Wir vom Land haben es nicht leicht

Ich wohne auf dem Land. Die nächste Kleinstadt mit Videothek ist mehrere Kilometer entfernt. Dort kann ich mir einen Film ausleihen- für drei Euro fünfzig, wenn ich ihn innerhalb von 24 Stunden zurückbringe. Ich muss also zehn Kilometer hinfahren, den Film holen, zehn Kilometer zurück, den Film gucken, wieder zehn Kilometer hin, den Film abgeben und wieder zehn Kilometer zurück nach Hause... Ich bin also wegen einem Film, der vielleicht grottenschlecht ist, 40 Kilometer unterwegs. Und das auch, wenn ich krank bin, verkatert oder Besuch erwarte.

In anderen Ländern geht es doch auch!

Ich bin übrigens auch ein Fan von How I Met Your Mother, eine charmante Comedyserie aus den Staaten. In Deutschland kommt sie ausschließlich auf Prosieben. Doch der Sender entschied die zweite Hälfte der Staffel 7 nicht im Sommerloch senden zu wollen, brach also die Staffel mitten drin ab, um dann erst Monate später den Rest zu senden. Das nervt. Ich kann mich doch nach drei oder vier Monaten nicht mehr an die genauen Handlungen erinnern, geschweige denn mit den Problemen der Figuren mitfühlen. Da ich des Englischen mächtig bin, wollte ich einfach die Originalversion schauen. Bei amazon.com kann man die Serie völlig legal streamen. Natürlich nicht für lau, aber ich bin gerne bereit dafür zu zahlen. Nur leider gibt es da einen Haken: ohne eine US-amerikanische IP und eine US-amerikanische Kreditkarte gibt es auch keinen legalen Stream. Einen deutschen Anbieter gibt es nicht.

Illegal Streamen in Deutschland

In einem spektakulären Prozess wurden dieses Jahr der Programmierer, sowie der Geschäftsführer von kino.to, zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. kino.to war eine Plattform, die zu illegalen Filmangeboten weitergleitet hat. Illegal, weil diese Anbieter nicht die Rechte hatten, diese Filme zu veröffentlichen. Kurz, nachdem kino.to seinen Betrieb einstellen musste, tauchten natürlich viele neue Portale auf.
Diese illegalen Seiten sind mit Werbung richtiggehend "zugemüllt". In jeder freien Ecke zeigt eine Nadine oder Alexandra ihre Euter und lädt zum Seitensprung ein. Oder in animierten Pornos penetriert man sich gegenseitig an allen Körperöffnungen. Natürlich dürfen "Ruf-mich-an-Pop-Ups" nicht fehlen. Damit verdienen die Betreiber viel Geld.
Die Qualität der Filme ist natürlich zum größten Teil sehr schlecht, nicht selten handelt es sich um Mitschnitte aus dem Kino oder vom Fernsehen. Es ist kostenlos. Es ist eine rechtliche Dunkelgrauzone. Es ist schlecht. Es ist gegen jegliche Moral.

Legal Streamen in Deutschland

Es heißt, alle Trends aus Amerika schwappen kurz darauf nach Europa. Wenn es um Streaming geht, sollte es eher kriechen oder humpeln heißen.
In Deutschland gibt es meiner Meinung nach eine (!) gute Plattform, wo ich hundertprozentig legale Streams finden kann: filmodo.de. Es gab zwar einige Versuche von anderen, aber deren Oberflächengestaltung ist so kompliziert, das ich genauso lange meinen Film suche, wie ich zur Videothek brauche. filmodo.de leitet direkt zu dem gewünschten Film bei legalen Anbietern weiter. Zwar gibt es auch einige kostenlose Filme, aber der größte Teil ist kostenpflichtig, was aber dank verschiedener Flatrates fast gar nicht so sehr ins Gewicht fällt. Filme zu produzieren kostet Geld, viele Menschen müssen davon leben, also will und muss ich auch für deren Leistung zahlen.
Das Sortiment deutscher Anbieter ist aber leider noch etwas gering: aktuelle Filme sind eher selten; beliebte Comedyserien wie How I met Your Mother oder Two and a half Man gibt es gar nicht. Die Filme aber, die es gibt sind von hoher Qualität. Und wer nicht gerade gratis schaut, muss sich nicht mit lästiger Werbung herum schlagen.

Fazit:

In der USA ist Streaming längst angekommen. Hier leider noch nicht. Solange es aber zu den illegalen Portalen keine Alternative gibt, werden die Filmproduzenten weiter Verluste einfahren. Statt User zu kriminalisieren, weil sie unrechtmäßig urheberrechtlich geschützte Filme sehen, sollte es lieber ein größeres legales Angebot geben. Bis dahin müssen wir wohl "kriminell" bleiben. Wir sind nicht Generation kostenlos, ihr macht uns dazu!

Autor seit 4 Jahren
4 Seiten
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