Innere Kampfkunst als Lebenskunst

Innere Kampfkunst als Lebenskunst (Bild: A.Dreher / pixelio.de)

Was ist eigentlich Kampfkunst?

Eine Kampfkunst kann als Tätigkeit beschrieben werden, mit welcher Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickelt werden, um Konflikte zum eigenen Wohl entscheiden zu können. Kampfkunst kann im engen Sinn auf die rein körperliche Auseinandersetzung beschränkt bleiben. In einem weiteren Sinn kann sie sich auf alle möglichen Konflikte beziehen und dadurch den Anspruch einer Lebenskunst erheben. Gerade die asiatischen Kampfkünste sind durch starke philosophische und religiöse Bezüge gekennzeichnet. Sie dienen neben dem Erlernen kämpferischer Techniken und Bewegungen der Charakterschulung und Kultivierung von Disziplin und spiritueller Kraft. Kampfkünste gibt es weltweit. Je nach kulturellem Kontext zeichnet sich eine Kampfkunst durch bestimmte Bewegungsmuster, Erklärungsschemata und Deutungskategorien aus. Allen Stilen ist der Anspruch gemein, ein Konzept zu lehren, mit welchem es möglich ist, eine Auseinandersetzung zu überwinden oder gar nicht erst entstehen zu lassen.

Innere Kampfkunst – eine erste Annäherung

Der Begriff "innere Kampfkunst" ist nicht allgemein gültig. Er existiert primär im Kontext der chinesischen Stile. Außerhalb Chinas spielt diese Art der Differenzierung keine große Rolle. Und selbst in China ist diese Unterteilung umstritten, weil sie die Vielfalt der Stile auf einige wenige Merkmale reduziert und dadurch das Phänomen der Kampfkunst zu stark dualistisch beschrieben und erklärt werden würde. Besonders wenn es um die Praxis der Kampfkünste geht, werden Unterschiede zwischen inneren und äußeren Stilen aufgelistet, die nach Übungs- und Erfahrungsniveau keine Unterschiede im eigentlichen Sinn sind. Die oftmals genannten Merkmale treffen auf beide Stilkategorien zu. Gegenwärtig sind vor allem drei Stile als innere Kampfkünste bekannt: Tai Chi Chuan, Xing Yi Quan und Baguazhang. Darüber hinaus gibt es noch weitere Stile, die den inneren Kampfkünsten zugeordnet werden können.

Innere Kampfkunst – historisch und geographisch

Die einfachste und sinnvollste Unterscheidung in innere und äußere Stile ist jene nach historisch-geographischen Parametern. Demnach gelten alle Kampfkünste als innere Stile, die ihren Ursprung in China haben. Alle außerhalb Chinas entstandenen Stile sind als äußere Stile zu beschreiben. Diese Kategorisierung orientiert sich nicht an Techniken, Bewegungen oder Philosophien, sondern einzig an der historischen bzw. geographischen Begebenheit.

Innere Kampfkunst – philosophisch und religiös

Eine andere Form der Unterscheidung nach inneren und äußeren Stilen ist an die historische Unterscheidung angelehnt. Alle Stile, die einen Bezug zum chinesischen Taoismus haben, werden demnach als innere Stile bezeichnet. Alle Stile, die dem Buddhismus näher stehen, werden als äußere Stile betrachtet. Diese Unterscheidung ergibt sich aus der Tatsache, dass der Taoismus in China entstanden ist und demnach ein "inneres" Merkmal ist. Allerdings stehen viele Kampfkünste sowohl im Kontext des Taoismus als auch im Kontext des Buddhismus. Darüber hinaus spielt auch der Konfuzianismus eine nicht unwesentliche Rolle.

Innere Kampfkunst – körperlich und geistig

Diese Form der Differenzierung bezieht sich auf die praktische Ausführung der Kampfkünste. Demzufolge sind alle Stile als innere Stile zu bezeichnen, deren Trainingsschwerpunkte auf körperinneren Prozesse bzw. mentalen Vorgängen liegen. Äußere Kampfkünste werden mit äußeren Bewegungen assoziiert. Damit einher wird oftmals gesagt, dass innere Kampfkünste eine andere Form der Kraft nutzen würden als äußere Stile – die sogenannte Jin-Kraft, eine Kraft, die elastisch ist und sich über Sehnen und Bänder generieren lässt. Die Arbeit mit Visualisierungen, also mit der Vorstellungskraft, ist ein weiterer Parameter, um von innerer Kampfkunst zu sprechen. Mithilfe der Vorstellungskraft wird der eigene Körper beeinflusst. Dieser Mechanismus geschieht über innere Prozesse und ist äußerlich nicht erkennbar. Auch Meditationen und spirituelle Aspekte werden als Merkmale innerer Stile genannt. Allerdings ist die Unterscheidung zwischen inneren und äußeren Stilen anhand körperlich-geistiger Merkmale am unsichersten. Es gibt viele sogenannte äußere Stile, die über innere Parameter verfügen und umgekehrt. Innere Stile werden mit weichen, fließenden und entspannten Bewegungen assoziiert. Äußere Stile dagegen mit geradlinigen, starren und angespannten Bewegungen. Gerade dieser Dualismus ist jedoch fehlerhaft, denn um sich überhaupt bewegen zu können, bedarf es einer angemessenen Entspannung, aus der Kraft erzeugt werden kann. Somit werden auch in "äußeren" Stilen entspannte und weiche Bewegungen ausgeführt. Umgekehrt gibt es auch "innere" Stile, die explosive Techniken verwenden.

Autor seit 3 Jahren
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