Als Beispiel ist häufig das Lernen von fremdsprachigen Vokabeln aufgeführt, weil sich darunter jeder etwas vorstellen kann.

Vorab: Anleitung zum Lernen im Schlaf

So würde ich es mit meinem neuerworbenen Wissen machen: Morgens  etwas Neues lernen, besonders auch komplizierte Sachen - das klappt abends nicht so gut.

 

Abends das Wichtigste wiederholen. Etwas, dass ich bereits verstanden habe, die Vokabeln noch einmal durchlesen oder sogar die Vokabeln zum ersten mal lernen. Das sollte möglichst in Ruhe und ohne Stress geschehen.

 

Danach ohne Hektik ins Bett gehen (nur noch Routinetätigkeiten wie Zähneputzen, Licht löschen).

Wenn der Lernstoff ganz wichtig ist, würde ich auch einmal ausprobieren, dabei ein bestimmtes Parfum als Erinnerungshilfe zu versprühen (welches ich sonst nicht rieche), das ich mir danach auch aufs Kopfkissen sprühe.

Ich selber muss allerdings im Moment nichts intensiv lernen; meine drei Schul-Fremdsprachen, das Abi und zwei Jura-Examen habe ich Gott sei dank schon geschafft!

Kann man im Schlaf lernen?

Um diese Frage zu beantworten muss man sich erst einmal klar machen, was "Lernen" ist.

Lernen ist nach Wikipedia der absichtliche Erwerb von Kenntnissen oder Fähigkeiten. Das Wort "Erwerb" impliziert, dass die Kenntnisse oder Fähigkeiten einem eine Weile erhalten bleiben, also ins Langzeitgedächtnis überführt werden. 

 

Um Vokabeln ins Langzeitgedächtnis zu überführen, muss man sie sich normalerweise mehrfach einprägen, also z.B. einmal am Tag, die bereits vergessenen am nächsten Tag noch einmal und so weiter.

Hier setzt das "Lernen im Schlaf" an: Von den Vokabeln, die man kurz vor dem Schlafengehen gelernt hat, vergisst man nach wissenschaftlichen Untersuchungen (s.u.) nicht so viele. Die, die man nur behalten hat, weil man kurz nach dem Lernen geschlafen hat, muss man nicht am nächsten Tag nochmal lernen! Verkürzt gesagt: Der Schlaf sorgt dafür, dass man Dinge, die man vorher gelernt hat, besser behält. Etwas ganz neu nur im Schlaf lernen funktioniert dagegen in der Regel nicht.

Geeignete Themen zum Lernen

Sich etwas "einfach" nur zu merken funktioniert im Schlaf am besten, zum Beispiel Vokabeln lernen. Aber auch mit z.B. mathematischen Berechnungen müsste es funktionieren, wenn man die Berechnung morgens gut verstanden hat und sie nur nicht vergessen möchte.

 

Vielen kommen im Schlaf auch gute Ideen oder Lösungsansätze.

Abgeraten wird allerdings davon, etwas richtig Kompliziertes kurz vor dem Schlafengehen zum ersten Mal anzusehen. 

 

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es auch problematisch sein kann, am Abend vor der Prüfung eines umfangreichen Stoffes nur einen kleinen Teil zu wiederholen. Es besteht die Gefahr, dass man dann diesen Teil unbedingt "loswerden" will und in der Prüfung aufschreibt, ob es passt oder nicht. (Ein Beispiel: War in einer Prüfung die Abgrenzung zwischen Kaufvertrag und Werkvertrag gefordert und hatte ich am Vorabend noch intensiv die Regelungen zum Kaufvertrag gelernt, stieg die Wahrscheinlichkeit, dass ich einen Kaufvertrag annahm - da konnte ich mein Wissen am Besten präsentieren. Dumm nur, wenn es sich tatsächlich um einen Werkvertrag handelte.)

 

Nach neuesten Forschungen soll sogar unter Umständen das Lernen von etwas völlig Neuem nur im Schlaf möglich sein: Testpersonen wurden im Schlaf angenehmen Gerüchen ausgesetzt, gleichzeitig bestimmten Tönen. Dadurch atmeten die Personen tiefer ein. Nach einer Weile geschah dies auch, wenn ihnen nur die Töne vorgespielt wurden. Das Gehirn hatte sich also im Schlaf gemerkt, dass bei bestimmten Tönen angenehme Gerüche zu erwarten sind. Normalerweise ist es dagegen nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht möglich, etwas völlig Neues nur im Schlaf zu lernen.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Am interessantesten, weil am konkretesten fand ich den Bericht über einen Versuch, in dem Vokabeln auswendig gelernt werden mussten und diese nach verschiedenen Zeitabständen abgefragt wurde. Eine Gruppe lernte morgens, eine abends.

 

Es stellte sich heraus, dass die Leute, die Abends gelernt hatten, am meisten behalten hatten. Und zwar nach 12 Stunden, aber auch nach 24 Stunden (also dem Zeitraum, nach dem die Morgens-Lerner auch einmal geschlafen hatten.) Also: Abends lernen hilft beim Merken.

 

Leider habe ich keine Angabe gefunden, um wieviel besser man sich Dinge merken kann, wenn man kurz nach dem Lernen schläft. Wenn man 30 Vokabeln lernt am Tag, weiß man dann am nächsten Tag ohne anschließendes Schlafen 5 oder 25? Oder sind es ohne "Direktschlaf" 20 und mit anschließendem Schlafen 25? Das ist vielleicht wie allgemein beim Auswendiglernen individuell verschieden und man sollte es einfach ausprobieren.

Wieso funktioniert diese Art des Lernens?

Tagsüber Gelerntes wird nach dem Stand der Forschung erst im Gehirn zwischengespeichert und nachts im Tiefschlaf auf eine andere Gehirnstelle übertragen, mit der die Sachen länger in Erinnnerung bleiben. Das kurz vor dem Schlafengehen Gelernte ist dabei noch am besten präsent und kann deswegen am Besten abgespeichert werden.

Neu:

Auch Musik "lernen" im Schlaf soll funktionieren! In einem Experiment legten sich die Probanden nach dem Üben eines Musikstücks schlafen. Während des Schlafs spielen die Forscher einem Teil der Gruppe das Stück noch einmal leise vor. Diese Gruppe beherrschte das Stück am nächsten Tag besser.

Autor seit 5 Jahren
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