Ikonen sprechen eine für Christen verständliche Sprache

Ikonen werden nicht gemalt, sondern geschrieben. Wer einen Kurs bei der Künstlerin Eleonore Meyer in ihrem Atelier in Eschau besucht hat, wusste das spätestens nach 10 Minuten. "Ikonen sprechen eine Sprache, die alle Christen verstehen können", sagte sie und erklärte, dass trotz aller regionalen Unterschiede der Bildtyp einer Ikone beibehalten wird. Ikonen sind heilig und haben nicht, wie angenommen in der russisch-orthodoxen, sondern in der katholischen Kirche ihren Ursprung, wo sie 400 Jahre nach Christi entstanden sind, aber später vernachlässigt wurden.

Ikonen sind heilig

Ikonografie ist eine Kunst, die man lernen kann

Ikonen nach russisch-orthodoxem Vorbild - Der Inhalt ist wichtig, nicht die künstlerische Perfektion

Es waren überwiegend weibliche Teilnehmer, die sich die Feinheiten des Ikonenschreibens von Eleonore Meyer beibringen ließen. Sie lernten nicht nur die Technik, sondern viel über die Geschichte und die Bedeutung von Ikonen. Die Künstlerin orientierte sich streng am russisch-orthodoxen Vorbild des Ikonenschreibens und verfügte über einen reichen Erfahrungsschatz und über die Jahre angesammeltes Wissen. "Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass man keine Ikone schreiben darf, wenn man nicht genau weiß, was darauf abgebildet ist und was es bedeutet", war ihre These. Von ihr war zu erfahren, dass Ikonografie, so der Fachausdruck, den Fokus auf den Inhalt und nicht auf künstlerische Perfektion richtet.

Ikonografie mit authentischen Materialen - Eitempera, Hasenhautleim, Bologneser Kreide und Blattgold sind die Farbgeber

Ikonen schreibenDie Materialien, die verwendet wurden, waren authentisch und handgemacht. Farbe aus Hasenhautleim und Bologneser Kreide wurde mit Wasser aufgekocht, die Tempera bestand aus Eidotter, Wasser und Alkohol. Die Pigmente wurden mit Ei angemischt. Durch Blattgold erhalten die Abbildungen ihren Glanz und ihre Schönheit. Ikonen werden auf Naturholz – am besten Birke oder Linde - geschrieben, es darf keine Astlöcher haben und darf nicht harzen. Ein versierter Schreiner schnitt der Eschauerin das Holz in der entsprechenden Größe zu.

Für eine einfache Ikone benötigte die geübte Künstlerin um die 30 Stunden. Bei aufwendigen Arbeiten, die tief ins Detail gehen, dauerte es bisweilen drei Monate, bis das Werk vollendet war. Die Kursteilnehmer waren in der Regel "Wiederholungstäter" und kamen aus ganz Unterfranken. Reinhold, einziger Mann unter fünf weiblichen Ikonenschreiberinnen, fiel auch durch seine Herkunft aus dem Rahmen. Er ist Hesse und fuhr von Seligenstadt aus über die bayerische Landesgrenze nach Eschau. Wie Elisabeth und Erna aus Bürgstadt, Sieglinde aus Wörth und Irmhilde und aus Sonderhofen bei Ochsenfurt war Reinhold kein Neuling mehr. Alle besuchten bereits den vierten oder fünften Ikonografiekurs bei Eleonore Meyer. Nur Marion aus Miltenberg war zum Zeitpunkt der Reportage das erste Mal dabei und bekam große Augen, als die Kursleiterin ihre profunden Kenntnisse weiter gab.

Was sind Ikonen?

Ikonen sind Kultus- und Heiligenbilder der Ostkirchen, besonders der orthodoxen Kirchen des byzantinischen Ritus. Die meist auf Holz gemalten Bilder sind kirchlich geweiht und haben für die Theologie und Spiritualität der Ostkirchen eine sehr große Bedeutung. Der Zweck der Ikonen ist, Ehrfurcht zu erwecken und eine existenzielle Verbindung zwischen dem Betrachter und dem Dargestellten zu sein, indirekt auch zwischen dem Betrachter und Gott.
Quelle: Wikipedia

Ikonen sind entweder belehrend oder erzählend - Muttergottes-, Jesus- oder Heiligen-Ikonen

Obwohl die Ikonen immer von einer Vorlage abgenommen werden, gleicht keine der anderen. "Die Nuancierungen geben der Ikone ihren Reiz", sagte Eleonore Meyer und erklärte die verschiedenen Typen: "Es gibt Muttergottes- und Jesus-Ikonen, Ikonen mit Heiligen und solche, die entweder eine belehrende oder eine erzählende Aussage vermitteln".

Eleonore Meyer ist am 3. Dezember 2014 gestorben. Ihre Ikonen und anderen Kunstwerke sind ihr Vermächtnis.

Krimifreundin, am 28.11.2011
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Bildquelle:
Rudolf Schneider (Das Gemälde "Der Ausritt"-Beurteilung)

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