Das ist kein Comic, die Situation ist mehr als ernst. Fast täglich gibt es Unfälle mit LKW

Trucker war mal ein Livestyle. Das war kein Beruf, sondern eine Leidenschaft. Die Kapitäne der Landstraßen in ihren aufpolierten, verchromten 40-Tonnern, das war eine Clique für sich. Die Romantik der Kasseler Berge wurde oft besungen. Nur da hat sich viel geändert. Der Zeitdruck wurde immer größer. Heute wird von einem Termin zum nächsten gehetzt. Just in time nennt man das. Der Handel hat kein Lager mehr. Das Lager ist die Straße. Steht der Sattel nicht um 5 Uhr an der Rampe beim Discounter, gibt es keine Brot, Salat u. s. w.!   Wir alle haben uns daran gewöhnt, und wir wollen billig! Denn Geiz ist nicht nur geil, den meisten bleibt kaum noch was im Portemonnaie am Monatsende über. Also findet am Markt ein unerbittlicher Preiskampf statt. Wir sehen leider das Resultat bei einer großen Baumarkt-Kette. Das ist das Ergebnis der sogenannten Schraube nach unten. Hätte der Endverbraucher mehr Geld zum Ausgeben, würde er auch vernünftige Preise akzeptieren.

Gibt Brücken, da passt ein 3,80 Meter hoher Brummi nicht durch - Deshalb, Navy für LKW besorgen
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BKrFQG / BKrFQV - Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetzt / Verordnung

Ab 50 Jahre muss der Führerschein-Besitzer der Klasse CE erstens zum Arzt, einem Mediziner Fachbereich Arbeit. Einem Augenarzt und er muss bis 2014 eine Nachschulung mit 5 Modulen vorweisen. Und das dann alle 5 Jahre. Das Ganze auf eigene Kosten. Früher konnten Bundeswehrsoldaten einfach ihren Führerschein umschreiben lassen. Die Ausbildung beim Bund war sehr gut. So wurden jährlich 15000 junge Männer mit der damaligen Klasse II auf den Markt geworfen. Das ist vorbei. Heute kostet die Ausbildung zwischen 7 und 10 Tausend €. Wer keine Ausbildung zum Berufskraftfahrer in einer Spedition macht, oder in einer Umschulung vom Arbeitsamt bei TÜV oder DEKRA das finanziert bekommt, macht keinen Führerschein. Bei der Ausbildung des Nachwuchses wurde, wie auch in anderen Bereichen, gespart, geschlampt, geschludert. Und die Politik stellt sich hin und sagt: "Wir brauchen Fachkräfte aus dem Ausland". Wir brauchen Politiker, die diese Bezeichnung verdienen. So, wie das jetzt läuft, können wir auch Fachpolitiker aus Rumänien einsetzen. Die raffen auch nichts, kosten aber nur ein Drittel.       

Ich will jetzt losfahren (Bild: Ron Burns / AllPosters)

Den Nachwuchs auszubilden ist kein Würfelspiel. Sonst landen wir in der Sackgasse!

Zu den allgemeinen Nachteilen dieses Berufes wie ungünstige Arbeitszeiten, schlechte Vereinbarkeit mit der Familie kommt seit Jahren auch noch ein Lohndumping. Produzenten und Hersteller haben ihre eigenen Fahrer entlassen, und in sogenannten Auffangsgesellschaften (Transportunternehmen) wieder eingestellt. Damit fielen die Tarife der IG-Chemie, NGG, IG-Metall usw. fort. Bezahlt wird heute der Transporttarif. Der liegt bei 10,60 €. Viele Arbeitgeber sind aus dem Verband ausgetreten, und zahlen keine Spesen mehr. Versuchten Fahrer noch durch Überstunden ihr Gehalt aufzubessern, ist das mit der neuen Fahrerkarte vorbei. Im digitalen Tachografen  wird alles aufgezeichnet. Jeder Verstoß ist 28 Tage lang nachweisbar. Somit stehen Trucker auf den viel zu wenigen Parkplätzen, und verbringen die Nacht im LKW. Mit Romantik hat das absolut nichts zu tun. Termindruck, immer mehr Verantwortung, Stress und schlechte Bezahlung reizen heute keinen mehr zu diesem Job. Umgeschulte vom Arbeitsamt bleiben nicht lange im Gewerbe. Das ist auch noch körperlich schwere Arbeit. Stand- und Wartezeiten führen häufig zu Tagen mit 12 und mehr Stunden. Und das für 2 Mille brutto. Dagegen ist Harz IV ja fast Luxus. Und in Russland auf Fahrersuche zu gehen, ist auch keine wirkliche Lösung. Die können sich hier keine vernünftige Rentenanwartschaft aufbauen. Heute helfen die ein Loch zu stopfen, morgen sind das Harz IV Empfänger mit ihren Familien. Fachkräfte im Ausland suchen, bedeutet Lohndumping in Deutschland zu betreiben. Da machen sich die üblich Verdächtigen die Taschen voll, und die Probleme werden in die Zukunft verlagert.

Liebe Politik, ihr habt versagt!

  

Autor seit 5 Jahren
268 Seiten
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