Kurz noch einmal zur Erinnerung:

In der Kommunikationstheorie wird gewöhnlich vom Sender und Empfänger gesprochen, ähnlich wie bei einer Paketsendung. Der Sender verschickt ein Paket, der Paketbote bringt es zum Empfänger, dieser nimmt die Sendung in Empfang, öffnet das Paket und entnimmt den Inhalt. Der Inhalt befindet sich unverändert im Paket, so wie der Sender ihn hineingelegt hatte. Die Sendung wird also so empfangen, wie sie abgeschickt wurde. 

So ähnlich sieht auch ein einfaches Kommunikationsmodell aus. Allerdings entnimmt hier der Sender den Inhalt (= die Botschaft) nicht unverändert. Er stellt vielmehr Mutmaßungen über den Inhalt an, so dass die Sendung/die Botschaft möglicherweise verfälscht ankommt. Demnach gibt es vier Möglichkeiten, wie Aussagen/Botschaften eingeordnet werden.

Beziehungsaussage:

Ich höre, was du über mich denkst 

Sachaussage:

Ich höre, um was es geht 

Appell:

Ich höre, was du von mir erwartest 

Ich/Du-Aussage: Ich höre, was in dir vorgeht

Dazu jetzt ein einfaches Beispiel:

Ein Paar sitzt am Esstisch, sie hat eine Suppe gekocht. *

Er: "Was ist das Grüne da in der Suppe?" 

Die Antwort der Frau wird nun davon bestimmt, wie sie die Botschaft interpretiert, also auf welcher dieser vier Ebenen sie sich angesprochen fühlt.

Entweder:

"Sag doch gleich, dass dir mein Essen nicht schmeckt!" (Beziehungsaussage) 

oder:

"Das ist Basilikum." (Sachaussage)

oder:

"Möchtest du, dass ich das beim nächsten Mal weglasse?" (Appell)

oder:

"Du magst kein Basilikum?" (Ich/Du-Aussage)

Wie wir daran sehen, liegt ein häufiger Fehler in zwischenmenschlicher Kommunikation darin, dass eine Aussage falsch interpretiert wird, also einer anderen als der beabsichtigten Ebene zugeordnet wird. Die Frage im Beispiel war auf der Sachebene gemeint: "Ich kenne das Grüne nicht. Sag mir, was es ist." Angesprochen fühlte sich die Empfängerin aber vielleicht auf der Beziehungsebene: "Es schmeckt mir nicht. Du bist eine schlechte Köchin!"

Wenn das Missverständnis sofort offenkundig wird, ist es leicht zu beheben. Meist geschieht es jedoch, dass der Empfänger sich zwar ärgert, aber seinen Zorn über den vermuteten Angriff für sich behält und lieber ruhig bleibt. Viel später dann, bei einer Auseinandersetzung über ein ganz anderes Thema, kommt die vermeintliche Anschuldigung wieder auf den Tisch und ist dann meist nicht mehr zu reparieren, sondern dient erst recht als Zündstoff.  

Solche und ähnliche Beispiele haben alle von uns schon mehrfach erlebt. Das Tückische an diesen Missverständnissen ist, dass sie meistens nicht als solche erkannt werden. Dies geschieht nicht nur im Privat-, sondern auch im Berufsleben. Schnell werden ursprünglich gute Absichten als Vorwürfe interpretiert, diese werden nicht ausgeräumt, da die Möglichkeit einer Fehlinterpretation gar nicht in Betracht gezogen wird. So entsteht Groll, der mittel- und langfristig Beziehungen oder das Arbeitsklima empfindlich stören kann.

Wie lassen sich solche Fallstricke vermeiden?

Als Sender: Die Botschaft so klar wie möglich formulieren. Genau sagen, was man denkt.

Als Empfänger: Nachfragen ("Habe ich das richtig verstanden? Du meinst also, dass...")

Und beide: Immer in Betracht ziehen, dass die Botschaft beim Empfänger anders ankam als der Sender sie verschickt hat. 

Worte sind nun einmal keine Postpakete.   

*Man möge mir die im Beispiel enthaltene geschlechtsspezifische Stereotypisierung nachsehen. Selbstverständlich geht es auch umgekehrt: Der Mann hat gekocht, die Frau nörgelt  ;-)

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