Relaunch des Kult-Comics YPS stilecht mit Gimmick Urzeitkrebse

Kann man einstigen Kult künstlich wiederbeleben? Diese Frage stellt Ehapa sowohl sich selbst, als auch seinen Lesern mit dem Relaunch des Kult-Comics YPS. Und gemäß dem Herbert-Grönemeyer-Song wurde alles anders! Doch der Reihe nach.

Im April 2012 schlug eine Presseaussendung von Ehapa hohe Wellen in Comic- und Nostalgie-Kreisen. Nach sechs Jahren Funkstille sollte noch im Oktober selbigen Jahres YPS neu aufgelegt werden. Und tatsächlich: Am 11. Oktober 2012 erschien das neue YPS offiziell als Ausgabe 1.258. Und wie vermerkte in der Presseaussendung der Geschäftsleiter von Egmont MediaSolutions doch gleich:

"Die meisten der über 34.000 Fans von YPS auf Facebook sind Männer zwischen 25 und 44 Jahren. YPS ist eine positiv besetzte Marke in den Köpfen dieser Zielgruppe."

Dem kann der Artikelautor als ehemaliger treuer Käufer des Kult-Comics YPS mit seinen Gimmicks nicht widersprechen. Tatsächlich verbindet er mit dem Namen YPS viele schöne Kindheitserinnerungen. Und kein Relaunch konnte passender erfolgen, als mit dem legendären Gimmick Urzeitkrebse. 

Hach ja, die Urzeitkrebse! Insgesamt zwanzigmal (!) waren sie als Gimmick dem Kult-Comic YPS beigelegt. Der Artikelautor selbst versuchte sich zweimal an der Aufzucht der putzigen kleinen Gesellen - erfolglos, wie er gestehen muss. Dennoch ließ ihn der Gedanke an das Gimmick Urzeitkrebse nie mehr los, weshalb er viele Jahre später sogar eine Kurzgeschichte über eine zwar erfolgreiche, aber letztendlich verhängnisvolle Aufzucht der Urzeitkrebse schrieb, die in der als eBook auf Amazon erhältlichen Kurzgeschichtensammlung "Blut" nachgelesen werden kann.

Männermagazin YPS statt Kult-Comic

"Ach was!" - Loriot

Dennoch - und dies möge als subjektive Kritik eines ehemaligen Fans des Kult-Comics YPS verstanden werden - enttäuscht das als Männermagazin relaunchte Heftchen. Der Grund hierfür verbirgt sich im zuvor erwähnten Zitat: YPS ist deshalb eine positiv besetzte Marke in den Köpfen ehemaliger Fans, weil es eben kein Männermagazin war, das als Zielgruppe ältere Herrschaften anvisierte. Im Gegenteil: KInder und Jugendliche sollten damit angesprochen werden, was auch erreicht wurde. In seinen besten Zeiten verkaufte sich YPS wie geschnitten Brot (für Unter-20-Jährige: "verkaufte sich wie ein neues iPhone").

Bereits das Cover lädt zum Nase rümpfen ein: Die vorgestellten Themen wirken lieblos auf den trostlos schwarzen Hintergrund draufgeklatscht. Früher stellten Comicfiguren wie das Känguruh (nur echt mit dem h!) YPS oder Mäuserich Kaspar das beiliegende Gimmick vor. Im neuen YPS nehmen seltsame Schlagzeilen das Cover in Beschlag. Ganz prominent: "Dinosaurier finden". Ein Blick in das Heft klärt auf: Es geht ums Entdecken von Überresten ehemaliger Mitbewohner dieses Planeten. An dieser Stelle ein großes Loriot-"Ach was!".

Gleich darunter folgt offenbar Teil 20 des Schulmädchenreports: "Wie man sich die Zeit auf den Rücksitzen vertreibt". Und obwohl man es mit einem Männermagazin zu tun hat, bleibt die dazu gehörende Story harmlos.

 

Wie man eine langweilige Party plant

Wohl unfreiwillig komisch verspricht einer weiterer Titelzug: "12 Zaubertricks für die nächste langweilige Party". Gibt es tatsächlich Leute, die langweilige Partys im Voraus planen? Und kann man im reifen Alter noch Geheimagent werden? Will man das überhaupt, wenn dann doch wieder James Bond kommt und einen wegpustet? Die große Enthüllungsstory: Was wurde aus dem ehemaligen Schwimmstar Michael Groß? Laut Wikipedia ist er als selbstständiger Unternehmensberater tätig - wie aufregend!

 

Ähnlichkeiten zu "DONALD - Das Lifestyle-Magazin aus Entenhausen"

Der einstige Kult-Comic YPS ist von A bis Z auf nostalgisch gebürstet. Für eine Sonderausgabe mag dies halbwegs originell sein Eine wöchentliche Magazinreihe kann man daraus kaum kreieren. Das scheint auch dem Verlag bewusst zu sein, weshalb die nächste Ausgabe erst für März 2013 geplant ist. Falls es denn erscheinen sollte, denn der Erfolg des Relaunches steht natürlich noch aus, wobei sich die Frage stellt: Warum sollte man sich dieses "Männermagazin" eigentlich kaufen? Ähnlich dem ebenfalls bei Ehapa publizierten "DONALD - Das Lifestyle-Magazin aus Entenhausen" wird der Versuch unternommen, ein etabliertes Comic irgendwelchen schwammigen Zielgruppen-Verlockungen entsprechend anzubiedern. Der jahrzehntelange Erfolg der Donald-Geschichten liegt eben darin begründet, dass diese Comics zeitlose Themen aufgriffen und nicht darin, dem Zeitgeist hinterherzuhecheln.

Trotz Gimmick Urzeitkrebse: Enttäuschend

Nicht anders verhält es sich mit dem YPS-Relaunch, trotz Gimmick Urzeitkrebse: Nostalgisch verbrämte Artikel über Ex-Sportler oder den Commodore-Computer mögen netten Zeitvertreib für Zwischendurch darstellen. Wiederlesewert besitzen sie keinen, und im Zeitalter des Internet findet man entsprechende Artikel zuhauf im Web.

Und an dieser Stelle muss eine ernsthafte Frage erlaubt sein: Was erwartet sich Ehapa von diesem Relaunch? Ehemalige YPS-Fans, die begeistert ausrufen: "Super! Genau darauf habe ich gewartet: EIn YPS, das kein YPS ist, sondern irgendwelche planlos zusammengeschusterte Nostalgie-Artikel und ein paar alte Comics enthält!"?

Es würde kaum verwundern, falls die Saat des YPS-Relaunches ebenso wenig aufgehen sollte, wie jene der Urzeitkrebse anno dazumal.

Urzeitkrebse als iPhone-App

Origineller als der Heftchen-Relaunch ist das App "YPS Urzeitkrebse". Ganz nach dem Tamagotchi-Prinzip gilt es, die Obsorge für das Wohlbefinden putziger Tierchen zu übernehmen. Ist man erfolgreich, lassen sich die Winzlinge züchten oder legen einen flotten Tanz auf die Meeresbühne. Das App "YPS Urzeitkrebse" ist im iTunes-Store für iPhone, Ipod touch und iPad erhältlich.

YPS das Männermagazin: Top oder flop?
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