„Headhunters“ als Kinoadaption - Nach einem Roman des norwegischen Autors Jo Nesbø

Filmplakat "Headhunter"

Jo Nesbø kennt man als den (überraschend jugendlich wirkenden) Autor der Thriller-Serie um den schwierigen Kriminalbeamten Harry Hole. Wer jedoch bisher geglaubt hat, die Figur des Harry Hole eigne sich hervorragend für eine mehrteilige Kinoadaption im Stile der Millennium-Trilogie, wird überrascht: Nicht "Die Larve", nicht "Das fünfte Zeichen", und auch nicht "Der Schneemann" wurden verfilmt – nein, es ist eines von Nesbøs Frühwerken, das den Weg auf die Leinwand gefunden hat! In "Headhunter" geht es knüppelhart zur Sache, mit unappetitlichen Szenen wird nicht gespart. Hier der Trailer zum Film "Headhunter":

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Trailer zu „Headhunter“ - Schön, jung, reich und verderbt: die Akteure in „Headhunter“

Inhalt des Films „Headhunter“ - Brutaler als Millennium?

Roger Brown (Aksel Hennie) ist ein erfolgreicher Headhunter, verheiratet mit Diana (Synnøve Macody Lund), der schönen Galeristin, und er besitzt eine traumhafte Villa. Doch Brown führt ein Doppelleben: Seinen aufwendigen Lebensstil finanziert er, indem er Kunstwerke seiner Klienten raubt.

Als er für ein namhaftes GPS-Unternehmen einen neuen Geschäftsführer finden soll, lernt er Clas Greve (Nikolaj Coster-Waldau) kennen. Anscheinend der perfekte Kandidat für den Job, und zufällig erfährt Brown, dass Greve im Besitz eines lange verloren geglaubten Gemäldes von Rubens ist – die Chance für Brown auf den Coup, der seine Geldprobleme lösen wird. Er stiehlt das Bild. Doch rasch entpuppt sich Clas Greve als ein brandgefährlicher Gegner: In einer extrem brutalen Jagd muss Brown um sein Leben zu rennen …

Die Vorlage zum Film „Headhunter“ - Nach dem Roman von Norwegens heißestem Thriller-Autor Jo Nesbø
Headhunter
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Die Besonderheit von Headhunter - Was nordische Thriller auszeichnet

In "Headhunter" gibt es einige ganz brutale und ungewöhnliche Szenen. Nicht allein die mehr angedeutete als gezeigte Toilettenszene überschreitet da eine Grenze – auch eine harte Sexszene erschreckt genauso wie ein Attentat und die moralische Unbekümmertheit der Handelnden. Aber das kennt man ja schon von "Millennium": Nordische Autoren wie Larsson, Marklund, Mankell, Persson und eben auch und ganz besonders Nesbø geizen nicht mit schockierenden Einfällen – eine Patricia Cornwell oder Kathy Reichs könnten in dieser Hinsicht einiges lernen. (Irritierend nur, dass das Publikum in der Vorabpremiere am 27. Februar in Passaus Cineplex-Kino reagierte wie in einer Komödie: es lachte. Um es klar zu sagen: Es lachte nicht über den Film, das Publikum schien seinen Spaß zu haben an der Brutalität.)

Ganz ungewöhnliche Plots

Die Romane der skandinavischen Autoren ranken sich immer um ganz ungewöhnliche Plots. Um noch einmal die amerikanische Autorin Cornwell heranzuziehen, die Key Scarpetta erfunden hat, jene begnadete und zugleich sehr menschlich agierende Pathologin: Wenn Cornwell eine Figur einführt wie den "Wolfsmann" Jean-Baptiste Chandonne, schwingt der Eindruck von Überzeichnung mit. Der Leser gruselt sich, will aber nicht so recht an die Realitätsnähe dieser Typen glauben.

Ganz anders dagegen die nordischen Sujets: Sieg Larsson beispielsweise mit seiner Millenniums-Trilogie hat vor Augen geführt, dass es Themen gibt, die man ungläubig aufnimmt, sie aber zugleich für echt hält. Ein vollkommen behaarter Serienkiller (der "Wolfsmann" bei Scarpetta) wirkt da im Vergleich sehr artifiziell, arg konstruiert.

Schauspieler Aksel Hennie als „Headhunter“ Roger Brown (Bild: NFP)

Wird im Laufe des Films auch zum „Headhunter“: Clas Greve, gespielt von Nikolaj Coster-Waldau (Bild: NFP)

Alle lieben Diana (Synnøve Macody Lund): Roger, der Ehemann … (Bild: NFP)

… und auch Clas, der smarte Fremde, macht sich an Diana heran.

Kurzbiografie von Jo Nesbø - Nach Angaben aus dem Munzinger Archiv

Jo Nesbø wurde am 29. März 1960 in Oslo geboren. Er wuchs in Molde auf und stammt nach eigenen Worten aus einer "schreibenden und erzählenden Familie" (Presseinformation Ullstein Verlag): seine Mutter war Bibliothekarin, sein Vater Lehrer. Anfangs durfte sich Nesbø Hoffnungen machen auf eine Karriere als Profi-Fußballer bei seinem englischen Wunsch-Klub Tottenham Hotspurs, doch ein zweifacher Kreuzbandriss beendete jäh seine Sportlerlaufbahn. Nesbø kommtentierte das später lakonisch: "Wahrscheinlich kein Verlust für Tottenham,aber für mich brach eine Welt zusammen." 

Nesbø absovierte ein Wirtschaftsstudium, nachdem er seinen Militärdienst im, wie er selbst sagt, "nördlichsten Winkel des Landes" hinter sich gebracht hatte. Nesbø zog nach Oslo und trat in die Finanzbranche ein. Erstaunlicherweise gelang Nesbø eine zweite Karriere: Mit seiner Pop-Rock-Band "Di Derre" erzielte er in Norwegen Erfolg: Schon der zweite Longplayer wurde 1994 in Norwegen zum Bestseller. Obwohl hier eine Karriere möglich schien, blieb Nesbø weiterhin in seinem Brotberuf als Börsenmakler.

Die Doppelbelastung zollte ihren Tribut – Nesbø nahm sich eine Auszeit. Ein halbes Jahr lang war er unterwegs, in Australien erlebte er "die besten Wochen meines Lebens" – es war die Zeit, in der er in einem intensiven Schaffensprozess seinen Debütroman schrieb. Im Herbst 1997 erschien "Der Fledermausmann", der erste Fall mit Kriminalinspektor Harry Hole. Das Buch errang mehrere Preise, unter anderem wurde es ausgezeichnet als bester skandinavischer Kriminalroman 1997.

Schriftsteller Jo Nesbø, geboren ...

Schriftsteller Jo Nesbø, geboren 1960 in Oslo (Bild: Jo Nesbø © Cato Lein )

Was gefällt Ihnen besser: der Film „Headhunter“ oder die Romanvorlage?

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10 Fakten zum Film und zu den Hauptdarstellern
"Headhunters", der düstere, knallharte Action-Thriller von Nesbø, ist neues Futter für Fans skandinavischer Krimis wie der Millennium-Reihe.

jofl, am 29.02.2012
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