Hat Religiosität in Europa einen signifikanten Einfluss auf die Kinderzahl?

Religiöse Männer und Frauen entscheiden sich deutlich häufiger für drei oder auch mehr Kinder, was vom Standard der 2-Kind-Familie abweicht. Nicht religiöse Frauen bringen im Durchschnitt weniger Kinder zur Welt als religiöse Frauen, welche im Schnitt um 0.2 Kinder mehr zur Welt bringen. Religiöse Menschen geben auch höhere Kinderzahlen als Wunschziel in ihrer Familienplanung an was bedeutet, dass die höhere Fertilität geplant ist.

Warum hat Religion etwas mit der Kinderzahl zu tun?

Dies wurde bisher nur unzureichend wissenschaftlich untersucht. Es gibt aber drei Argumente, die dafür sprechen könnten:

  1. Die Pro-Geburten-Haltung vieler Religionen, welche Kindern oft einen hohen Wert zusprechen wie die katholische Kirche und deren Verbot von Verhütungsmitteln.
  2. Die Unterstützung der Anhänger durch die Kirchengemeinde bei der Betreuung und der Vorbildfunktion kinderreicher Familien, welche die Kinderzahl beeinflussen könnten.
  3. Die starke Veränderung des Lebenswandels durch die Geburt eines Kindes kann mittels des Glaubens und der Verhaltensvorschriften leichter bewältigt werden.

Jüdische und muslimische Frauen setzen mehr Kinder in die Welt als christliche Frauen

Jüdische Frauen bringen durchschnittlich 2.2 Kinder zur Welt und Musliminnen im Schnitt 2.7 Kinder in Österreich. Im Gegensatz dazu bringen Katholikinnen und orthodoxe Frauen jeweils 1.8 Kinder zur Welt. Evangelische Frauen bilden mit 1.7 Kindern das Schlusslicht in dieser Auswahl laut der Volkszählung 2001 in der Alterskohorte der 40 bis 44 Jahre alten Frauen. Die mittlere Kinderzahl der muslimischen Frauen ist immer wieder im Rampenlicht der Politik und Massenmedien. Sie fällt rund ein Viertel höher aus im Vergleich zur Gesamtbevölkerung und ist sehr länderabhängig. Türkische Frauen im Alter zwischen 40 und 65 haben im Mittel 3.5 Kinder zur Welt gebracht. Ex-Jugoslavische Frauen gebaren 2.6 Kinder und iranische Frauen lagen mit 1.9 Kindern unter der mittleren Kinderzahl katholischer Frauen. Diese deutlich höhere Kinderzahl auf Seiten der türkischstämmigen Frauen kann zum Teil auf die Familienstrukturen sowie Bildungsniveau und Erwerbsverhalten zurückgeführt werden, neben den religiösen sowie kulturellen Gründen.

Diese Geburtenraten haben einen Einfluss auf die Größe der Glaubensgemeinschaften

Die Größenentwicklung einer Religionsgruppe hängt von den Faktoren der Migration, von der Geburtenrate, der Kircheneintritte und Austritte und der Sterblichkeitsrate ab. In Österreich beschreiben Religionsprognosen, dass die unterschiedliche Kinderzahl der religiösen Gruppen kaum Auswirkungen in der Zukunft auf die religiöse Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung hat. Der Bevölkerungsanteil der Katholiken könnte von rund drei Viertel auf rund die Hälfte fallen und bei den Muslimen könnte sie aufgrund der Fertilitätsrate und der Migration von rund 4 auf 15 Prozent anwachsen bis zum Jahr 2051.

Quelle: Kindersegen. 6 Thesen zu Religion und Geburtenverhalten, Univ.-Ass. Dr. Berghammer

CADoerr, am 13.08.2013
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