Wie so oft kürt der Naturschutzbund einen Baum, der bereits vom Verschwinden in unseren Wäldern bedroht ist zum Baum des Jahres; in diesem Fall war es das Jahr 2011. Die «Schöne Else» friste in deutschen Wäldern nur noch ein Schattendasein, sagte der Präsident der Stiftung "Baum des Jahres", Silvius Wodarz, am 28. Oktober 2010 in Berlin.

Jahrelang stand sie auf der Auswahlliste, 2011 wurde sie endlich wirklich erwählt. In österreich wurde sie 2012 zum Jahresregenten erwählt. Was für eine Karriere!

Wer oder was ist die "Elsbeere"?

Die Elsbeere (Sorbus torminalis) gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und zur Gattung der Vogelbeeren/Mehlbeeren (Sorbus).

  • Mit einer durchschnittlichen Wuchshöhe von 3 bis 20 m, ihrer rundlich ausladenden Form und ihren erst ab dem 12. Jahr einsetzenden weißen Blütendolden, ist sie ein eindrucksvoller Baum, besonders wenn sie frei im Gelände steht.
  • Blütezeit - die cremeweißen Blüten in flachen Schirmrispen gibt es Mai-Juni zu sehen.
  • Der Stamm der Elsbeere ist anfangs glatt und leicht fleckig, wird zunehmend rissig.
  • Die Blätter sind wechselständig und gestielt und ähneln dem Feldahorn.
  • Die Frucht ist eine ovale hellbraune, nur 1 bis 1,5 cm lange Apfelfrucht (Die Früchte sind klein und hellbraun, allerdings botanisch keine Beeren, sondern winzige Apfelfrüchte) mit säuerlichem Geschmack.
  • Ihre volle Wirkung entfaltet die «Schöne Else» im Herbst. Dann leuchten die Blätter, die ein wenig dem Ahornblatt ähneln, in feurigem Rot.
  • Die Elsbeere kann ein Alter von mehr als 200 Jahren erreichen.

 

Wild service tree; in German: Elsbeere (Bild: Roberto Verzo / Flickr)

Wo wächst die Elsbeere?

Die Elsbeere stammt aus den temperierten Klimazonen in Europa, Westasien und Nordafrika. Sie ist also wärmeliebend, deshalb könnte dieser Baumart der Klimawandel zugute kommen. Die Elsbeere verträgt Trockenheit und Hitze und trotzt mit ihren starken Wurzeln Stürmen. Die Bäume bevorzugen kalk- und lehmhaltige, trockene Böden. Sie kommt in lichten Laubmischwäldern, in Gesellschaft von Flaumeiche, Ziereiche, Traubeneiche, Manna-Esche, Hopfenbuche und Wolligem Schneeball vor. Bestens geeignet ist sie in milden Lagen auf Streuobstwiesen.

Heute findet man sie in Deutschland noch an Rhein, Ahr, Mosel, Neckar und Saale - «wo Wein wächst, fühlt auch die Elsbeere sich wohl».

  • Die höchste bekannte Elsbeere der Welt mit 35 Metern Höhe steht in Groß Lengden in Süd-Niedersachsen. In Deutschland gibt es seit 1993 einen Förderkreis Speierling / Elsbeere, in dem sich Liebhaber dieser beiden Baumarten zusammengefunden haben und Veranstaltungen zur Förderung organisieren.

In der Schweiz wächst Sorbus torminalis hauptsächlich im Kanton Genf und vom Basler bis zum Schaffhauser Jura.

Die Elsbeere und ihre nächsten Verwandten - Eberesche & Co

Die Elsbeere gehört zu den Rosengewächsen. Wie der Gattungsname Sorbus zeigt, hat sie an die 100 Verwandte, wobei einige bekannter sind als sie selbst. Einige besonders hübsche Arten haben ihre Heimat in China.

  • Mehlbeere Sorbus aria
  • Eberesche/Vogelbeere Sorbus aucuparia
  • Zwerg-Mehlbeere Sorbus chamaemespilus
  • Speierling Sorbus domestica
  • schwedische Mehlbeere Sorbus intermedia
  • Breitblättrige Mehlbeere Sorbus latifolia
  • Berg-Mehlbeere Sorbus mougeotil

Abb. Botanica - Könemann

Sorbus torminalis? Elsbeere? Der Else ihre Beere oder was?

Schauen wir uns doch einmal zuerst den wissenschaftlichen Namen an:

  • Sorbus Hinweis auf die birnenförmigen (lat. sorba) Früchte, ursprünglich wurden nur Vogelbeere und Speierling so benannt. Möglicherweise bezieht sich Sorbus aber auch auf die Färbung der Früchte serbho/sorbho idg.= rot, rötlich.
  • torminalis stammt von lat. tormina=Bauchschmerzen, bzw. torquere=drehen, martern, foltern - die heftigen Koliken bei Roter Ruhr gegen die die Elsbeerfrüchte eingesetzt wurden.

Umgangsprachliche Namen lassen sich zahlreich finden:

  • Adletsbeere, Adlitzbeere, Altschebeeri, Atlasbeerbaum, Adelsbeere, Adlasbeer, Atlasbirne, Frauenbeeri, Grimmbirn, Odlasbir, Ortlesbeer, Ruhrbirn, Sauerbirla, Schweizer Birnbaum.

Was sich nicht finden ließ, ist besagte Else nach der die Beere, die keine ist, benannt wurde.

  • Martin Luthers (1483 - 1546) Notiz über die Elsbeere, die er für die Behandlung seiner Frau
    Katharina von Bora anforderte, ist die älteste bisher bekannte Nennung als Elsbeere.

Elsbeerenlandschaft in Österreich - "Elsbeerreich"

In Niederösterreich, circa 50 km westlich von Wien, gibt es eine besonders eindrucksvolle und einmalige Elsbeeren-Landschaft. Das Gebiet befindet sich auf einer Seehöhe von 300 - 500 m. Die großkronigen, freistehenden Elsbeerbäume, bilden eine Landschaft, die weltweit einzigartig ist.

Man nennt es sogar das "Elsbeerreich". Derzeit bestehen rund 300 bis 400 "alte" Elsbeerenbäume in dieser Region. Das Gebiet umfasst den südwestlichen Teil des Wienerwaldes, welcher von den Flüssen Traisen, Gölsen und Triesting im Südwesten und den Flüssen Tulln und Laabenbach im Osten begrenzt wird.

Jährlich am zweiten Samstag im Mai, findet ein Elsbeertag statt, an dem in der Markthalle Michelbach alles rund um die Elsbeere vorgestellt wird: Kunst, kulinarische Delikatessen, Holzarbeiten, dazu gibt es Vorträge und eine Wanderung zu besonders schönen Bäumen in der Landschaft. Es wurde extra ein 'Verein zur Erhaltung, Pflege und Vermarktung der Elsbeere' gegründet, der sehr aktiv ist.

 

Nutzen der Elsbeere - die Elsbeeren-Frucht

Keine andere einheimische Frucht hat so viel Vitamin C wie die Elsbeere. Außerdem finden die Früchte des Elsbeerenbaumes in der traditionellen Medizin Verwendung, zurückzuführen auf seine adstringierende Wirkung durch den hohen Tanningehalt.

Die Beeren schmecken leicht säuerlich und entfalten mit zunehmender Reife und nach dem ersten Frost schließlich einen mandel-marzipanähnlichen Geschmack. Das Aroma erinnert an jenes von Äpfeln und Birnen. Die reifen Früchte schmecken sandig-mehlig und säuerlich-süß. Sie weisen einen hohen Gehalt an Vitamin-C, Pektin, Flavonolglycoside und Fruchtsäuren auf.

Früher verwendete die bäuerliche Bevölkerung sie in gemahlener Form, wie die Mehlbeere, als Brotzusatz.

Wie der Zusatz torminalis andeutet, wurde sie medizinisch als Heilmittel bei Darmerkrankungen eingesetzt. "Bereits der Römer Aulus Cornelius Celsus (ca. 30 n. Chr.) schätzte die Elsbeerfrüchte wegen ihrer Heilwirkung. Martin Luther schrieb 1526 seinem Freund Johannes Agricola, dass er ihm diese köstlichen Früchte schicken solle."

Heute finden

  • getrocknete Elsbeeren zum Knabbern für zwischendurch und auch als Müslizugabe Verwendung.
  • Sogar zu Elsbeerschokolade wird sie regional verarbeitet.
  • Hauptsächlich wird aus den Elsbeeren jedoch ein teurer Edelbrand destilliert. Da die Ernte jedoch händisch erfolgen muss, haben diese Produkte einen entsprechenden Preis.
Elsbeere, Mehlbeere & Co und deren "Beeren"

Elsbeere + Früchte (Bild: Abb. aus Steinbachs Naturführer:Bäume &Sträucher)

Quellen

  • Steinbachs Naturführer: Bäume & Sträucher, Ulmer Verlag, ISBN978-3-8001-5934-5
    • Bäume, Banfi/Consolino; Kaiser Verlag, 2006 Klagenfurt
    • Bäume Mitteleuropas, Roloff/Weisgerber/Lang/Stimm; Wiley-VCH, 2010 Weinheim

Nutzen der Elsbeere - das Elsbeeren-Holz

Ihr Holz ist ähnlich hart wie Birnenholz, es ist feinporig und sehr kompakt, jedoch leicht zu bearbeiten. Wurde es früher, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, als der Baumbestand noch hoch war, sogar noch oft als Brennholz verwendet, so ist es heute eine kostbare Rarität. Man bemüht sich jedoch aus forstwirtschaftlichem Interesse um verstärkte Wiederanpflanzung.

Im Jahre 1900 wurde das Holz der Elsbeere bei der Pariser Weltausstellung zum schönsten Holz der Welt gekürt. Bis heute ist es eines der edelsten Hölzer der Welt und wird von Schreinern und Drechslern, aber auch von Musikinstrumentenbauern für seine hohe Belastbarkeit, Elastizität und Festigkeit sehr geschätzt.

Heute ist das Holz der Elsbeere in der Möbelindustrie gefragt - weil es so elastisch und gut polierbar ist. Wegen seiner samtigen Oberfläche bekam es den Beinamen «Seidenholz». Möbelstücke aus dem Holz der Elsbeere sind zumeist Unikate und besonders wertvoll. Außerdem wird es wegen seiner guten Resonanzfähigkeit auch zum Instrumentenbau (Flöte) verwendet.

Mit der Kür zum Baum eines Jahres wird seit 1989 vom Naturschutzbund NABU jedes Jahr auf eine einheimische Art aufmerksam gemacht. Durch Pflanzaktionen und Baumpatenschaften soll das Bewusstsein für die Natur wieder mehr geschärft werden.

Das schöne Motto lautet:

Man muss Bäume nicht neu erfinden, man muss sie nur neu entdecken!

 

Adele_Sansone, am 08.11.2014
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Bildquelle:
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