Die Griechen hatten gerade, aus einer aussichtslosen Situation heraus, ihre komplette Flotte versenkt und den größenwahnsinnigen Schlachtenlenker besiegt. Weder kann man die heutige Situation mit der von vor 2.500 Jahren vergleichen, noch sind die Perser derzeit das größte Problem für Griechenland. Die damalige Situation könnte den heutigen Griechen höchstens Hoffnung nach dem Motto geben, dass man schon einmal viel schlimmer dran war und gestärkt aus der Bedrohung hervorgegangen ist.

Heute bedrohen Reformstau, Rezession und Staatsverschuldung massiv die Zukunft und Wirtschaft des Landes. Für die Abwehr hat man zu Sozialkürzungen und Sparprogrammen gegriffen, die den Bürgern gewaltig zusetzen. Die Gesellschaft im Land ist total verunsichert. Das Durcheinander ist so groß, dass der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras die Situation mit der in der Weimarer Republik verglich. Extreme Rechte und Linke seien auf dem Vormarsch, wenn seine Regierung scheitere, dann versinke das Land im Chaos. Das scheint nicht übertrieben, auf den Straßen herrschen bereits teilweise chaotische Zustände, und es handelt sich dabei nicht nur um ein paar Unbelehrbare am Rande der Demonstrationen. Vor wenigen Tagen sorgten Anhänger der Faschistenpartei Chrysi Avgi für brutale Szenen, in dem sie mit griechischen Fahnen in den Händen Stände auf einem Markt in Athen zertrümmerten und Händler nach Aufenthaltsgenehmigungen fragten, unter ihnen auch Abgeordnete des griechischen Parlaments. Ähnliche Übergriffe gab es auch andernorts im Land. Chrysi Avgi erklärte, man sorge für Ordnung. Derzeit würde die Partei etwa 13% der Stimmen erhalten.

Die wirtschaftlichen Daten des Landes sind erschreckend, Griechenland rutscht immer tiefer in die Rezession. Entsprechend dem Haushaltsentwurf für 2013 wird das Bruttoinlandsprodukt um 4,5% sinken, und da ist noch ein Hoffnungsfaktor enthalten. Derzeit spricht alles dafür, dass die Rezession mit dem kommenden Jahr immer noch nicht beendet sein wird. Der Schuldenberg wird auf 189% der Wirtschaftsleistung wachsen, anstatt auf 179% zu sinken. Das alles, obwohl private Gläubiger, infolge massiven Drucks, sich bereit erklärt haben, dem Land 100 Milliarden Euro Schulden zu erlassen und die Sparpakete viele Bürger in die Armut gestürzt haben, eine Besserung ist nicht in Sicht. Es scheint, dass man die tiefgreifende Problematik allmählich auch an anderer Stelle der EU erkannt hat. Angela Merkel ist nicht mehr rigoros gegen eine Streckung des Sparprogramms, die CSU lobte die Sparbemühungen der Griechen und die FDP hat ebenfalls schon mal die weiße Fahne herausgesucht. Man begreift offensichtlich allmählich, dass niemandem an einem wirtschaftlich zerstörtem Griechenland gelegen sein kann. Man sucht nach neuen Denkmustern und Ansätzen. Das Sparen alleine nicht reicht, wird ja gerade demonstriert. Firmen die sparen müssen, trennen sich von Mitarbeitern, das können Länder nicht. Die Griechen bleiben in Griechenland.

Einen weiteren Schuldenerlass dürfte es nicht geben, die griechischen Verbindlichkeiten müssen dennoch zeitnah gesenkt werden. Dazu bietet sich ein Schuldenrückkauf sowie eine Zinssenkung an. Das Land würde davon profitieren, dass die Kurse niedriger als zum Ausgabedatum stehen und könnte bei einem Rückkauf an der Differenz verdienen. Als Alternative könnte man die Zinsen auf gewährte Kredite senken oder die Fälligkeiten verlängern. Die Partner Griechenlands sollten auch darüber nachdenken, auf einen Teil der Forderungen zu verzichten.

Aber auch für Athen bleibt es weiter spannend. Am 20. November muss mit einem Volumen von 13,5 Milliarden Euro das nächste Sparprogramm durch das Parlament geboxt werden. Auch wenn man eine klare Mehrheit besitzt, ist sich die Regierung keineswegs sicher, ob das gelingt. Schließlich hat die Abstimmung über Privatisierungen staatlicher Betriebe vor Augen geführt, wie brüchig das Regierungsbündnis ist. Nur 148 der 176 Regierungsabgeordneten stimmten dafür, gerade nochmal gutgegangen. Die Verabschiedung des neuen Sparpaketes ist Voraussetzung für die nächste Hilfszahlung von 31,5 Milliarden Euro. Da am 16. November eine Anleihe zur Auszahlung ansteht, wird das Geld dringend benötigt. Weiterer Artikel-Tipp: Gemeinsame Bankenaufsicht der EU kommt.

Es darf also wieder einmal um Griechenland, den Euro und Europa gezittert werden, und das nicht zum letzten Mal. Es gibt viel zu tun in Griechenland, Strukturreformen, ein gerechtes Steuersystem, ein funktionierender öffentlicher Dienst und vieles mehr. Dazu braucht es Zeit, und die sollte man dem Land und den Menschen geben.

Quelle: http://bilder.bild.de/fotos-skaliert/demonstranten-28971477-mfbq-26632210/3,h%3D343.bild.jpeg

 

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