Zirbe, Arve, Zirbelkiefer - drei Namen, ein toller Nadelbaum

Pinus cembra, wie die Zirbe mit ihrem wissenschaftlichen Bezeichnung heißt, ist ein Nadelbaum des Gebirges. Ab 1.200m kommt sie vor und steigt, dank ihrer Robustheit, bis 2.600m Seehöhe.

Die stumpf-pyramidenförmige Wuchsart mit dem abgerundeten Wipfel unterscheidet sie merkbar von anderen Nadelbäumen. Von den Alpen bis zu den Karpaten und der Hohen Tatra ist sie heute zu finden.

Ob Wind, große Temperaturschwankungen oder Schneeverfrachtungen, sie steht. Oftmals bizarr verkrümmt, aber sie krallt sich unbeirrbar fest. Und das erfolgreich. Bis 1.000 Jahre alte Exemplare hat man gefunden. Manche scheinen direkt aus Felsspalten hochzuwachsen oder schlingen ihre armdicken Wurzeln haltsuchend um einen mächtigen Felsblock. Diese sonderbar anmutenden Standorte verdankt sie vor allem ihrem Verbreiter, dem Tannenhäher.

Mehr dazu siehe Tannenhäher (weiter unten)

 

 

Zirbe/Pinus cembra (Bild: a.sansone)

Die ältesten Zirben Europas - Methusalix lässt grüßen

  • Im Ampasser Kessel befindet sich der älteste Baum Tirols, eine über 700 Jahre alte Zirbe, welche 1926 als Naturdenkmal ausgewiesen wurde.
  • In Salzburg (auf der Piffalm) wurde durch einen Sturm 1999 eine Zirbe entwurzelt, die auch bereits stolze 750 Jahre "auf dem Buckel hatte".
  • Der älteste Baum in Südtirol ist 1117 Jahre alt und steht im Sarntal.

  • Am Fuße des Aletschgletschers in der Schweiz sind Zirben teilweise sogar 1000 Jahre alt.
  • Die höchstgelegene Zirbe der Schweiz wächst bei Saas Fee auf 2.585 m Seehöhe!

Was gibt es noch von der Zirbe/Arve zu erzählen?

Als sogenannter Rohhumuskeimer keimt die Zirbe genausogut auf Schutt, wie auf Zwergstrauchheidengebiet. Gerne findet man sie in Gesellschaft von Lärchen, Latschen, oder Grünerlen und Weidenarten.

Ihre eigenen Pilze züchtet sie quasi auch noch. Denn diese beiden Pilzarten sind auf die Lebensgemeinschaft mit der Zirbe begründet:

  • Elfenbeinröhrling Suillus placidus und der
  • braune Zirbenröhrling Suillus plorans.

Der Baum liefert Kohlenhydrate, der Pilz hilft den Humus zuzubereiten.

Sie ist die einzige 5-nadelige Kiefer (Föhre, Latsche 2-paarig) und daher als Jungbaum leicht von den anderen zu unterscheiden. Besonders markant sind auch ihre bläulich getönten Zapfen mit den essbaren Zirbelnüsschen.

Abbildung

aus "Leben an der Grenze"

40 Jahre muss so ein Baum am Buckel haben, bis er das erste Mal blüht und Samen bildet. Alle 6 bis 10 Jahre blühen die Zirben in der Zeit von Mai bis Juli. Im September oder Oktober des Folgejahres sind die Zapfen voll ausgebildet und die Samen reif. Sie sind bis zu 8 mm groß, von einer dicken Schale umgeben und reich an Fett.

Früher wurden sie auch gerne von den Bäuerinnen geerntet und ähnlich wie Pinienkerne verwendet.

Zirbenzapfen (Bild: https://pagewizz.com/zirbe-...)

Zirbenholz - heilendes Holz

Das Holz der Zirbe wird vor allem für Möbel geschätzt. In den Alpengebieten wurden und werden sogar ganze Stuben damit eingerichtet. Frisch geschlagenes Zirbenholz bewahrt noch Jahrzehnte seinen charakteristischen Duft, den man besonders in Zirbenstuben wahrnimmt.

Der neueste Trend sind Schlafzimmermöbel aus Zirbenholz.

Das Zirbenöl senkt die Herzfrequenz des Menschen, beruhigt enorm und lässt Wetterfühlige aufatmen. Zirbenholz enthält bis zu 0,5% Pinosylvin. Für diese Substanz ist eine toxische Wirkung gegenüber Schadorganismen (Pilze, Bakterien) nachgewiesen.

Praktisches und Schönes aus Zirbe

Kleinigkeiten, Schnitzereien aus Zirbenholz kann man wunderbar zu Weihnachten auf den Christkindlmärkten bewundern, anfassen, beschnuppern und dann verschenken.

Die Zirbe - Gesundheit und Wohlbefinden aus dem Wald

Die ätherischen Öle haben eine beruhigende und angstlösende Wirkung auf den Menschen. Wissenschaftler des "Joanneum research" in Graz haben bewiesen, dass der Geruch der ätherischen Öle aus Zirbenholz die Herzfrequenz herabsetzt und den vegetativen Erholungsprozess beschleunigt. Studie dazu.

So können sich Menschen mit leicht depressiven Verstimmungen, aber auch mit Schlafstörungen durch das Zirbenholz, aber auch über diese Mischung in der Duftlampe etwas Erleichterung verschaffen:

  • 3 Tropfen Zirbenöl
  • 2 Tropfen Zitronenöl

Mit etwas Wasser in die Duftlampe geben und anzünden. Hilft vor allem abends zu einem erholsameren Schlaf. Darüber hinaus wird Zirbenöl gerne zur Luftreinigung genutzt. Die Zirbe neutralisiert bestens schlechte Gerüche.

Zum Abschluss noch Hochgeistiges von der Zirbe

Nicht verschweigen möchte ich, dass (die Alpenbewohner ließen solche Möglichkeiten nie aus - siehe Enzianschnaps) es natürlich auch Hochgeistiges aus der Zirbe gibt.

  • Zirbenlikör
  • Zirbenschnaps, Zirbengeist 

Für die Herstellung müssen die Zapfen herhalten.

Quellen

  • Bäume, Banfi/Consolino; Kaiser Verlag, 2006 Klagenfurt
  • Bäume Mitteleuropas, Roloff/Weisgerber/Lang/Stimm; Wiley-VCH, 2010 Weinheim
  • Alpenpflanzen in ihren Lebensräumen, Mertz; Haupt Verlag, 2008 Bern

Vorhang frei für den Zirbenförster - den Tannenhäher!

Tannenhäher im eigenen Garten (Bild: a.sansone)

Der Tannenhäher - Nucifraga - der Förster des Zirbenwaldes

Zirbenhäher, Zirblgratsche oder Zirmgratschn wird er in Tirol genannt. Sehr passend, denn mit den Tannen hat er gar nichts am Hut. Nicht nur der korrekte Fachname Nucifraga, auch die Namen in englisch, französisch und italienisch deuten auf seine große Leidenschaft für die Nuss an sich: Nutcracker (Engl.), Casse-noix moucheté (Franz.) oder Nocciolaia oder Gaggia niccioléra (Ital.).

Der zu den Rabenvögeln (Corvidae) gehörige Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes) ist dunkelgraubraun und weiß gepunktet, kleiner als eine Krähe. Im Flug sind besonders die weißen Unterschwanzfedern gut zu sehen. Er wird 32 bis 35 cm groß, sein Ruf klingt wie ein Ratschen. In Tirol hat er deshalb auch den Namen "Zirmgratsch". Der Schnabel ist schwarz und kräftig. Sein Gelege besteht meist aus 2 bis 4 Eiern, die er in das Nest aus Reisig legt. Die Brutdauer liegt bei 21 Tagen. Die Jungen verbleiben etwa ein Jahr bei den Eltern. Er kann bis zu 15 Jahren alt werden.

Fast jeder Wanderer im Hochgebirge kann ihn entweder auf dem höchsten Baumwipfel entdecken, oder in Zirbenwäldern paarweise oder sogar in Scharen vorbeifliegen sehen.

 

Der Tannenhäher: Fleißig wie ein Eichhörnchen und ein Gedächtnis wie ein Elefant

Als Nadelwaldbewohner steigt der Tannenhäher bis ins Hochgebirge. Seine enge Bindung an bestimmte Baumnüsse (Zirbe, Zwergföhre, Hasel und Fichte) macht ihn zum wichtigen ökologischen Partner.

In den Alpen ist der Zirbenbestand eng verknüpft mit seinem Vorkommen.

Bis zu 20 Häherpaare finden sich pro km². Die Zirbelnüsse werden von den Tannenhähern ab Erntereife gesammelt und gehortet. Er holt sich einen Zapfen vom Baum, befördert ihn, ähnlich wie die Spechte, zu einer Zapfenschmiede. Dort wird der Zapfen eingeklemmt und die Nüsse herausgeklaubt. In einer speziellen Tasche unter der Zunge kann er bis zu 100 Zirbelnüsse ins eigene Revier tragen.

Dort versteckt der Tannenhäher 30.000 bis 100.000 Nüsse pro Kopf und Schnabel. Die Depots sind mit 3 bis 10, manchmal sogar 25 Nüssen gefüllt. Auf diese Depots greifen sie sogar noch zur Jungenaufzucht zu.

Dass man dem Tannenhäher auch mal im eigenen Garten auf die Schliche kommen kann, habe ich selbst erlebt. 

(Fast) keine Zirbe wächst ohne den Zirmgratschn

Bis zu 80 Prozent der Verstecke werden tatsächlich geleert. Eine hervorragende Merkleistung.

  • Selbst im Winter gräbt er sich unter der Schneedecke bis über 1m Höhe zu seinem Versteck in Tunnels durch.
  • Da jedoch einige Samen immer wieder übrig bleiben, ist der Tannenhäher der beste Verbreiter oder Förster seiner eigenen Bäume, deren Früchte er erntet.
  • Da immer mehrere Früchte zusammenliegen, ist durch die Büschelpflanzung die Überlebenschance der Keimlinge um ein Vielfaches größer.
  • Seine Depots legt er gerne auf Geländerippen, in Mulden oder in die Nähe auffälliger Felsblöcke und Baumstrünke.

Wer sich über bizarrschöne Zirben an auffälligen Orten wundert, weiß nun, wem er diese Schönheit zu verdanken hat.

Wenn die Zirben allerdings schön geordnet wachsen, könnte es sich um Aufforstungsbemühungen aus Menschenhand handeln. Und - ganz wichtig!

Man soll ja nicht sagen, dass sich der Mensch nicht auch mal was Gescheites von der Natur abschaut. Botaniker und Forstleute haben sich diese Büschelpflanzung bereits als Beispiel genommen für die Anpflanzung stabiler Hochlagenschutzwälder.

Unter dem Motto: "Mach's wie der Tannenhäher."

Neue Forschungen zum Tannenhäher

Neue Forschungen zeigen, dass der Tannenhäher doch nicht so uneigennützig handelt, wie Mensch es immer empfunden hat. (Ich kann nur sagen: Na non na net. Der denkt ja auch nur an seinen Hunger.)

Laut Studie versteckt er die Samen häufig an Stellen, die für die Keimung der Baumsamen eher ungünstig sind. Er vergräbt sie nämlich nach Möglichkeit an trockenen gut überdachten Stellen. Sinnvoll für den Vogel, denn wenn der Samen nicht keimt, ist er für ihn als Nahrungsquelle länger nutzbar.

Foto: © Eike Lena Neuschulz

Nachdem aber die Wälder nahe der Baumgrenze sehr licht sind, haben die Samen sehr wohl die Chance zu keimen und hochzuwachsen. Auch dass Zirben(Arven) auch unterhalb noch gut gedeihen, dürfte trotz allem dem Tannenhäher zu verdanken sein.

Die Schlussfolgerung ist, dass beide Arten sich aufeinander eingespielt haben - die Zirbe, indem ihr Samen eine lange Ruhezeit locker aushält, der Tannenhäher, indem er doch etwa 20% ungenutzt im Boden belässt.

Der WSL-Zoologe Kurt Bollmann ergänzt: "Unsere Untersuchung hat zwar gezeigt, dass der Tannenhäher Arvensamen oft an Orten versteckt, die nicht optimal für die Keimung dieser Baumart sind. Dennoch gibt es zahlreiche Büschel junger Arvenkeimlinge, die nur aus Hähersaat entstanden sein können. Ganz offensichtlich reicht die Anzahl der vom Tannenhäher nicht wiedergefundenen Samendepots aus, um die Arve nachhaltig zu verjüngen. Die Ausbreitung der Pflanzen ist also ein Nebeneffekt, wenn auch ein waldbaulich und naturschutzbiologisch sehr erwünschter."

Quelle: Studie LOEWE Biodiversität und Klimaforschungszentrum und Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft im Journla of Animal Ecology

Neuschulz, Eike Lena et al.: Seed perishability determines the caching behavior of a food-hoarding bird. Journal of Animal Ecology, DOI: 10.1111/1365-2656.12283.

 

Zirbenwanderungen - Genuss in höchstem Ausmaß

Zirbenweg am Patscherkofel (Bild: a.sansone)

Eine Wanderung, die ich nur jedem Tirolbesucher empfehlen kann:

Zirbenweg vom Patscherkofel zum Glungezer

Dieser von Innsbruck aus leicht erreichbare alpine Wanderweg führt, wie der Name schon andeutet, durch einen wunderbaren Zirbenwald. Herrliche freie Ausblicke auf das gesamte Inntal und die Nordkette wechseln mit Steigabschnitten durch den dichten Zirbenwald.

Einen weiteren Zirbenweg gibt es auch am Seefelder Plateau.

Hier sind weitere landschaftlich wunderschöne Wanderungen durch Zirbenwälder zum Aussuchen.

Ihr nächster Urlaub kommt bestimmt. Warum nicht mal etwas für Seele und Gesundheit tun?

Wenn Sie in der Hektik des Alltags einen kleinen Augenblick frei atmen wollen, dann holen Sie sich etwas aus Zirbe ins Haus, ins Büro, ins Auto. Tief einatmen und der Stress ist gemildert. Versprochen!

Ein kleines "Best of Holz" zum Abschluss

  • Ältester Baum: Fichte /9.550 Jahre/Standort Schweden
  • Höchster Baum: Küstenmammutbaum /115 Meter/Standort Redwood Nationalpark Kalifornien
  • Dickster Baum: Sumpfzypresse /Umfang 45 Meter, Dieser stattliche Baum heißt "El arbol del Tule" (span. "Baum von Tule") oder auch "El Gigante" (span. "der Riese") und steht im Hof der Kirche der Ortschaft Santa María del Tule im Bundesstaat Oaxaca, Mexiko
  • oder doch ein Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum), der mit angegebenen Durchmessern von bis zu 12 m an der Basis ebenfalls der "dickste Baum der Erde" sein soll?
  • Teuerstes Holz: Schlangenholz /170€ pro kg.
  • Größter Wald: Amazonas (Wie lange noch?)/1.1 Mia ha=25% des globalen Waldes
Adele_Sansone, am 27.10.2014
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Wer sind die ersten blühenden Alpenblumen?)

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