H ö r s t u r z

Auslöser für einen Hörsturz sind oftmals plötzliche Stresssituationen, aber auch belastender Dauerstress. Etwa 150.000 bis 200.000 Menschen erleiden jedes Jahr einen Hörsturz - Tendenz steigend.

Typische Anzeichen sind:

  • meist einseitiger Hörverlust, wobei das Ausmass von leichten Einschränkungen bis hin zur absoluten Taubheit reicht. Oft fallen auch nur bestimmte Frequenzen aus, zum Beispiel nur die hohen oder die tiefen Töne.
  • watteartiges, gedämpftes Hörempfinden
  • dumpfes Druckgefühl im Ohr
  • vorübergehende Schwindelattacken
  • störende Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • scheinbares Taubheitgefühl an der Ohrmuschel (wegen des fehlenden akustischen Reizes bei Berührung der Ohrmuschel)

Was wirklich einen Hörsturz auslöst, was dabei passiert, das kann bis heute keiner schlüssig beantworten. Sicher ist nur, das der Schaden das Innenohr betrifft, also die sogenannte Hörschnecke, in der sich die Hörsinneszellen befinden, die die Schallsignale in Nervenreize übersetzen. Man vermutet, dass bei einem Hörsturz in diesem Bereich die Durchblutung plötzlich gedrosselt wird. Die Schuldigen können Stresshormone wie Cortisol oder Adrenalin sein, die zu Verkrampfungen der kleinen Blutgefäße im Innenohr führen.

Im Sonderheft "Besser Hören" des FID-Verlages, Bonn, ist zu lesen, dass man in Gewebeproben von Hörsturzpatienten, die nach ihrem Tod ihr Innenohr-Organ der Forschung zur Verfügung gestellt haben, allerdings keinerlei Hinweise auf verändertes oder geschädigtes Gewebe fand.

Findet der HNO-Arzt keine Ursachen für den Hörverlust, liegt ein Hörsturz vor.

Die Ursachen für einen plötzlichen Hörverlust sind vielfältig:

  • Knalltrauma
  • Kopfverletzungen
  • Infektionen (zum Beispiel Grippe, Borreliose, Gürtelrose im Ohrbereich, Masern, Scharlach)
  • Mittelohrentzündung
  • Medikamente (unter anderem ASS, Diuretika, Krebsmittel, Antibiotika)
  • Ohrfurunkel
  • Fremdkörper oder Ohrenschmalzpfropf im Gehörgang
  • Verletzungen des Trommelfells
  • Akustikusneurinom (Tumor des Hörnervs)
  • Morbus Menière (annfallartiger Drehschwindel)
  • Multiple Sklerose
  • Blutdruckschwankungen
  • innere Austrocknung (unter anderem durch zu geringe Flüssigkeitsaufnahme).

Sind alle diese Störungen ausgeschlossen, muss man die Diagnose "Hörsturz" akzeptieren. Meist erscheint ein plötzlicher Hörverlust als ein bedrohliches Geschehen, doch das ist er nicht. In der Medizin gilt der Hörsturz heute nicht mehr als Notfall und Sie müssen auch nicht zwanghaft sogleich zum Arzt oder in die Klinik fahren. Eine positive und beruhigende Tatsache ist, dass sich das Gehör bei 60 bis 90 Prozent der Patienten bereits nach wenigen Tagen auch ohne Behandlung vollständig erholt.

Schulmedizinische und naturheilkundliche Behandlungsmöglichkeiten eines Hörsturzes

Da, wie schon erwähnt, die Ursachen der Gehörstörung unbekannt sind, ist man sich in der Medizin auch nicht einig, welche Behandlung die Heilung wirklich sinnvoll unterstützt. Viele HNO-Ärzte geben zu, dass sie die beim Hörsturz meistens verabreichten Infusionen oder Tabletten-Kuren mit Kortison oft nur deshalb geben, um den aufgelösten und beunruhigten Patienten überhaupt etwas anbieten zu können.

Eine Untersuchung der Universität Ottawa/Kanada aus dem Jahr 2007 zeigte, dass Kortison-Infustonen tatsächlich eine reine Scheinbehandlung sind. Sämtliche Studien zur Infusionstherapie bei einem Hörsturz wurden zusammenfassend ausgewertet und man kam zu dem Ergebnis, dass in keinem Fall die Wirkungsamkeit stärker war als mit einer zur Kontrolle gegebenen Kochsalz-Infusiion. Auch eine Studie der Universität Linköping/Schweden aus dem Jahr 2012 ergab, dass Kortison-Tabletten bei 93 Patienten mit einem Hörsturz nicht besser wirkten als ein Placebo.

Was erfolgsversprechender zu sein scheint, ist das Injizieren von Kortison direkt durch das Trommelfell in das Mittelohr (Intratympanale Kortikoidtherapie). Danach lässt man das Kortison 20 Minuten im Liegen einwirken. Wiederholt wird diese Therapie im Abstand von ein bis 2 Tagen fünf- bis siebenmal. Nicht jeder HNO-Arzt bietet diese Therapie an und auch nicht jede Krankenkasse übernimmt die Kosten.

Andere Behandlungsmöglichkeiten bei einem Hörsturz sind:

  • Infusionen mit Elektrolytlösungen sowie blutverdünnenden Wirkstoffen wie zum Beispiel Pentoxifyllin
  • Einnahme von durchblutungsfördernden Medikamenten (unter anderem Gingko, Buflomedil)
  • Injektion lokaler Schmerzmittel (Neuraltherapie) zur Beruhigung überaktiver Nerven.
  • Einatmen von sauerstoffreicher Luft in der Überdruckkammer (Hyperbare Sauerstofftherapie.

Manch Anderes wird Hörsturz-Patienten noch als Hilfe angeboten, wie Ozon-, Laser-, Akupunktur- oder Eigenblutbehandlung, die aber kaum Erfolge erzielen.

So schlimm der Zustand des Hörsturzes auch empfunden wird, so sollte man - statt in blinden Therapie-Aktionsismus zu verfallen - zunächst lieber die Ruhe bewahren und abwarten, ob sich die Symptome nicht von selbst bessern.

Vertrauen Sie auch auf die Selbstheilungskräfte Ihres Körpers und stärken Sie diese:

  1. Stress vermeiden. Unternehmen Sie statt dessen ausgedehnte Spaziergänge ins Grüne oder setzen Sie sich mit einem guten Buch auf's Sofa, auf eine Liege in den Garten, in den Park oder auf den Balkon.
  2. Trinken Sie viel! Nach einem akuten Hörsturz werden täglich mindestens drei Liter Wasser, verdünnte Fruchtsäfte oder Tees (zum Beispiel Melisse, Baldrian oder Passionsblume( empfohlen.
  3. Sie sollten Ihre Vitalstoffversorgung verbessern, indem sie täglich 300 is 600 Milligram Magnesium sowie 1 bis 2 Gramm Kalium zu sich nehmen. Das entspannt die Gefäße und verbessert die Durchblutung.
  4. 1 bis 2 Gramm Fischöl wirken zusätzlich entzündungshemmend.
    In einer Studie der Universität Takaoka/Japan aus dem Jahr 2008 konnte mit der 1-wöchigen Einnahme von 1.200 Milligram Vitamin C und 600 Milligram Vitamin E die Heilungsrate verdoppelt werden.
  5. Das Rauchen sollten Sie unbedingt einstellen, da Nikotin die Blutgefäße verengt und sich dadurch die Versorgung des Innenohrs verschlechtert
  6. Entlasten Sie das Ohr.  Das bedeutet, in den ersten Tagen Lärm, lebhafte Räume und Stimmengewirr zu meiden und den Fernseher und das Radio auszuschalten.
    Die ganze Zeit ungeduldig in sich hinein zu horchen, ob sich das Gehör gebessert hat, ist allerdings wenig sinnvoll.

T i n n i t u s

Fast jeder kennt es ab und zu - ein Fiepen oder Pfeifen im Ohr. Das geht meist schnell vorbei und ist kein Grund zur Beunruhigung. Anders ist das beim chronischen Tinnitus, der sich durch eine Fehlsteuerung im Hörzentrum des Gehirns längerfristig oder oftmals auch dauerhaft eingenistet hat.

Wer darunter leidet, versucht alles, um dieses belastende Geräusch wieder los zu werden. 3 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter diesen Ohrgeräuschen. Bei etwa der Hälfte von ihnen sind sie so belastend, dass sie mittelschwer oder sogar bis zur Unerträglichkeit darunter leiden. Tinnitus ist ein lateinischer Begriff und bedeutet "Geklingel". Wer einen Tinnitus hat, für den ist Stille ein Fremdwort, denn dieses Geräusch rumort Tag und Nacht in seinem Kopf.

Bis in die 90er- Jahre galt er als eine Innenohr-Erkrankung aufgrund von Durchblutungsstörungen. Heute gilt er als eine Erkrankung, die das Gehirn betrifft.

Es gibt zahlreiche mögliche Auslöser für einen chronischen Tinnitus, wie zum Beispiel

  • Lärm
  • Stress und ein Hörsturz
  • Gifte und Schäden an den Nerven oder im Gehirn
  • Entzündungen
  • Bluthochdruck.
  • Schwerhörigkeit
  • Akustikusneurinom (Tumor im Bereich des Hörnervs)
  • Mittelohrentzündung
  • Endolymphschwankungen (Innenohrflüssigkeit)
  • Schwindelattacken
  • Medikamente wie Magensäureblocker, Schmerzmittel, harntreibende Mittel (Diuretika)
  • innere Krankheiten (zum Beispiel schwankender Blutdruck, Hirnhautentzündungen oder Multiple Sklerose
  • Tauchunfälle

Schulmedizinische und natürliche Behandlungsmöglichkeiten des Tinnitus

Es hat sich gezeigt, dass eine reine Durchblutungsförderung im Innenohr - ähnlich wie bei der Behandlung eines Hörsturzes - auch beim Tinnitus wenig erfolgversprechend ist. Bei Tinnitus-Patienten ist die Aktivität von Nervenzellen in verschiedenen Gehirnarealen verändert..

Die gute Nachricht ist: Bei 90 Prozent der Patienten mit einem akuten Tinnitus (zum Beispiel nach einer plötzlichen Lärmbelästigung) verschwinden die Beschwerden auch ohne ärztliche Behandlung nach spätestens drei Wochen. Schwieriger ist es, einen Tinnitus wieder los zu werden, der schon monate- oder jahrelang besteht.

Wichtige Tipps für Sie selbst::

Erfolgreich ist die Retraining-Therapie. Hier lernt der Patient, Stress und Ängste abzubauen und den Tinnitus so gut zu bewältigen. Zu dieser Behandlung gehört auch ein sogenannter Masker (Geräuschgenerator), der wie ein Hörgerät getragen wird. Die vom Gerät erzeugten angenehmen Töne überlagern den Tinnitus, was zur Folge hat, dass das Gehirn das Dauergeräusch zu vergessen beginnt.

Die Musiktherapie hat einen ähnlichen und recht erfolgreichen Ansatz wie die Retraining-Therapie. Hier soll durch angenehme Geräusche der Tinnitus überlagert werden. Entspannte Musik, Ruhe und der Abbau von Ängsten sind - nach Ansicht der meisten Tinnitus-Patienten - der beste Weg, um mit den Ohrgeräuschen besser umgehen zu können.

Was sich als hilfreich erwiesen hat, ist eine Mkronährstoff-Behandlung, die darauf basiert, den Körper optimal mit allen Vitaminen, Mineralien, sekundären Pflanzenstoffen und zahlreichen anderen Mikronährstoffen zu versorgen, um ein reibungsloses Funktionen des Organismus zu ermöglichen.. Die bestmögliche Wirkung der Mikronährstoffe wird nur dann erzielt, wenn diese kombiniert eingenommen werden, da der Synergieeffekt die Wirksamkeit der einzelnen Vitamine und Stoffe verstärkt. Neue Studien zeigen einen deutlichen Vorteil von komplexen Nahrungsergänzungsmitteln im Gegensatz zu Einzelpräparaten.

Diese Therapie wirkt nicht nur gegen den Tinnitus, sondern stärkt zusätzlich auch die gesamte psychische wie physische Verfassung.

Die 5 wichtigsten Vitalstoffe bei Tinnitus sind:

  1. Coenzym Q10 (ein Antiooxidans in der Isolierschicht der Nervenzellen) - 100-200 mg/Tag
  2. Magnesium (Nervenberuhigung) - 100 bis 300 mg/Tag
  3. Selen (Antioxidans im Blut) - 100 µg
  4. Vitamin C ( Antioxidans im inneren der Zellen) - 1 bis 2 g/Tag
  5. Zink (Nervenberuhigung) - 50 mg/Tag.

 

Diese Therapieverfahren haben sich bei Tinnitus am besten bewährt (Quelle: Deutsche Tinnitus-Liga, 2010):

  • Tinnitus-Klinik ( 13 Prozent)
  • Psychosomatische Rehaklinik (10 Prozent)
  • ambulante Psychotherapie, einzeln (9 Prozent)
  • Tinnitus-Retraining-Therapie (7 Prozent)
  • Masker (5 Prozent)
  • Akupunktur (5 Prozent)
  • Sauerstoff-Druckkammer (2 Prozent)
  • ambulante Psychotherapie - Gruppe (2 Prozent)
  • Psychosomatische Klinik (2 Prozent)
  • duchblutungsfördernde Tabletten (2 Prozent)

Ähnlich wie oben beim Hörsturz werden auch unter starkem Leidensdruck stehenden Tinnitus-Patienten viele andere Therapieformen angeboten, wie Schröpfen, Elektroakupunktur, Zahn-Kiefer-Behandlungen, Laser-Therapie, Gingko-Präparate, Neuraltherapie, Behandlungen der Halswirbel, Bioresonanz-Therapie etc. Diese Therapien haben sich aber kaum bewährt - so das Fachmagazin "Besser Hören" vom FID-Verlag, Bonn.

 

Quellen:

Sonderheft "Besser Hören", FID-Verlag, Bonn

"Tinnitus Aurium - Alarm aus dem Ohr" von Dr. med. Helmut Schaaf und. med. Gerhard Hesse

"Tinnitus - Die verschwiegene Heilungschance" von Karin Peperkorn

Tinnitus-Liga

 

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Autor seit 5 Jahren
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