Poesie der Zerstörung

Die Kunst in den gewaltig inszenierten Kampfszenen besteht gerade darin, den Zuschauer nicht ständig alles deutlich erkennen zu lassen. Manchmal sieht man vor allem sich wild bewegende Farben oder Formen, denn alle drei großen Kampfszenen spielen sich im Dunkeln ohne Tageslicht. Das verstärkt das Irreale und so entsteht tatsächlich innerhalb dieser betäubenden Szenen gleichzeitig eine Poesie, die auch eine gefühlsmäßige Anteilnahme erlaubt.

Die erste Schlacht findet bei Nacht und Sturm statt, die zweite bei Nacht und Regen und die dritte auf dem dunklen Meeresboden, der aber erleuchtet ist von den wie in der Hölle brennenden Flammen des Erdinneren. Ansonsten sind da zum einen die Scheinwerfer und Lichter der Roboter, vor allem auch das warm strahlende "Herz". Aber auch die Kaijus können leuchten durch ihr blaues Blut, das aus ihren im Kampf erlittenen tiefen Wunden dringt. Dazu kommen dann noch die Lichter der Großstadt Hongkong, wenn der Kampf sich dorthin verlagert.

Und immer wieder gibt es kleine, äußerst kurze Augenblicke der Stille, in denen der Film kurz innehält, wenn beispielsweise ein Poller am Hafen eingedrückt wird, so dass dann eine Möwe wegfliegt, die seltsamerweise dort in aller Ruhe ausgeharrt hat, als hätte sie der Lärm vorher nicht gestört. Oder das Kugelstoßpendel, das durch eine sanfte Berührung durch einen Roboterarm anfängt zu klicken. Das ist dann ein kurzes, ironisches Atemholen sowohl des Films als auch der Zuschauer, bevor es wieder zur Sache geht.

Eine vierte Zerstörungsorgie in einer japanischen Großstadt findet sich in einer Traumsequenz, was einerseits eine schöne Hommage an die geistige Herkunft dieser Monster, an die klassischen Godzillafilme der 60er ist. Andererseits wird hier visualisiert, wie sich ein in der Kindheit erlebter Schrecken als Trauma festgesetzt hat. Es ist zwar Tag, aber der dichte weiße Staub liegt wie eine verschwommene Erinnerung in den Straßen und in der Luft und verstärkt und verschönert nebenbei den 3D-Effekt.

"Pacific Rim" (Trailer deutsch)

3D

Dieser Staub hat dieselbe Funktion wie in den anderen Szenen das spritzende Meereswasser, der Regen, der an den Ungeheuern herunterströmt, oder die Funken, die an verschiedenen Stellen durchs Bild fliegen: Das alles füllt auf eindrucksvolle Weise den normalerweise leeren Raum, und nutzt die drei Dimensionen effektvoll, so dass das Raumgefühl verstärkt wird. Schon James Cameron hatte ja in "Avatar" den fantastischen Wald mit umherschwebenden Partikeln und Lebewesen ausgefüllt, als wäre man unter Wasser. 3D ist hier also weder überflüssiges Beiwerk, noch wird die Wirkung überstrapaziert auf Kosten der Dynamik der Handlung. Ein schönes Beispiel ist die Bauarbeit in einem gigantischen Schutzwall, wo man plötzlich kurz in die Tiefe schaut, aber gerade, als man sich wohlig in das Gefühl des Schwindels hineinlegen will, erfolgt schon der Schnitt zum nächsten Bild.

Der Gegensatz zwischen Mensch und Maschine, zwischen Groß und Klein wird auch des Öfteren genutzt. Das führt immer wieder zu sowohl beeindruckenden als auch emotionalen Bildern. Einmal sieht man die beiden "Piloten" eines Roboters ganz klein, kaum erkennbar, in der Ferne aus der Perspektive der Arbeit am Herzen des Roboters.

Dann gibt es die wunderschöne Kamerafahrt, die ein kleines Mädchen begleitet, sich dann hinter den Trümmern der Stadt verliert, und plötzlich ist das Mädchen wieder klein im Blickfeld einer Totalen aus der Vogelperspektive zu sehen. Verloren steht es da inmitten des Schutts vor einem Kaiju-Kadaver.

Internationalismus und Zusammenarbeit

Es ist auch interessant zu betrachten, wie der Film den mitunter etwas peinlichen Standardzutaten manch anderer Filme dieser Art ausweicht. Dem Nationalismus geht der Film aus dem Weg durch die internationale Herkunft der vielen Beteiligten. Die ganze Welt ist hier engagiert. Das Militaristische wird gemieden, da es sich in dem Film eher um eine Art improvisierten Outlaw-Widerstand handelt, da die Jaeger-Einheit aufs Abstellgleis geschoben wurde, weil die Politiker sich auf eine absurde Schutzwallidee konzentriert hatten. Dem obligatorischen sentimentalen Abschied zwischen zwei Menschen vor einer gefährlichen Entscheidungsschlacht (hier Vater und Sohn) wird ein schön-hässlicher Hund hinzugeben. Überhaupt erfüllen die Charaktere des Films bis zu einer gewissen Grenze die Anforderungen des Genres, sind aber dann immer ein wenig anders, so dass es originell ist. Dabei beschränkt sich der Film auf eine Art niedliche Ironie, die nie in die böse Satire abgleitet. Paul Verhoevens "Starship Troopers" ist weit entfernt.

Gekämpft wird in Paaren, was schon jeden individuellen, übermenschlichen Heroismus verhindert. Tatsächlich geht es nicht nur um Zusammenarbeit, sondern auch durch die Verbindung der Gedanken um geistige Kompatibilität und im Idealfall um geistige Verwandtschaft. Die entdecken vor allem die beiden Hauptfiguren Mako (Rinko Kikuchi) und Raleigh (Charlie Hunnam aus der TV-Biker-Serie "Sons of Anarchy"), was auch eine schöne Art ist, zu erkennen, dass man zusammengehört. Mako entspricht auch nicht dem Bild der Kampfamazone, sie ist angesiedelt zwischen großäugigem Mädchen und graziler Kampfkünstlerin. Das ist die Gelegenheit, auch einmal eine Szene mit physischem Kampf, hier Mann gehen Frau, zu zeigen. Und wie eine Parodie auf die penetrante Theorie vom "männlichen Blick" spioniert sie halb verschämt, halb vergnügt dem gut gebauten Raleigh nach, als er sein T-Shirt auszieht.

Pacific Rim -Gipsy Danger (Bild: AllPosters)

"Pacific Rim" auf DVD ab 31.12.2013
Pacific Rim

Liebe zum Monster

Zur Zusammenarbeit gezwungen werden auch die Wissenschaftler des Films, die sich mit der Erforschung der Kaijus und der Ursache dieser Angriffe beschäftigen. Das Wissenschaftlerpärchen erweist sich dabei als gegensätzliches Komikerpärchen. Da ist der etwas aseptische Theoretiker (mit deutschem Namen), der sich nur mit Zahlen und Berechnungen beschäftigt. Und da ist der Mann der praktischen Forschung, der Freude daran hat, bis zu den Ellenbogen in Kaiju-Innereien zu wühlen. "Kaiju-Groupie" beschimpft ihn sein Kollege, denn tatsächlich ist jener von den Kreaturen fasziniert und hat sie sich auch tätowieren lassen.

Der ist dann wohl gleichzeitig eine Art Alter Ego des Regisseurs, denn auch dieser hat ja gesagt, dass er Monster liebe, und gerade in diesem Teil der Geschichte lässt del Toro seiner Freude am Grotesken und Bizarren freien Lauf. Da gibt es dann auch einen Spaziergang in ein surreales Hongkong, in dem die chinesische Medizin die Einzelteile der Kaijus als Heilmittel entdeckt hat.

Zur rettenden Erkenntnis können sie aber nur gemeinsam kommen. Theorie und Praxis müssen sich vereinen, nur eins allein reicht nicht aus. Oder, um es direkter zu sagen: Nur Zahlen und Innereien zusammen können tatsächlich die Welt retten.

"Pacific Rim" Interviews mit mehreren Beteiligten (Englisch)
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