Reiten - kein Fitnessprogramm für jedermann - Was Sie mitbringen sollten

Wer glaubt, Reiten wäre ein guter Einsteigersport für leicht überfütterte Couch-Potatoes mit steifer Wirbelsäule und verkümmertem Gleichgewichtssinn, der irrt sich: Dergleichen ist tierschutzrelevant und nicht ungefährlich. Zum Abnehmen sind das Fitness-Studio mit Anleitung, Gymnastik, Radfahren oder leichtes Lauftraining weit besser geeignet. Späteinsteiger mit Bandscheiben-Vorschäden sollten Ihren Arzt fragen, bevor sie sich auf ein Pferd wagen, und unbedingt ebenfalls parallel mit Übungen zu mehr Geschmeidigkeit starten.

Sie müssen nun grundsätzlich kein Leichtgewicht sein, aber für den Anfang sollten Sie eine gewisse Grundkondition und Beweglichkeit mitbringen, schon dem Pferd zuliebe, dazu etwas Disziplin, Einfühlungsvermögen und Lernbereitschaft.

Reiten ist in der Tat zwischen Sport und Philosophie anzusiedeln: Vom Japanischen Zen-Bogenschießen unterscheidet es sich durch die Mit-Beteiligung eines großen eigenwilligen Lebewesens von mehreren hundert Kilogramm.

Reiten erfordert Konzentration, bietet zugleich  Entspannung und engen Kontakt mit der Natur. Schon beim Putzen, Bürsten, der Hufpflege des Pferdes und beim Satteln ist Muskeleinsatz gefragt, fürs Aufsteigen Gelenkigkeit, und bei allem stets ein gewisses Einfühlungs- und Reaktionsvermögen.

All-in-one: Frische Luft, Natur, gesunde Bewegung, Entspannung, Abenteuer - und ein vierbeiniger Partner

Echte Pferdemenschen lieben alles: Die Arbeiten rund um Stall und Weide, die Grundausbildung junger Tiere an der Hand, die Pflege der Ausrüstung und die Fütterung und Versorgung der Pferde.

Beim Reiten in jeder Gangart des Pferdes reagiert Ihr Körper instinktiv und benutzt dabei im Wechsel fast 100% der Muskulatur (beim Joggen nur etwas über 12%), um der Bewegung des Pferdes zu folgen und die Balance zu halten Das ist gerade am Anfang eine Herausforderung, die das Gehirn fordert und zudem Muskelkater beschert: Beispielsweise werden die Adduktoren, die Muskeln an den Oberschenkel-Innenseiten, erbarmungslos gedehnt. Im korrekten aufrechten Sitz wird Ihr Becken im Schritt des Pferdes in eine rotierende Bewegung versetzt, die die Bandscheiben durch sanfte Be- und Entlastung im Wechsel wohltuend "durchknetet". Gleichzeitig wird dabei die Rumpfmuskulatur trainiert, die die Wirbelsäule stützt: Vor allem Rückenstrecker-, Lenden- und Bauchmuskulatur kommen zum Einsatz. Mancher Bandscheibenpatient hätte durch einen Verzicht aufs Reiten tatsächlich mehr Rückenschmerzen, selbst wenn Ärzte häufig bedenklich den Kopf schütteln.

Wie bei vielen Outdoor- und Natur-Sportarten verhindern Vorsicht, Umsicht und die richtige Ausrüstung Unfälle: Reitkappen, Sturzwesten, passende Stiefel, Sicherheitssteigbügel - und natürlich eine gründliche Ausbildung der zwei- und vierbeinigen Beteiligten.

Reiten können Sie übrigens, so lange Sie leben: Geübte Senioren steigen auch im höheren Alter noch regelmäßig in den Sattel, und pflegen so Selbstvertrauen und Beweglichkeit, auch die geistige – denn wirklich "ausgelernt" hat man bei Pferden nie. Doch einmal gelernt ist gelernt. Und wenn mit der Zeit womöglich ein wenig Muskelkraft fehlt, die lässt sich beim sensiblen Partner Pferd meist mit Feinfühligkeit und Technik hervorragend ersetzen.

Autor seit 4 Jahren
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