstils gut zu lesen ist, deren Inhalt allerdings mit kritischer Distanz betrachtet werden sollte.

"Vergesst Auschwitz" ist 2012 im Knaus Verlag erschienen, ISBN-13: 9783813504521, ISBN-10: 3813504522, 176 Seiten, 16,99 Euro.

Wer ist Henryk M. Broder?

Hendryk M. BroderHenryk (Marcin) Broder  wurde am 20. August 1946 in Kattowitz, Polen geboren. Bekannt wurde er als Journalist mit bissigen Kolumnen, die sich mit gesellschaftspolitischen Themen befassen. Er schrieb zahlreiche Bestseller und war bis 2010 als Journalist für das politische Magazin "Der Spiegel" tätig. Weiterhin schrieb er Artikel in der Berliner Tageszeitung "Der Tagesspiegel". Aber auch mit umfangreichen Reise-Reportagen hat sich Henryk M. Broder einen Namen gemacht. Nach seiner Tätigkeit für die eher dem linksliberalen Spektrum zugeordneten Gazetten wechselte er zur Springer-Presse und veröffentlicht seit 2011 in "Die Welt", "Welt am Sonntag und "Welt online". Broder hat auch das Internet für sich entdeckt und publiziert seine Ansichten in Weblogs.

Zu Broders bekanntesten Büchern zählen "Der ewige Antisemit" und  "Hurra, wir kapitulieren!". Unter anderem erhielt er den Börne-Preis, der ihm 2007 in der Frankfurter Paulskirche verliehen wurde.

Bildnachweis: wikimedia commons

Krimifreundin, am 30.05.2012
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Bildquelle:
Roni Weiss (Transnistrien – Die Zukunftsaussichten eines Pseudo Landes)

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