Vom 11.11. bis Aschermittwoch wird gefeiert!

Das erste Treffen der Narren ist immer um den 11. November eines jeden Jahres. Denn das ist traditionell der Auftakt der Session. Dabei handelt es sich um die Prinzenproklamation. Es gibt Prunksitzungen, Herrensitzungen, Mädchensitzungen, Kostümsitzungen und spezifische Vereinssitzungen. Dazu kommen noch diverse Bälle. Wer also ein Karnevals-Jeck ist und das nötige Kleingeld hat, der kann die "Fünfte Jahreszeit" in vollen Zügen genießen. Ist die Session kurz, so wie in diesem Jahr, bleibt kaum genügend Zeit, zwischen den Festen komplett auszunüchtern. Denn eins ist klar, im Fasching läuft das "Kölsch" in Strömen. Aber auch die Winzer bedanken sich, denn bei noblen Veranstaltungen ist in den Sälen Weinzwang. So ist dieses Brauchtum inzwischen auch ein enormer Wirtschaftsfaktor für Gastronomie, Hotellerie und die entsprechenden Produzenten. Kostüme, Dekoration, Wurfmaterial (Kamelle) wollen schließlich in ausreichender Menge produziert werden.

Programmpunkte zugeschnitten auf das Publikum

Tanzgruppe auf der Herrensitzung

Stimmung auf der Mädchensitzung

Martin Schopps ist Redner im Karneval, Humorist und Moderator.

Mädchensitzung - gute Laune, soweit das Auge reicht.

Ausgelassen gefeiert wird immer auf den Mädchensitzungen. Da wird natürlich auch das Programm angepasst. Aktuelle Musiker heizen den Saal auf gefühlte 100 Grad Celsius ein. Die Damen stehen spätestens nach dem zweiten Glas Wein auf Stühlen und Tischen, singen und tanzen mit. So viel Begeisterung wie da, geht sonst nirgendwo. Hatte man früher viele Redner und Parodisten im Programm, ist dieses nun der Zeit angepasst worden. Mitreißende Sounds holen auch die älteren Semester vom Hocker. Für die armen Kellner ist kaum noch ein Durchkommen, überall wird abgetanzt. Es ist Stimmung, und die professionelle Beschallung sorgt dafür, dass es so bleibt. Im Foyer gibt es lecker Brötchen mit Lachs, Mett oder Käse, sogenannte Bremsklötze (Frikadellen) und wem zu warm wird, geht nach draußen ins Raucherzelt Luft holen, der war gut, könnte von mit sein! 

Das große Problem sind immer die Toiletten. Denn die Damen erobern nach nur ganz kurzem Zögern auch die Männerdomäne. Das ist für die so, als wenn beim Aldi die zweite Kasse endlich öffnet. Und steht Mann dann einsam zwischen diesen eingekeilt, ertönt immer, aber auch immer der gleiche Spruch: "Mach Dir nix druss, wir sinn Nachkriegskinder und Elend gewöhnt!"

Herrensitzung - mit Pittermännchen bei der Fleischbeschau!

Da wir Männer ja niemals so ausgelassen feiern können wie unsere Mädels, ist das Programm und die Getränkekarte genau auf uns zugeschnitten. Am Tisch werden Zehnliter-Fässchen geleert. Das ist zwar Schlepperei für die Kellner, aber die brauchen dann auch nicht mehr so oft zum gleichen Tisch. Zum Anheizen der Stimmung werden die einzelnen Programmpunkte von sogenannten Nummern-Girls angekündigt. Zwei scharfen Miezen, die von Auftritt zu Auftritt immer nackiger werden. Auch das Tanzballet "Tropicana" zeigt viel nackte Haut. Die Witze werden entweder politisch oder sind etwas unter der Gürtellinie. Auch da ging man mit der Zeit, wenige Redner am Anfang und mit steigendem Alkoholpegel zur zweiten Halbzeit Rambazamba olé! Denn je weniger Kölsch im Fässchen und um so mehr im Körper ist, desto eher nimmt die Konzentrationsfähigkeit ab. Aber um einem gut gebauten Mädel mit 2,3 Promille im Blut auf das wohlgeformte Hinterteil zu starren, reicht es wohl gerade noch. Zu viel mehr vermutlich dann nicht mehr. Denn einige von den Herren fliegen ziemlich tief, haben bedenklich Schlagseite. Draußen freuen sich die Taxi-Fahrer, die die angeschlagenen Helden bei Mutti zu Hause abliefern dürfen.

Einige Programmpunkte der diesjährigen Session im Sitzungskarneval

Kasalla, da rockt der Saal

Die Schlacht ist geschlagen, das große Aufräumen beginnt!

Ohne guten Service kann keine vernünftige Feier funktionieren. Und so sollten wir auch einmal den Helden hinter den Kulissen danken. Stets über etliche Stunden alle gekühlte Getränke parat zu haben, erfordert eine gute Logistik. Kellner, die durstige Gäste nicht lange warten lassen, sind für uns eine Selbstverständlichkeit. Hygienisch einwandfreie und schmackhafte Verköstigung gehört in professionelle Hände. Dafür sorgen Catering-Firmen und Party-Sevices. Doch es ist viel Arbeit. Wir arbeiten hier ja in einer Turnhalle. Alle Kühltruhen und Kühlschränke müssen vorher angefahren werden. Theken bauen sich nicht von selber auf. Tische und Bänke aufstellen ist schwerste körperliche Arbeit. Kabel, Lautsprecher, Verstärker und Beleuchtung anbringen ist auch nichts für Dilettanten. Zwischendurch immer wieder für Sauberkeit und Ordnung zu sorgen ist selbstverständlich zum Wohl der Gäste. Und kaum ist die Veranstaltung zu Ende, heißt es einräumen, wegpacken und Saubermachen. Nett wäre es da, wenn sich nicht immer wieder der sogenannte "Harte Kern" am letzten Glas stundenlang festkrallen würde. Denn wir sind Stunden vor dem Einlass hier, und noch lange nicht fertig, wenn Sie bereits im Bett liegen. Und das letzte Kölsch ist eh schlecht für die Gesundheit!

Autor seit 5 Jahren
268 Seiten
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