Sommersprossen - schönheitsfeindlich

Eines war offenbar damals so wie heute, wenn auch mit unterschiedlichem Akzent. Die bunten Blätter suchten Schönheitsideale zu formen, mit Stars und Diven als Vorbild. Und 1957 waren wohl Sommersprossen schönheitsfeindlich. Mindestens ein Dutzend Anzeigen in einer einzigen Ausgabe dieser "Film-Revue" versprachen, diese "dunklen Punkte im Leben einer schönen Frau" beseitigen zu helfen. Es ist bestimmt im Jahr 2016 keine unlautere Werbung, wenn aus der damaligen Annonce zitiert wird: "Nur ein wenig Dr. Druckrey's Drula-Bleichwachs mit dem neuen Pigment-Wirkstoff Ephelidin. Jeden Morgen auftragen… und die Sommersprossen werden immer heller, bis sie ganz verschwinden. Tausende begeisterter Zuschriften". Kostenpunkt: 2,50 Mark.

Büsten im Hollywood-Format

Wenn die Sommersprossen dann also weg waren, empfahl die einschlägige Industrie zur Gesichtspflege – nach dem Bild in der Anzeige zu urteilen, besonders für Stewardessen geeignet – die "Creme Puff". Sie hieß halt so, ohne alle Hintergedanken. Mit ihr konnte die Frau jener Tage in 15 Sekunden "schnell, ganz schnell Liebreiz und makellose Schönheit für Stunden gewinnen". Es handelte sich um "eine moderne Creme-Puder-Verbindung". Zugleich versprach ein "Format-Versand" aus Braunschweig etwas stiefmütterlich bedachten Frauen "eine Büste in Hollywood-Format – wenn alle Mittel versagen". Ohne Kosmetik, aber ebenfalls mit zahlreichen Dankschreiben. Für jene weiblichen Geschöpfe, die dauernd "treppauf – treppab" zu laufen hatten, gab es zur Intimpflege "Amira Tampons", neu auf dem Markt und erstmals "innerlich zu tragen". Treppauf, treppab.

Kampf den abstehenden Ohren

Irgendwie sind in jenen Jahren die Männer etwas stiefmütterlich behandelt worden. Oder sie entsprachen schon damals zeitnah dem Schönheitsideal. Aber immerhin. In der "Film-Revue" vom 19. März 1957 findet sich eine Werbeanzeige für Männer unter der Überschrift "Schön anliegende Ohren". Nach dem A-O-BE-Verfahren sollte es also Männern mit abstehenden Ohren möglich gemacht werden, "neue Lebensfreude zu gewinnen". In fünf Minuten "können Sie ihre abstehenden Ohren unsichtbar anliegend formen. (Siehe Fotos vorher – nachher)". Die Fotos waren beeindruckend.

Fremdenlegionäre suchte Brieffreundinnen

Wofür das damals alles gut sein sollte – die Auflösung ergab sich aus den Kleinanzeigen-Rubriken Heirat – Bekanntschaften – Urlaub. Also: Da suchte beispielsweise ein 36 Jahre alter Verwaltungsangestellter (176 cm) für eine Italienfahrt im April, "mit Kabinenroller, nette Begleiterin. Bildzuschrift!" Ihm allerdings war zusätzlich eines wichtig: "Getrennte Kasse". Die Bekanntschaftsanzeigen jener Zeit spiegelten in ganz besonderer Weise Zeitenläufte. Zwölf Jahre nach Kriegsende waren es vorzugsweise deutsche Fremdenlegionäre, möglicherweise ehemalige Landser, die Kontakt zu heimischen Mädchen suchten, aus Südafrika, aus allen französischen Krisenherden der Welt. Immer wieder ging es um "Briefwechsel mit deutschem Mädchen". Etwas aus der Reihe fiel die Bekanntschaftsanzeige eines offenbar recht kessen Pennälers: "Primaner sucht Brieffreundschaft mit junger Dame aus Berlin, die ihm während der Sommerferien die Heimatstadt nach zwölfjähriger Abwesenheit zeigen kann".

Dompteur sucht tierliebendes Mädchen

Und schließlich die Heiratswünsche, die bleiben sich in der Tendenz immer ähnlich, weil die Zielrichtung ähnlich ist. Aber immerhin: "Tierliebendes Mädchen gesucht – ich bin Dompteur". Wobei unbekannt blieb, die wievielte Anzeige des Dompteurs es war. Ein anderer, "monatliches Nettoeinkommen 1.200 Mark", eröffnete seine Anzeige mit dem Liedtext "Hörst Du mein heimliches Rufen?". Ein bisschen passte dazu die detailliert gefasste Annonce: "Gesucht wird ein sonniges, häusliches und bescheidenes Mädel" zwischen 18 und 25 Jahren. Dies Mädel musste außerdem über ein treues, warmherziges Gemüt verfügen. Er dafür besaß kein Auto.

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