Fröhlich ohne Arbeit...

Fröhlich ohne Arbeit... (Bild: SympathieMagazin Italien)

Es sind alles Tropfen auf den heißen Stein. Die Krise in Italien hat nach wie vor ein Gesicht, und dies ist ein junges Gesicht. Denn alle politischen Aktivitäten, die häufig Scheinaktivitäten waren, haben nichts daran geändert, dass der italienische Arbeitsmarkt eine Zwei-Klassen-Gesellschaft ist. Da gibt es auf der einen Seite die älteren, zumeist öffentlich Angestellten, die einen starken Kündigungsschutz genießen. Auf der Schattenseite stehen aber nach wie vor junge Menschen, die es kaum schaffen, eine Ausbildungsstelle oder eine feste Anstellung zu finden – ob sie nun einen Hauptschulabschluss oder ein Universitätsdiplom haben.

 Die demographischen Folgen

Und jene politischen Kräfte, die das Unheil sehen, müssen gleichwohl zusehen, wie viele auswandern, weniger nach Deutschland, mehr in die Niederlande. Aber nicht nur das. Die Krise hat weitreichende demographische Folgen. Einerseits wandern nicht wenige aus, andererseits können und wollen viele keine Familie gründen. Vielfach wird im Ausland über die "Mamitos" gelästert, jene jungen Italiener, die keinen eigenen Hausstand gründen, sondern daheim rumhocken im elterlichen Haus. Das ist in vielen Fällen eine Entscheidung aus purer Not. Der Mailänder Demographie-Professor Alessandro Rosina erklärt die Folgen: "Wir verlieren gerade eine große Reserve, die lebenswichtig ist, nämlich den Motor für Wachstum, also den wertvollsten Teil der Bevölkerung". Und der kommt allmählich, inzwischen in immer höherer Geschwindigkeit, abhanden.

 In der benachbarten Schweiz gibt es Arbeit

Angesichts rapide sinkender Zukunftschancen verfallen natürlich viele junge Menschen auf der Apennin-Halbinsel in Resignation und Apathie. Nicht nur im "Armenviertel" südlich von Rom, sondern zunehmend auch im eigentlich gut durchindustralisierten Norden. In der Fiat-Metropole Turin genauso wie in Mailand oder der Provinz Como. Wer hier allerdings an der Grenze zum schweizerischen Tessin lebt, hat noch Chancen: Tag für Tag quälen sich hier Autokolonnen über die Grenze. In der Schweiz gibt es Arbeit. Die Eidgenossen zahlen zwar Ausländern aus Italien für vergleichbare Arbeit im Schnitt 30 Prozent weniger Lohn als den Einheimischen. Das allerdings ist besser als gar nichts. Aber: Sie wollen keine Lehrlinge, sondern ausgebildete, also qualifizierte Arbeitnehmer. Derweil beginnen auch italienische Unternehmer mit dem Werbeslogan "Kehrt Italien nicht den Rücken".

Siehe auch die Broschüre "Italien verstehen", aus der Reihe SympathieMagazine des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung e.V.

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