Estepona, Markthalle

Estepona, Markthalle (Bild: Gabriele Hefele)

Kleine Geschichte der Kachelmalerei

Es waren die Mauren, denen man die Verbreitung dieser auffälligen Art, die Wände zu schmücken, verdankt und die sie über die Meerenge von Gibraltar nach Spanien einführten. Üblich waren um diese Zeit zunächst geometrische Abbildungen oder Pflanzenmotive, die zu Mustern zusammengefügt wurden und Wände, Treppenstufen, ja sogar Möbel schmückten. Der Islam erlaubte ja keine Abbildung von Personen. Mit der Erfindung der Glasur und des Emails wurde die Farbe dauerhafter.

 Erstmals Tier-Motive im 15. Jahrhundert

Die arabischen Fliesen-Künstler waren auch nach der Vertreibung der Mauren, der sogenannten Reconquista, sehr anerkannt. Neue Zentren der Keramik entstanden im 15. Jahrhundert in der Provinz Valencia. Nun traten als Motive erstmals Tiere wie Hirsche, Fische, Hasen sowie Adels-Wappen auf Fliesen auf. Die metallisch glänzenden Werke zeugen von großer Virtuosität.

Von der Majolika-Technik in Italien bis zum flämischen Einfluss

Im Verlauf des 16. Jahrhunderts setzte sich aus Italien kommend die Majolika-Technik durch, bei der farbige Scherben mit weißer Zinnglasur überschmolzen und anschließend bemalt wurden. Dies übernahmen vor allem die Fliesen-Produktionsstätten in Sevilla. Von dort trat die Technik ihren Siegeszug auf der gesamten iberischen Halbinsel an. Madonnenbild in SevillaÜbrigens übernahm Portugal die spanische Fliesentechnik und nicht umgekehrt, wie man aufgrund des Fliesenprunks am Atlantik meinen könnte. Es entwickelte sich jedoch ein eigener portugiesischer Stil von naturalistischen, exotischen, auch Seefahrer-Motiven, die ganze Häuser-Wände zunächst in Gelb und Grün auf weißem Grund und später in Blau-Weiß schmückten. Letzteres ein rückwirkender flämischer Einfluss. Heute gibt es kaum einen Portugal-Touristen ohne weißblaues Fliesen-Souvenir im Gepäck!

 oben: Madonnenbild in Sevilla

Kachelmalerei als Hobby - Bekannte Künstlerin an der Costa del Sol: Sigrid Goldbach

Einzelkacheln (Bild: Gabriele Hefele)

Kacheln bemalen und brennen - ein beliebtes Hobby

Immer mehr Hobby-Künstler entdecken auch diese individuelle Möglichkeit der Malerei auf Fliesen-Untergrund. Es gibt Extra-Farben dazu in großer Auswahl. Einen eigenen Brennofen anschaffen geht in vierstellige Summen und kostet ziemlich viel Energie beziehungsweise Strom. Man braucht aber nicht unbedingt seinen eigenen teuren Brennofen dazu, sondern bringt sein Werk zum Brennen in ein Keramik-Atelier. Und es gibt heute auch schon eine Behandlungsmöglickeit der Fliesen, damit sie außen an der Hauswand bei Frosttemperaturen nicht mehr springen. Volkshochschulen bieten auch entsprechende Kurse an.

Erfahrene Amateure geben übrigens zu, dass die ersten Versuche oft ganz schön daneben gehen können. Also nicht enttäuscht sein, sondern an den alten Spruch der Handwerker denken: Übung macht den Meister! Das gibt auch besonders für die Kachelmalerei.

Die bekannte Kachelmalerin Sigrid Goldbach aus Mijas an der Costa del Sol bedauert übrigens, dass man im Süden immer weniger Kachelbilder im öffentlichen Raum sieht, dass viele durch Plastikschilder ersetzt wurden. Woran liegt das ihrer Meinung nach? Sigrid Goldbach: "Es ist natürlich teurer als nur Verputzen und Anstreichen, allein vom Material und dem Aufwand her. Mit dem Bauboom und der Gier nach dem schnellen Geld hatte keiner mehr die Muße und die Ader zur Pflege dieser Tradition." Sie jedoch pflegt diese Tradition, und ihr Haus (im Bild links oben) ist deshalb zu einer Sehenswürdigkeit geworden.

Arlequina, am 20.03.2013
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Bildquelle:
Kerstin Schuster (Kunst aus Metall – dekorative Dinge für Garten, Balkon und Terrasse)

Autor seit 5 Jahren
206 Seiten
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