„Independence Day“ lässt grüßen

Dabei bietet der Plot zu Beginn vermeintlich nicht viel Neues: Eines Tages im Jahr 1982 taucht ein gigantisches Raumschiff über der südafrikanischen Metropole Johannesburg auf. Anstatt nun wie in "Independence Day" oder Steven Spielbergs "Krieg der Welten" tödliche Waffen gegen die Menschen einzusetzen, verharrt das außerirdische Raumgefährt völlig reglos über der Stadt und sendet keinerlei Signale aus.

Eine menschliche Erkundungsmission fördert zutage, dass eine Million insektenähnlicher Aliens im Inneren des Raumschiffs orientierungslos dahinvegetieren. Sie werden in ein "District 9" genanntes Lager außerhalb der Stadt gebracht und leben fortan in einem Slum unter jämmerlichen Bedingungen. Bis das für ihre Unterbringung verantwortliche Unternehmen MNU ihre Verlegung in ein anderes Lager beschließt.

Im Körper des Alien

Geleitet wird die heikle Mission vom überkorrekten Bürokraten Wikus (Sharlto Copley), der den "Shrimps" genannten Außerirdischen völlig neutral gegenübersteht. Ein Zwischenfall stellt jedoch sein Leben völlig auf den Kopf: Bei der Konfiskation einer geheimnisvollen Flüssigkeit geraten einige Tropfen davon auf seinen Arm. Wenig später verwandelt sich sein Arm in jenen eines "Shrimp". Plötzlich steht Wikus buchstäblich auf der Abschussliste der MNU, da er allmählich zu einem Alien mutiert und somit einen wertvollen Besitz darstellt. Ausgerechnet im Slum findet er daraufhin Unterschlupf und einen Verbündeten …

Hinterhältige Parabel auf Apartheid

Was "District 9" von ähnlichen Filmen unterscheidet, ist in erster Linie der realistisch anmutende Plot. Die auf der Erde eintreffenden Außerirdischen sind weder Monstren à la H. R. Gigers "Alien"-Kreaturen, noch harmlose Geschöpfe wie Steven Spielbergs E.T. Die "Shrimps" sind nicht mehr und nicht weniger als eine völlig andere Lebensform mit ihren Stärken und Schwächen.

Es ist kein Zufall, wenn der Südafrikaner Neill Blomkamp aus dem Plot eine berührende Parabel auf Apartheid spinnt und dabei den Zuschauer ein ums andere Mal aus der Reserve lockt: Obwohl die Identifikation mit den Menschen natürlich leichter fällt, beginnt man Sympathien für die Aliens zu entwickeln, deren einziges "Verbrechen" darin besteht, anders zu sein. Nicht nur einmal ertappt sich wohl der eine oder andere Zuseher dabei, der verführerischen Hochglanz-Propaganda der Neo-Apartheid-Befürworter aufzusitzen: Die Fremden sind keine Menschen, sehen anders aus, agieren anders, und deshalb sind sie eine Gefahr und müssen von uns ferngehalten werden.

Peter Jackson nach „Herr der Ringe“ und „King Kong“

Auch wenn der Neuseeländer Peter Jackson lediglich als Produzent seine Finger im Spiel hatte, darf sein Einfluss auf den Film nicht unterschätzt werden. Kompromisslos verweigert sich "District 9" den üblichen Mainstream-Mustern und findet einen völlig eigenen, ja, einzigartigen Erzählstil. Statt die Handlung in chronologischer Reihenfolge zu präsentieren, springt "District 9" zwischen den Zeitebenen hin und her und erzeugt einen pseudo-dokumentarischen Stil, wie er seit "Cloverfield" wieder in Mode gekommen ist.

Es ist erfreulich, dass Peter Jackson trotz der gigantischen Erfolge mit der "Herr der Ringe"-Trilogie und dem "King Kong"-Remake bodenständig geblieben ist und diesen Film produzierte, der ganz offensichtlich sein Herzenswunsch war.

Subtile Botschaft: "District 9"

Der Verzicht auf weltbekannte Topstars verleiht dem Film zusätzliche Glaubwürdigkeit und schonungslosen Realismus. Zu keiner Zeit folgt "District 9" bekannten Pfaden, sondern erzeugt eine geradlinige Atmosphäre, von beeindruckenden Spezialeffekten untermalt, die nicht nur Science-Fiction-Freunde begeistern wird. Tatsächlich handelt es sich bei dem Film um ein Musterbeispiel dafür, wie scheinbare Genre-Regeln aufgebrochen werden können. Man muss beileibe kein Fan von "Star Wars" oder "Star Trek" sein, um diesen Streifen zu genießen. Ganz im Gegenteil: Jeder, der sich für spannendes und intelligentes Kino mit subtiler Botschaft interessiert, zählt zum Zielpublikum von Neill Blomkamp überragendem SF-Debütwerk.

Das Fazit fällt somit eindeutig aus: "District 9" ist nicht einfach ein netter Zweistundenfilm für einen gemütlichen DVD-Abend oder einen entspannenden Kinobesuch, sondern ein neuer Genre-Maßstab, an dem sich künftige Produktionen werden messen müssen.

Originaltitel: "District 9"

Regie: Neill Blomkamp

Produktionsland und -jahr: USA, Neuseeland 2009

Filmlänge: ca. 112 Minuten

Verleih: Sony

Deutscher Kinostart: 10.09.2009

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
Laden ...
Fehler!