Schwanzwedeln drückt immer Freude aus.

Nein.

Nichts ist so unausrottbar wie der Glaube, dass ein Hund, der mit dem Schwanz wedelt, sich freut. Und: jede Bewegung der Rute wird dabei als "Schwanzwedeln" interpretiert. Wenn ein Hund sich freut wedelt er tatsächlich mit dem Schwanz. Ganz locker und heftig. Eigentlich wedelt der ganze Hund. Allerdings gibt es kaum eine Situation, in der sich die Rute nicht bewegt. Da lohnt es sich schon, genauer hin zu schauen.

 

Der versteht jedes Wort

Jein.

Hunde haben in der Tat eine erstaunliche Begabung einzelne Begriffe der menschlichen Sprache zu lernen. Das beweisen zum Beispiel die Sprachgenies "Rico" und "Chaser". Ein Hund, der mehrere Jahre in einer menschlichen Familie gelebt hat, kann sich einen beträchtlichen Wortschatz aneignen. Aber es ist übertrieben zu sagen, er verstünde jedes Wort. Kate Kitchenham bringt es in "Forschung trifft Hund" sehr treffend auf den Punkt: Ein Hund versteht nicht jedes Wort. Aber er versteht alles – ohne Worte.

 

Der hat ein schlechtes Gewissen

Nein.

Sie kommen nach Hause und der Inhalt des Abfalleimers liegt im Wohnzimmer verstreut. Der Hund steht da mit hängendem Kopf, pfötelt, windet sich, zeigt Demutsverhalten. "Der hat ein schlechtes Gewissen." In Wirklichkeit hat er nur gelernt, dass Müll auf dem Wohnzimmerteppich Ärger für ihn bedeutet. Sicher hatte er beim ersten Mal kein "schlechte Gewissen". Aber dann treffen Herrchen, Müll auf dem Teppich und ein ordentlicher Anpfiff zusammen. Das verbindet er und in Zukunft zeigt er immer ein "schlechtes Gewissen", wenn er mit Müll auf dem Teppich erwischt wird. Auch wenn er ihn gar nicht dort verteilt hat. Das zeigten wissenschaftliche Untersuchungen.

 

Hunde sind im Prinzip doch noch Wölfe.

Nein.

Hunde und Wölfe sind genetisch fast identisch. Forscher gehen davon aus, dass der Unterschied zwischen Hund und Wolf in der Aktivität bestimmter Gene im Gehirn liegt. Diese Gene befinden sich in Regionen, die für Emotionen zuständig sind. Ihre Produkte verwandeln den scheuen Wolf in einen zahmen Kulturfolger.

 

Ein Wolfsrudel wird von einem despotischen Diktator regiert

Nein.

Dieser Irrglaube stammt von Beobachtungen an Wölfen, die in Gefangenschaft lebten und ähnlich wie Menschen in einem Gefangenenlager eine knallharte Hackordnung entwickelten. In Wirklichkeit ist ein Wolfsrudel eine ganz normale Familie in der flache Hierarchien herrschen.

 

Der Irrtum vom Wolfsrudel zieht einen ganzen Rattenschwanz von weiteren Irrtümern nach sich, die unseren Hunden in den vergangenen Jahren das Leben schwer gemacht haben dürften:

 

Hunde wollen die Welt regieren und streben von sich aus nach Dominanz.

Nein.

Sie versuchen meist nur, die Führung zu übernehmen, wenn sie nicht erkennen können, wer das sonst tut.

 

So wird man Rudelführer:

Um dem Hund zu zeigen, wer das Alphatier ist, müssen Sie immer voraus gehen, der Hund darf nie erhöhte Liegeplätze einnehmen, Sie müssen vor ihm essen und er muss sich jederzeit sein Futter wegnehmen lassen.

Wenn er dann immer noch nicht kapiert hat, wer der Boss ist, kommt der Alphawurf zum Einsatz.

Dabei wird der Hund am Nackenfell hochgehoben und auf den Boden geklatscht. Das zeigt dem Hund, wer das Alphatier ist.

Nein. Alles Klatsch Quatsch.

Können wir uns vorstellen, dass ein Wolfsrudel im Gänsemarsch durch den Wald zieht? Vorausgehen und Führen ist nicht dasselbe. Man kann gerne Vorausgehen. Wenn der Führer an der nächsten Kreuzung abbiegt, muss man eben rennen.

 

Ein Hund muss jederzeit sein Futter hergeben

Nein.

Es gibt keine Futterrangordnung. Das ganze Rudel frißt gleichzeitig. Alphatiere bleiben zwar ein bisschen länger am Futter, dafür kommen die rangniederen Tiere häufiger zum Zug. Jeder darf behalten und fressen, was er ergattert hat. Mit dem häufigen Wegnehmen des Futters macht man dem Hund nur Stress und er fängt an, diese wichtige Ressource zu verteidigen.

 

Anspringen demonstriert Dominanz

Nein.

Im Gegenteil. Hunde demonstrieren Unterordnung durch Mundwinkellecken. Und da unsere Mundwinkel meist recht weit entfernt sind, hilft sich der Hund, indem er sich auf die Hinterbeine stellt.

 

Wie redet man mit einem Hund?

Immer schön freundlich.

Viele glauben man muss vor allem große Hunde in einem strengen Kasernenton anschnarren, damit sie hören. Das stimmt nicht. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass man damit lediglich die Stresshormone im Blut des Hundes erhöht. Bei einem freundlichen Umgangston ist der Hund viel entspannter und aufnahmefähiger. Und wenn doch einmal ein schärferer Ton angebracht ist, stößt man nicht an seine Grenzen. Hunde gewöhnen sich außerdem an das ewige Anschnarren und reagieren nicht mehr darauf.

Und es kommt gelegentlich zu Missverständnissen:

Wenn der Postmann klingelt – nein, es reicht schon, wenn er nur vorbeifährt – und ich versuche das Bellen meines Hundes in scharfem Ton zu unterbinden, reagiert der sonst freundliche, gutwillige Zeitgenosse überhaupt nicht. Er wähnt nicht sich sondern den Postboten angesprochen.

 

Man darf Hunden nicht direkt in die Augen sehen.

Jein.

Direktes Anblicken – Fixieren – verstehen Hunde als Bedrohung. Aber unsere Haushunde sind ausgezeichnete Humanethologen und haben gelernt, dass wir Menschen uns mit unseren Blicken nicht bedrohen, sondern vielmehr kommunizieren.

Deswegen darf man einem bekannten, entspannten Hund durchaus mal tief in die Augen blicken. Ein fremder Hund, der sich vielleicht noch in einer Stresssituation befindet, zum Beispiel beim Tierarzt, kann darauf durchaus nach althergebrachtrer Canidenmanier reagieren und knurren und drohen, weil ihm im Augenblick der Sinn einfach nicht nach Humanethologie steht.

 

Der hat noch Welpenschutz

Jein.

Welpenschutz gibt es nur innerhalb der Familie. Fremde Welpen sind genauso nervig wie die unerzogenen Nachbarsgören und werden auch entsprechend behandelt.

 

Hunde sind farbenblind

Nein.

Alle Säugetiere mit Ausnahme der Primaten haben zwei verschiedene Farbrezeptoren. Mit dieser eingeschränkten Information berechnet das Hundegehirn Farben anders als wir, die wir ja Primaten sind. Dazu kommt, dass es insgesamt weniger farbwahrnehmende Zellen gibt, so dass die Farben auch ein bisschen blasser aussehen. Aber seine Welt ist trotzdem bunt.

 

Rohes Fleisch macht Hunde aggressiv und "scharf"

Nein.

Wölfe fressen Rohes, Hunde oft Gekochtes. Wölfe sind Wildtiere und mit ihnen ist nicht zu spaßen. Hunde sind zahm. Was liegt näher als zu glauben, dass das rohe Fleisch den Unterschied macht. Aber Hunde sind genetisch zahm und bleiben es auch, wenn man ihnen gelegentlich ein kleines oder auch größeres Steak serviert.

 

Und wenn er dann mit dem Schwanz wedelt, freut er sich vielleicht wirklich.

 

Webtipp: Hund sein - wie ist das?

 

 

Bildquellen:

oben: © Templermeister / PIXELIO

mitte: © M_K_H / PIXELIO

unten:© Frank Reichow / PIXELIO

 

Autor seit 5 Jahren
4 Seiten
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