Ernährung und Hashimoto <-> Hashimoto und Ernährung

Hashimoto wurde bei mir 2005 diagnostiziert.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits eine wahre Odyssee an Arztbesuchen hinter mir, da ich mehrere Jahre sehr stark unter fast allen Symptomen des Autoimmunprozesses zu leiden hatte.

An Hashimoto dachte ich dabei zunächst nicht. Wer denkt schonvbei Gelenkschmerzen oder ständigen Nervenschmerzen gleich an Probleme mit der Schilddrüse?!

Benannt ist Hashimoto Thyreoiditis nach seinem Entdecker, dem japanischen Arzt Dr. Hakaru Hashimoto (1881-1934), der diese Erkrankung erstmals 1912 beschrieb.

 

Was ist Hashimoto Thyreoiditis eigentlich?

Hashimoto Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung die zu einer chronischen Schilddrüsenentzündung führt.

Ausgelöst durch eine "Fehlsteuerung" des Immunsystems zerstören Immunzellen nach und nach das körpereigene und überlebenswichtige Schilddrüsengewebe. Die Schilddrüse verliert immer mehr Ihre Fähigkeit den Bedarf an Schilddrüsenhormonen decken zu können. Das Ergebnis führt zur Unterversorgung bzw. Unterfunktion.

Mögliche Symptome einer Schilddrüsen-Unterfunktion können sein:

  • Müdigkeit, allgemeine körperliche Erschöpfung, fehlende Belastbarkeit
  • Konzentrationsschwäche, Gedächtnisschwäche, Wortfindungsstörungen
  • hoher Blutdruck mit Puls unter 70
  • Herzstolpern, Herzrasen
  • Depressive Stimmung, Angst- und Panikattacken, Gereiztheit, selten Suizidgedanken
  • trockene, struppige, stumpfe, und glanzlose Haare
  • teigige trockene Haut, (Myxödem)
  • Verstopfung, Blähungen
  • leichtes Frieren, ständig kalte Hände oder Füße (auch bei 30 Grad im Sommer!)
  • Gewichtszunahme
  • Zyklusstörung bei der Frau, unerfüllter Kinderwunsch, Neigung zu Fehlgeburten in der Unterfunktion
  • Abnahme des sexuellen Verlangens
  • nächtliches Kribbeln und Einschlafen von Händen und Unterarmen (Karpaltunnelsyndrom)
  • nachlassendes Hörvermögen
  • apathischer Gesichtsausdruck
  • Wesensveränderungen
  • Ohrgeräusche
  • nächtliches Schwitzen
  • Pigmentflecken im Gesicht, vermehrtes Auftreten von dunklen Flecken am Körper
  • Nackenverspannung, Nackenschmerzen
  • brüchige Fingernägel
  • Lidrandentzündung, Lid Ödem
  • geschwollene Nasenschleimhaut

Zusätzlich zu den Symptomen der Schilddrüsenfehlfunktion können Symptome auftreten, die durch die Störung des Immunsystems hervorgerufen werden.

Mögliche Symptome der Immunerkrankung können sein:

  • Gelenkschmerzen
  • Muskelschmerzen (eventuell auch hormonell ausgelöst)
  • Verhärtung von Sehnen und Muskeln
  • unterschiedliche Hautveränderungen, (z.B. Urticaria, Rosazea)
  • Trockenheit der Schleimhäute (Sicca Syndrom)
  • Stimmungslabilität (sowohl durch Immunkrankheit ausgelöst, als auch durch hormonelle Veränderungen)
  • neurologische Symptome (Neuritiden), Schwindel, unsicherer Gang
  • extrem selten epileptische Anfälle, Halluzinationen, psychiatrische Symptome (Hashimoto Encephalopathie)
  • allgemeine Schwäche, geringe Belastbarkeit
  • Übelkeit und Magen-Darmprobleme, Verdauungsprobleme
  • Augenerkrankung (endokrine Orbitopathie)
  • grippeähnliche Symptome
  • Lymphknotenschwellung
  • Fieber
  • Erhöhte Leberwerte
  • stecknadelkopfgroße, weiße Flecken auf den Unterarmen

Hashimoto ist nicht heilbar, jedoch sehr gut therapierbar.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion können heute die fehlenden Schilddrüsenhormone von außen in Form von Tabletten zugeführt werden, die täglich einzunehmen sind.

Durch eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte und Messung des TSH-Wertes kann sehr gut verfolgt werden, ob die derzeitige Dosis den Bedürfnissen des Betroffenen entspricht. Umso höher der TSH-Wert umso mehr fehlen dem Körper Schilddrüsenhormone. TSH ist ein Botenstoff, der vermehrt produziert wird, wenn dem Körper nicht genügend Schilddrüsenhormone zur Verfügung stehen. TSH regt die Schilddrüse an, mehr Hormone zu produzieren.

Im Umkehrschluss gilt, umso niedriger der TSH-Wert, umso so mehr verringert sich die Produktion von Schilddrüsenhormonen in der Schilddrüse.

Bei Hashimoto gibt es mittlerweile die Erkenntnis, dass es von Vorteil ist, die Schilddrüse so weit als möglich "ruhig zu stellen", so dass sie kaum oder gar keine eigenen Schilddrüsenhormone mehr produziert, weil dadurch in den meisten Fällen auch der Autoimmunprozess sehr stark zur Ruhe kommt.

Es gibt die Empfehlung zur zusätzlichen Einnahme Nahrungsergänzungsmitteln, so auch von Selen (ein Spurenelement), weil hierdurch nachweislich die Entzündungsaktivität in der Schilddrüse reduziert wird.

Selen ist auch in den meisten Nahrungsmitteln vorhanden, wobei Nüsse (besonders Paranüsse), Fisch und Meeresfrüchte, Innereien (Nieren, Leber) sowie Fleisch sehr gute Lieferanten sind.

Zink, ebenfalls ein wichtiges Spurenelement, wird für die Bildung vieler Hormone benötigt. Es hat sich herausgestellt, das Zink den Autoimmunprozess bei einer Thyreoiditis lindern kann. Zudem hat es eine entzündungshemmende Wirkung und steigert die geistige Leistungsfähigkeit.

Zink ist sowohl in pflanzlichen wie in tierischen Nahrungsmitteln enthalten. Jedoch erweist sich beim Zink aus den tierischen Nahrungsmitteln für den Körper eine bessere Verfügbarkeit. Lebensmittel mit hohem Zinkgehalt sind: Austern, Leber (Kalb, Schwein, Rind), Sonnenblumenkerne, Cashewkerne, Hühnerleber, Paranüsse, Käse (Emmentaler, Edamer, Gouda).

Außerdem sollen Hashimoto Patienten darauf achten, nicht zu viel Jod über die Nahrung zuzuführen, weil dies wiederum den Autoimmunprozess anfeuern kann.

Hier gibt es keine pauschale Empfehlung zur Menge des Jods. Die meisten Hashimoto Patienten haben eine Jod-Sensibilität, die sehr individuell ausgeprägt sein kann. Manche reagieren auf kleinste Mengen an Jod aus der Nahrung und müssen jodreiche Nahrungsmittel wie Fisch völlig aus dem Speiseplan verbannen, andere vertragen wieder mehr und können (manche) Fischprodukte problemlos genießen.

Hier muss jeder für sich selbst seine individuelle Grenze herausfinden und die Zufuhr aus Nahrungsmitteln oder anderen Quellen (der Körper nimmt Jod nicht ausschließlich über die Nahrung auf!) entsprechend steuern.

Bei mir selbst habe ich festgestellt, dass ich Jod aus natürlichen Lebensmittel-Quellen – d.h. ohne dass von außen in irgendeiner Form künstlich zusätzliches Jod zugeführt wurde – in Maßen relativ gut vertrage.

Das heißt, dass ich z.B. Lachs oder sonstige Fischprodukte die aus Wildfang stammen, essen kann. Sobald jedoch der Fisch in Zuchtbecken gehalten wurde und mit industriellem Fischfutter groß geworden ist, vertrage ich diesen Fisch meistens nicht mehr.

Und was gar nicht mehr geht ist jodiertes Speisesalz. Zum Glück gibt es von Bad Reichenhaller nicht nur jodiertes sondern auch das nicht jodierte Siedesalz in der blauen Packung.

Jodiertes Speisesalz aus meinem Speiseplan draußen zu behalten, das war in der Anfangszeit die reinste Herausforderung.

Ich musste meine ganzen bisherigen Konzepte in der Nahrungsmittelzubereitung komplett überdenken und war oftmals beim Einkauf der, für mich verträglichen, Lebensmittel schon schier überfordert.

Machen Sie sich doch einmal den Spaß und lesen Sie bei Ihrem nächsten Einkauf einfach mal die gelisteten Zutaten Ihrer Produkte durch. Und dann legen Sie mal alles zur Seite, wo Salz enthalten ist.

Na? Was ist übrig geblieben? Verstehen Sie jetzt, was ich meine?!

Ach, und übrigens, der Begriff "Kochsalz" ist heute keine Garantie dafür, dass kein Jod enthalten ist. Es gibt mittlerweile auch jodiertes Kochsalz und da Jod bis dato noch nicht deklarationspflichtig ist, haben Sie keine Möglichkeit jodiertes von nicht jodiertem Kochsalz zu unterscheiden.

Meersalz mit seinem natürlichen Jodgehalt, war für mich eine Zeit lang eine verträgliche Alternative, bis ich merkte, dass ich auch damit anfing Probleme zu bekommen. Als ich dann herausfand, was für mich völlig unbegreiflich und absolut unnötig erscheint, dass manche Meersalz Produkte mit zusätzlichem Jod angereichert werden, musste ich auch dieses von meiner Einkaufsliste streichen. Wir erinnern uns, Jod ist nicht deklarationspflichtig …..

Die Quintessenz meiner Ernährungsumstellung ist, dass die meisten Fertigprodukte aus meinen Essensgewohnheiten verbannt wurden. Mein Fazit war, nur noch das zu essen, was ich auch selbst zubereitet habe, weil da weiß ich auch, was drin ist.

Wenngleich ich begeisterte Köchin bin und gerne auch Neues ausprobiere, als Vollzeit Berufstätige und Alleinerziehende Mama, konnte ich es gar nicht gebrauchen, stundenlang in der Küche zu stehen.

Und so blieb meine Ernährung "Hashimotofreundlich jodarm" und Zusatzstoffarm und einfach und schnell. Auf diese Art und Weise hatte ich das Autoimmungeschehen in meinem Körper durch eine zusätzliche gute Einstellung der Schilddrüsenhormone augenscheinlich viele Jahre gut im Griff.

Bis dann die Wechseljahre kamen ….Oh je, der ganze Hormonkreislauf wieder durcheinander und der Hashimoto gnadenlos mitgerissen.

Durch das stetige Absinken der Östrogenproduktion, veränderte sich wieder das Körperempfinden, die Schilddrüsenwerte blieben nicht mehr stabil und die Hormoneinstellung musste ständig neu angepasst werden.

In meiner linken Brust entwickelten sich mehrere Zysten, die sich nicht von selbst wieder zurückbildeten und schließlich punktiert werden mussten und immer wieder kamen, sobald meine Hormoneinstellung nicht mehr stimmte.
Mein Hautauschlag im Gesicht, den ich in den letzten Jahren ab und zu mal in leichter Form hatte, schien sich mehr und mehr dauerhaft zu manifestieren. Ein ständiger "Entzündungsherd", der mit Salben nicht in den Griff zu kriegen war. Irgendwas geriet hier gerade wieder ziemlich aus dem Lot.
Dann stellten sich auch noch Gelenkschmerzen in den Fingergelenken der rechten Hand ein, und ich begann mir Gedanken zu machen, wo denn auf einmal diese "Entzündungsbereitschaft" in meinem Körper herrührte und was noch viel besorgniserregender war, anstatt sich wieder zu beruhigen und abzuklingen, verschlimmerte sich alles nur.

Mit der Zeit habe ich es regelrecht mit der Angst zu tun bekommen, denn ….. wer weiß denn, wo in meinem Körper gerade noch überall Entzündungsreaktionen unentdeckt und mit der Zeit irreversible Schäden anrichten??!!!

Bei meiner erneuten Recherche zu den möglichen Ursachen, stieß ich auf das Thema "Gluten Unverträglichkeit / Gluten Sensibilität".

Der tiefere Einstieg über die Thematik brachte mir ein Buch, welches ich nur wärmstens weiter empfehlen kann, mit dem Titel "Dumm wie Brot" geschrieben von dem amerikanischen Neurowissenschaftler und Facharzt für Ernährungsmedizin Dr. David Perlmutter.

Wenn man dieses Buch gelesen hat, möchte man nie mehr Brot oder Nudeln essen ….!

Über dieses Buch und weitere Recherchen zum Thema Gluten Sensibilität kam ich dann auch auf die Entdeckung der "Paleo Ernährung". Diese Ernährungsform basiert auf dem Gedankengut einer sog. "Steinzeitdiät" und erfährt momentan einen starken Hipe. Das Gute an dieser Ernährungsform ist, dass sowohl Gluten sensiblen entgegenkommt, wie auch Menschen die mit Milch Ihre Probleme haben (Lactoseintoleranz, Milcheiweiß) oder mit Diabetes zu kämpfen haben.

Hashimoto wird mittlerweile auch dahingehend diskutiert, ob der Auslöser hierfür nicht vielleicht in einer ursprünglichen Gluten Sensibilität zu suchen sein könnte.

Wenn ich mir meine Lebens- und Gesundheitshistorie rückblickend ansehe, dann könnte das bei mir durchaus zutreffend sein.

Diese Vermutung wird außerdem noch dadurch bekräftigt, dass ich mich seit etwa 4 Wochen glutenfrei ernähre, seit etwa einer Woche nach dem Paleo Prinzip und mein jahrelanger Begleiter, der Hautausschlag, endlich wieder beginnt abzuheilen. Auch in Hinsicht auf meine Fingergelenke, beobachte ich eine Verbesserung!

Aber auch andere angenehme Verbesserungen fallen mir auf.

So schlafe ich zum Beispiel deutlich besser, obwohl ich trotzdem noch nachts aufwache und mehrmals meine Position wechseln muss…. Fühle ich mich am nächsten Morgen regeneriert und erholt und fit.

Hinsichtlich meiner Gedächtnisleistungen habe ich den Eindruck, als wenn ich mir Dinge besser und länger merken kann und auch meine Konzentrationsfähigkeit wieder zunimmt.

Mein Geruchssinn, der nie stark ausgeprägt war, hat sich auf einmal verbessert.

Ich habe mir jetzt eine jahrzehntelange Angewohnheit abgewöhnt, weil ich sie nicht mehr brauche und auch keine Lust mehr darauf habe….. ich trinke keinen Kaffee mehr.

Auch bin ich allgemein viel energievoller und falle auch unter Tags in kein Loch.

Ich bin innerlich ruhiger und gelassener, so scheint mir.

Alles in Allem eine deutliche Verbesserung.

Aber noch bin ich nicht ganz da, wo ich sein möchte. Mein Gefühl sagt mir zwar, dass das Paleo-Konzept für mich stimmig ist und meinem Körper gut tut. Aber irgendetwas läuft noch nicht ganz zu 100 % rund.

Nun haben mich meine Recherchen zu dem Thema "Paleo und Autoimmunprotokoll" geführt, in dem innerhalb der Paleo Ernährungsweise noch einmal einige Lebensmittel ausgeschlossen werden. Auffallend finde ich, dass ich in der letzten Zeit, einige der betroffenen Lebensmittel schon instinktiv gemieden habe, obwohl ich sie früher sehr gern und oft in allen Variationen gegessen haben, wie z.B. Tomaten.

Ich werde auf jeden Fall weiter dran bleiben an dem Thema.

Ein bisschen umdenken muss man schon bei der Paleo-Küche….. so scheint es zunächst auf den ersten Blick grade mit den "Sättigungs-Beilagen" etwas schwierig zu werden, wenn es keine Nudeln, Kartoffeln oder Reis mehr sein sollen.

Es gibt einige Paleo-Kochbücher, mit einfachen und leckeren Rezeptvorschlägen.

An dieser Stelle kann ich nur empfehlen, einfach mal unvoreingenommen und mutig drauflos zu probieren.. Ich konnte mir anfangs auch nicht vorstellen, ob das mit dem "Blumenkohl-Reis" so eine gute Idee sein soll.

Aber ich habe es einfach mal ausprobiert – und jetzt bin ich begeistert!

Noch einen wichtigen Tipp habe ich für all diejenigen, welche die Paleo-Küche einmal ausprobieren wollen.

Wenn Ihr Körper bislang seine Energie vorwiegend aus den zugeführten zuckerhaltigen und stark kohlehydrathaltigen Lebensmitteln bezogen hat, kann es in den ersten Tagen nach der Umstellung zu heftigen Heißhunger Attacken auf Süßes kommen.

Bei mir war das nach 3 Tagen auch wieder gut.

Ich habe mich im Vorfeld gut vorbereitet, indem ich Paleo-konforme schnell greifbare bzw. zugängliche Snacks gegessen habe.

Als die Heißhunger-Attacken verschwanden, habe ich gemerkt, dass Gegessenes viel länger anzuhalten scheint, die Teller nicht mehr so prall gefüllt sein mussten und mir auch eine Portion völlig ausreicht und ich trotzdem mehr Energie als vorher zu haben scheine.

Probieren Sie es aus – ich bin mir sicher, auch Sie werden begeistert sein!!

Nachfolgend noch eine Linkempfehlung, wo es zum Thema "Paleo – die Steinzeitdiät", neben den interessanten Infos, auch eine Vielfalt an leckeren Rezepten zu finden gibt.

 

www.paleo360.de

Informationen zur Paleo Ernährung/Steinzeit-Diät: Rezepte, Lebensmittel, Tipps zum Abnehmen, fit werden und gesund leben.

 

 

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