• Das Wichtigste: Lawinenlagebericht vor der Tour lesen und ernst nehmen (Praktische Quellen weiter unten im Text).
  • Der genaue Weg muss auf der Karte, wie auch vor Ort überlegt und gut geplant sein und ist stark abhängig von der Hanglage, -neigung, der Sonneneinstrahlung, dem Wetter, Windrichtung und -stärke der Vortage usw.
  • Bereits bei geringer Lawinengefahr sollte eine vollstände Verschüttetensuchausrüstung dabei sein: LVS, Schaufel und Lawinensonde.
  • Die Verschüttetensuche muss vorher mit den Geräten geübt werden, die auch auf der Tour dabei sind.
  • Manchmal muss auch ein Umkehren wegen erst vor Ort erkannter Gefahr in Kauf genommen und akzeptiert werden.

Soviel zu den harten Fakten. Warum diese Punkte (über-)lebenswichtig sind und wie sie begründet sind, erfahrt ihr ab hier. Zunächst ein kurzes Video, das einen Freerider beim Auslösen einer Lawine auf einer markierten Skitour in der Schweiz zeigt:

Das Video zeigt, wie ein einzelner Skifahrer auch im nicht all zu steilen Gelände eine größere Lawine auslösen kann. Aber wie lässt sich dies vermeiden? Zunächst: Eine 100%ige Sicherheit gibt es nicht, aber man kann das Risiko stark eingrenzen und Vorsorge treffen für den Fall, dass es zu einer Verschüttung kommt.

Lawinenlagebericht prüfen - Vor jeder Tour sollte man unbedingt die aktuelle Lawinenlage abfragen

Eine gute Übersicht zu Lawinenlageberichten des gesamten Alpenraums bietet der DAV. Für die Nordalpen ist der übersichtliche Lawinenwarndienst Bayern genial. Auf einen Blick erkennt man dabei sehr wichtige Informationen: Die aktuelle Lawinenstufe im Zielgebiet und die Hangrichtung mit der größten Gefahr. Im Detailbericht findet man eine übersichtliche Vorhersage und weitere, i.a. auch für Laien verständliche Details über die Beschaffenheit der Schneedecke.

Lawinenstufen

Die Lawinengefahr wird in 5 Stufen angegeben: 1 (gering), 2 (mäßig), 3 (erheblich), 4 (groß), 5 (sehr groß). Zum besseren Verständnis: Für die meisten Skitouren ist Stufe 1 i.d.R. kein größeres Problem. Bei Stufe 2 ist in entsprechenden Hangrichtungen (meist Nord) erhöhte Vorsicht geboten. Viele Touren sind noch sehr sicher machbar. Ab Stufe 3 ist erhöhte Vorsicht geboten und fundiertes Wissen in Wegplanung und in Sachen Ausrüstung ist dringend angeraten. Bei Stufe 4 sollten Lawinengefährdete Gebiete (dazu unten mehr) unbedingt gemieden werden. Stufe 5: Big no!! Never ever! Stufe 5 ist lebensgefährlich und unkalkulierbar.

Wegplanung

Aus dem Lawinenlagebericht erhalten wir praktische Information zur Wegplanung. Hier ein realer Bericht vom 10. Januar 2010:

Gefahrenstellen, an denen Lawinen ausgelöst werden können, liegen oberhalb 2000m in eingewehten kammnahen Bereichen vorwiegend der Hangrichtung Nordwest über Nord bis Ost sowie in steilen Rinnen und Mulden. In diesen Bereichen ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung, z.B. durch einen Fußgänger oder eine Skifahrergruppe ohne Abstände, eine Auslösung von kleinen Schneebrettlawinen möglich. Selbstauslösungen von Lawinen sind heute nicht zu erwarten.

Aus dem bericht geht klar hervor, welche Bereiche gemieden werden sollen und diese Fakten müssen die Wahl der Tour und die genaue Wegführung bestimmen. V.a. aber sollte man sich die Daten merken, denn auch während einer Tour gilt es noch Entscheidungen zu treffen, denn die Feinheiten des Terrains lassen sich vor der Tour aus einer Karte nur bedingt lesen und 1:1 übertragen.

Auch die Sonne beeinflusst die Auslösung von Lawinen. Besondere Gefahr herrscht v.a. dann, wenn ein ohnehin schon lawinenschwangerer Hang später am Tag von der Sonne erfasst und erwärmt wird. Dies führt häufig zu Selbstauslösungen. Wird der Hang oberhalb plötzlich von der Sonne erfasst, so ist erhöhte Vorsicht geboten.

Zu den Videos

Video 1 zeigt, wie unglaublich riesig und schnell eine Lawine werden kann!

Video 2 zeigt, dass man auch auf der gegenüberliegenden Seite eines Lawinenhangs in Gefahr sein kann. Bei Lawinenstufe 5 und entsprechendem Gegenhang kein Problem!

Auslösung von Lawinen - Wo und wann?

Die ideale Hangneigung für Lawinen beträgt ca. 35° bis 55°. Flachere Hänge als 30° sind für gewöhnlich nicht ausreichend steil und auf Hängen steiler als 60° bleibt nicht genug Schnee liegen: Das sind grobe Daumenregeln, mit denen man aber sprichwörtlich recht gut fährt!

Ausgelöst werden kann eine Lawine beinahe überall! Ganz unten am Hang, in der Mitte oder auch von ganz oben aus. Einzelne Felszacken oder Bäume begünstigen häufig die Auslösung, wohingegen ein dichter Wald oder stark felsdurchsetztes Gelände einen meist lawinensicheren Hang ausmachen.

Das wichtigste für eine Auslösung ist jedoch die Beschaffenheit des Schnees. Bei einer stabilen und gefestigten Schneedecke kann auch ein blanker Hang mit 45° Neigung sicher begangen werden, bei einem störanfälligen Aufbau jedoch kann es auch im flachsten Gelände noch zur Selbstauslösung kommen.

Die Beurteilung der Schneedecke

Selbst hat man nur geringe Chancen die Schneedecke korrekt einzuschätzen, auch als erfahrener Alpinist. Kennt man den genauen Wetterverlauf der vergangenen Tage, lässt sich die Lage besser einschätzen aber auch hier hilf der Lagebericht weiter. Dort wird die Schneedecke im Detail und mit eindeutigen Attributen beschrieben und häufig eine Vorhersage getroffen (Lawinenwarndienst Bayern, 10. Januar 2010):

Die Schneedecke ist oberhalb der Waldgrenze von Schneeverfrachtungen aus der letzen Woche geprägt. Kämme und Rücken sind meist abgeblasen. Im verfrachteten Schnee sind mehrere Zwischenschichten eingelagert, die noch störanfällig sind. Die Altschneedecke wird aufgrund der tiefen Oberflächentemperaturen zunehmend aufbauend umgewandelt und pulverig.

Beispiel oben: Es wird auf nur geringe Gefahren hingewiesen (Lawinenstufe 1-2).

Es gibt natürlich Faktoren, wie man auch selbst die Gefahr an Hand des Schnees einschätzen kann. insbesondere große Neuschneeansammlungen bergen ab einer Steilheit von ca. 35-40° eine sehr hohe Gefahr von Pulverschneelawinen.

Verschüttetensuchausrüstung - LVS, Schaufel und Lawinensonde

Vorsorge: Technik macht's möglich. Sollte man trotz allem in eine Lawine geraten und verschüttet werden, so hat man dank ausgereifter Verschüttetensuchausrüstung (LVS) gute Chancen rechtzeitig gefunden zuwerden. Bedingung dazu ist natürlich

a) dass man nicht alleine unterwegs ist,
b) die Tourengänger eine funktionstüchtige und vollständige LVS-Ausrüstung dabei haben und
c) jeder damit umzugehen weiß.

Eine vollständige LVS-Ausrüstung bedeuted einen Lawinenpiepser (selbst LVS genannt), eine Schaufel und eine Lawinensonde. Alle drei Gegenstände werden zwingend benötigt. Der Lawinenpiepser (LWS) ermöglicht die Ortung einer Verschütteten. Je nach Gerät erfolgt die Suche nach einem anderen Muster und muss unbedingt bereits vor der Tour geübt werden. Dazu reicht es schon, wenn man ein Gerät im Haus oder Garten versteckt und der Partner es möglichst schnell finden muss. Hat man im Ernstfall den Verschütteten (grob) lokalisiert, so benötigst man eine Sonde, also einen langen und ausfaltbaren Alustab, mit dem man die Schneedecke durchdringen und die exakte Position durch ertasten feststellen kann. Zuletzt benötigt man eine geeignete Schaufel (meist klappbar oder in zwei Teilen zwecks besserem Transport im oder am Rucksack), um den Verschütteten auszugraben. Niemals sollte man auf den Gedanken kommen, man würde das auch ohne extra Schaufel schaffen. Der Schnee nach einer Lawine kann hart gepresst sein, wie Beton! Ohne Schaufel, häufig keine Chance!

Der Weg ist das Ziel ...

... und Umkehren ist keine Schande - Nicht überleben schon!

Es kann natürlich bei jeder Tour vorkommen, dass man auf einen Hang trifft, der auf erhöhte Gefahr hindeutet. Mit dem Lawinenlagebericht im Kopf, mit  Erfahrung und Vernunft sollte man dann entsprechende Entscheidungen treffen und v.a. zu Beginn - wenn man erst wenige Erfahrungen gesammelt hat - auch dazu in der Lage sein, umzudrehen oder weite Umwege in Kauf zu nehmen.

Manchen macht es auch Spaß
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