Die Camellia japonica hält Einzug in Europa

Die zur Familie Theaceae gehörenden Kamelien (Camellia japonica) stammen ursprünglich aus Südost- und Ostasien. Es handelt sich bei den Kamelien um immergrüne Teestrauchgewächse, die sowohl als Ziersträucher und ebenso als Bäume vorkommen.

Überlieferungen zufolge sollen Kaufleute etwa im 17. Jahrhundert die Camellia japonica mit nach Europa gebracht haben. Wie es heißt, kamen die ersten, aus Japan stammenden, Kamelien etwa anno 1739 zunächst nach England.

Aus anderen Quellen geht jedoch hervor, das portugiesische Seefahrer im 16. Jahrhundert die heute sehr beliebten Zierpflanzen nach Europa gebracht haben sollen. Diese These ist jedoch umstritten und resultiert aus einem Missverständnis des US-Amerikaners Frederick G. Meyer.

Die Teestrauchgewächse sind beliebte Gartenpflanzen und Wintergarten-Gewächse, die zwar bezaubernd schön aber ebenso sehr anspruchsvoll sind. Deswegen gedeihen sie nicht überall so prächtig wie gewünscht und werden daher als "empfindlich" eingestuft. Die angeblich eigensinnige Camellia möchte allerdings nur richtig gehegt und gepflegt werden. Dann wächst sie auch und vermehrt sich ordentlich.

Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte die uralte Kulturpflanze ihren Höhenpunkt in Deutschland. Nicht in sexueller Hinsicht. Vielmehr avancierte sie zu einer der begehrtesten Schnittblumen, die sowohl zu Sträußen gebunden wurde als auch in Gestecken ihre Pracht entfaltete. Selbst als Ansteckblumen waren die Blüten des Teestrauchs aus Ostasien sehr begehrt. Schuld daran - wenn denn in diesem Sinne von Schuld gesprochen werden kann - war Alexandre Dumas der Jüngere. Wer war er, und welchen Anteil hatte er daran, dass die Kamelie sich in Europa großer Popularität erfreute?

Alexandre Dumas

Alexandre Dumas der Jüngere war ein französischer Romanschriftsteller und Dichter. Er war der uneheliche Sohn des gleichnamigen Schriftstellers Alexandre Dumas. Dieser war der "geistige Vater" der "Drei Musketiere" und hat ebenfalls dem "Graf von Monte Christo" Leben eingehaucht.

Dumas der Ältere - der Enkel des Marquis Alexandre Davy de la Pailleterie - zeugte mit der Näherin Marie-Catherine Labay einen Sohn. Alexandre genannt!

Junior Dumas trat später in die Fußstapfen seines erfolgreichen Vaters und schrieb unter anderem gesellschaftskritische Romane. Eines seiner Werke - Die Kameliendame - wurde 1848 in Paris veröffentlicht.

La dame aux camélias (so der Originaltitel) war ein voller Erfolg, der den jungen Dumas aus dem Schatten seines berühmten Vaters heraustreten ließ. Die zum Teil autobiografische Handlung, die hauptsächlich in der Halbwelt von Paris zu jener Zeit spielte, sorgte für Aufsehen.

 

Der Roman des jungen Dumas kam seinerseits so gut an, dass der Autor das Stück zu einem Bühnendrama umschrieb, welches erstmals im Februar 1852 in Paris uraufgeführt wurde. Die erste Verfilmung seines Erfolgsromans ließ allerdings noch einige Jahrzehnte auf sich warten. Die "Kameliendame" wurde erst anno 1936 verfilmt.

Die weibliche Hauptrolle des US-amerikanischen Streifens aus dem Jahr 1936 spielte die schwedische Filmschauspielerin Greta Gabor. Die Hollywoodlegende war brillant in der Rolle Kameliendame - der Pariser Kurtisane Marguerite Gautier. Der von George Dewey Cukor produzierte Film war es, der schlussendlich die Kamelie aus ihrem "Schattendasein" holte und der Zierpflanze zu Weltruhm verhalf.

Die ältesten Kamelien Europas

Es gibt derzeit nur vier uralte Exemplare der Camellia japonica in Europa, die vermutlich aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen. Zwei davon befinden sich Deutschland. Ein Exemplar kann in meiner Heimatstadt Dresden, in der wunderschönen Schlossanlage Pillnitz bewundert werden. Ein weiteres Teestrauch-Exemplar ist in Villa Nova de Gaia / Portugal - dem Garten von Casa dos Condes de Campo Belo - zu finden. Die italienische Stadt Castera - Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, die zur Region Kampanien zählt - besitzt ebenfalls eine der ältesten Kamelien Europas. Im Bundesland Sachsen - genau genommen in Roßwein, was südwestlich von Dresden liegt - soll sich zudem noch eine Kamelie befinden, die ca. 200 Jahre alt ist. 

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Kamelie im Schlosspark Pillnitz / Dresden

Die Pillnitzer Kamelie müsste unterdessen schon weit über 230 Jahre alt sein. Sie soll einen Durchmesser von ca. 11 m und eine stattliche Höhe von knapp 9 m haben. Die Kamelie im Pillnitzer Schlosspark steht in der kalten Jahreszeit in einem "verfahrbaren" Gewächshaus, welches begehbar ist. Während der Blütezeit - zwischen Februar und April - zieht die berühmte Camellia japonica zahlreiche Gäste nach Dresden, die das Prachtexemplar bestaunen möchten. Mit ungefähr 35.000 karminroten Blüten kann die Dresdner Kamelie aufwarten.

Wie das asiatische Kamelien-Gewächs in die Landeshauptstadt Sachsens kam, ist bis heute nicht wirklich geklärt. Es gibt diesbezüglich eine Legende, die besagt, dass der schwedische Naturforscher Carl Peter Thurnberg (geboren 1743, gestorben 1828) insgesamt 4 Kamelien-Pflanzen von seiner Reise nach Japan mit nach Europa gebracht haben soll. Dies geschah im Jahre 1779. Ein Exemplar blieb im Royal Botanic Gardens im Südwesten Londons. Hierbei handelt es sich um eine der ältesten botanischen Gartenlagen weltweit, mit eindrucksvollen victorianischen Gewächshäusern, die auch unter dem Namen Kew-Gardens bekannt ist.

Wie es heißt, sollen die restlichen 3 Pflanzen der Japanischen Kamelie von London aus nach Schönbrunn bei Wien, nach Hannover und nach Dresden gelangt sein. Schenkt man der Überlieferung Glauben, ist die stattliche Kamelie im Schlosspark Pillnitz das einzig überlebende Exemplar gewesen. Ob es denn stimmt?

Fakt ist, dass die "Absenker" der uralten Kamelie aus dem Schlosspark in Pillnitz käuflich erworben werden können. Ein Grund mehr, einen Ausflug nach Dresden zu unternehmen, um dem Pillnitzer Schloss und der traumhaft schönen Parkanlage einen Besuch abzustatten. Dort können Sie nicht nur eine der ätesten Kamelien der Welt bewundern, sondern auch die faszinierenden Mandarinenten.

KreativeSchreibfee, am 22.03.2014
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Bildquelle:
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Autor seit 5 Jahren
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