Come in and burn out

Das heutige Business tritt als Global Player auf und umgibt sich gerne und oft mit viel heißer Luft und Sinnentleerung. Da werden Teamgeist beschworen und Get-Togethers organisiert. In Präsentationen kommt fast immer der Business Case vor (in der Regel meint der Redner jedoch keineswegs einen Aktenkoffer damit), es wird von Success Stories und Win-Win-Situationen geschwafelt. Gab es die früher eigentlich nicht? Und die vielen Start-Ups um uns herum sollten uns auch zu denken geben. Wo waren die denn über Jahrhunderte, etwa verschollen? Ein ewiger Hype ist auch die Verwendung von Core – core ist durchweg beliebt. Wie schön, wenn man von Core Values und Competences sprechen kann – obwohl Kernkompetenz ja auch ganz nett klingt. Und dann die Benchmarks... keine Jahresabschlussveranstaltung ohne Benchmarking, denn wo käme man hin, wenn man vor der ganzen Belegschaft zugeben müsste, dass die Konkurrenz nach eingehender Analyse die Nase vorn hat. Da klingt Benchmarking doch nur halb so peinlich. Vor nicht allzulanger Zeit sprach man übrigens noch von Personalmarketing und fand das Wort schon sehr cool und up-to-date. Jetzt ist das bereits völlig out. Es heißt nun Employer Branding, ich bitte Sie - ist doch klar!

Ungebetene Gäste oder Bereicherung

Fremdwörter, die Eingang in eine andere Sprache finden, hat es immer schon gegeben und das gilt für alle Sprachen. Was anfangs noch als Kauderwelsch daher kam, setzte sich mit der Zeit durch und wurde in die eigene Sprache übernommen.

In der Zeit des Römischen Reichs haben beispielsweise viele lateinische Wörter Einzug in den germanischen Sprachraum gehalten, so zum Beispiel Wörter wie Straße (strata), Frucht (frux), Turm (turris), aus dem Italienischen haben wir Worte entlehnt, wie z.B. Konto, Saldo, aus dem Französischen sogar sehr viele Wörter, wie z.B. Cousin (cousin), Melodie (mélodie), Garderobe (garderobe), auch aus dem Griechischen Akademie, Analogie, Auto und in neuester Zeit sogar aus dem Hochchinesischen Feng Shui (Wind und Wasser), Kungfu (Gongfu=große Anstrengung), Tofu (Doufu= Bohnenkäse). Diese Wörter haben sich in den vergangenen Jahrhunderten und auch in der Neuzeit schon so eingebürgert, dass wir diese nicht mehr als Fremdwörter empfinden. Sie sind Zeichen vergangener Zeiten und Kontakte mit anderen Kulturen und gelten als Bereicherung unseres Wortschatzes.

Wenn es jedoch zu einer Überflutung von neuen Wörtern in der Sprache gibt, wächst das Unbehagen und die Verwirrung in der Gesellschaft. Viele ältere Menschen sind befremdet, wenn gute alte deutsche Wörter wie der "Schlussverkauf” gnadenlos den "Sales” zum Opfer fallen. Auch wenn es den Schlussverkauf rein rechtlich gesehen nicht mehr gibt, fallen uns doch eine Menge deutscher Wörter ein, die stattdessen verwendet werden könnten, z.B. Schnäppchen, Alles-muss-raus, Ausverkauf, reduzierte Preise oder Sonderangebote.

Ist Denglisch Sprachmüll oder "einfach hipp"?

Der Begriff Denglisch ist übrigens durchaus ein wertender Begriff, dessen Definition nicht einheitlich greifbar ist. Grammatikalisch spricht man dann von Denglish, wenn nicht nur Substantive sondern auch englische Verben und Adjektive in die deutsche Sprache übernommen werden und diese nach deutscher Grammatik dekliniert bzw. konjugiert werden, z.B. wenn man sagt: Der Flug wurde gecancelt. Schon manch einer hat das mit abgekanzelt verwechselt! Oder die Software wurde downgeloadet oder gedownloadet! Oder die Hotel-Lounge ist spacig gestylt und mit hippen Möbeln designt. Diese Wortschöpfungen hätte man allesamt getrost vermeiden können, denn warum nicht von einem abgesagten Flug sprechen oder davon, eine Datei herunterzuladen. Warum nicht sagen, dass die Hotelhalle weitläufig und modern ausgestattet ist?

Es geht bei Kritikern des Denglischen also nicht um sprachlichen Purismus sondern darum, überflüssige und verwirrende Anglizismen zu vermeiden, die, wie zahlreiche Studien aus der Werbung zeigen, von einem Großteil der Bevölkerung nicht verstanden werden.

Beispiele:

Convenience Food = Fertiggericht

X-mas shopping = Weihnachtseinkäufe

Keyaccount-Management = Großkundenbetreuung

Oberpeinlich: Sprachliche Irrtümer

Oft genügt es schon, dass ein Wort besonders lässig klingt, um es für einen englischen Ausdruck zu halten. Wörter, die es wie selbstverständlich in unseren täglichen Sprachgebrauch geschafft haben sind Handy, Hometrainer, Beamer aber auch Oldtimer.Diese Wörter, mögen sie auch noch so Englisch anmuten, sind eine reine Erfindung der Deutschen. Wer sie bei diversen Auslandsreisen wie selbstverständlich in den Mund nimmt, macht sich schnell lächerlich. Als ein deutscher Rucksack-Hersteller sein Produkt mit einem weltoffenen Begriff wie body bag benannte, ahnte er nicht in welches Fettnäpfchen er trat: body bag bedeutet im Englischen Leichensack. Auch bei dieser Weltmeisterschaft wird es wieder zahlreiche Public Viewings geben, wo sich Fussballbegeisterte in froher Runde treffen und die Spiele auf der Großleinwand verfolgen. Nur zu dumm, dass Public Viewing für einen Engländer eine Öffentliche Leichenschauist. Jeder Dengländer blamiert sich eben so gut er kann.

Internationalisierung oder Wirklichkeitsverschleierung

In vielen Fällen, wie beispielsweise der Beschilderung von öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen, Flughäfen etc. geht es bei der Übernahme von Anglizismen einfach nur darum zu internationalisieren und ein möglichst großes Publikum anzusprechen. Wer allerdings durch dieses Raster fällt, hat Pecht gehabt. Da kann es durchaus ärgerlich sein, wenn der Info Point nicht sofort als Informationsstand identifiziert werden kann.

Nicht nur ärgerlich sondern sogar bedrohlich können unverständliche Produktbeschreibungen sein, z.B. bei Finanzprodukten, im Gesundheitswesen oder in Bedienungsanleitungen elektrischer Geräte und Maschinen. Missverständnisse können hier zu finanziellen oder gesundheitlichen Schäden führen oder lebensbedrohlich sein. ”Verständlichkeit sei Grundvoraussetzung für eigenverantwortliche Konsumentscheidungen", erklärte Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes 2008 auf der vzbv-Veranstaltung "Denglisch oder was?" und fordert von "Politikern, Medienvertretern und der Werbebranche, mit gutem Beispiel voranzugehen”.

In der Werbebranche und der heutigen Unternehmenskultur werden jedoch häufig bewusst Anglizismen verwendet, entweder um Dinge oder Sachverhalte, denen ein gewisser Makel anhaftet zu beschönigen oder um mit inhaltsleeren Wortkonstruktionen um sich zu werfen, deren Bedeutung keiner so genau definieren kann. Hier lautet die Devise: "Bewusst verschleiern, um zu gekonnt zu verwirren”. Natürlich klingt Facility Manager viel gebildeter als Hausmeister und Office Managerin vielleicht kompetenter als Bürokauffrau. Und wer sein Unternehmen downsizen will, traut sich meist nicht zu sagen, dass Personal abgebaut werden soll. Aber was bitte ist ein Global Mindset? Könnte sich unter dem Deckmantel der Denkhaltung nicht alles und nichts verbergen?

Holt mich hier raus

Ganz ehrlich, ich bin auch schon so weit, dass mir vieles gar nicht mehr auffällt. Ein neues Firmen-Event, z.B. ein Meeting mit geballtem Know-How am Rednerpult, katapultiert mich dann jedoch auf ein Worthülsen- und Denglisch-Level, das ich noch vor Jahren in meinen schlimmsten Alpträumen nicht vermutet hätte. Und klinkt man sich dann am Ende des Tages endlich aus, wird man daran erinnert, dass es nun endlich an der Zeit wäre etwas für die Work-Life-Balance zu tun. Outdoor natürlich!

Autor seit 5 Jahren
103 Seiten
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