Beliebtheit klassischer Brettspiele heutzutage

Trotz aller Computer- und Konsolenspiele sind Brettspiele außerordentlich beliebt. Da es Gesellschaftsspiele sind, werden sie in der Regel mit mehreren Personen gespielt. Hier wird nicht nur in die Röhre geschaut, sondern die Spieler beobachten die Mimik und Körpersprache ihrer Gegner, tauschen sich aus, beschimpfen sich und feiern sich selbst nach einem Sieg. Das ist einfach ein besonderes Erlebnis.

Der Dauerbrenner unter den Brettspielen ist "Mensch ärgere dich nicht", das im Jahr 2010 seinen 100. Geburtstag feierte. Es ist das älteste der modernen Brettspiele, die die alten Spiele mit ihrer eher gesellschaftspolitischen und militärischen Orientierung ablösten.

Werdegang von „Mensch ärgere dich nicht“

Josef Friedrich Schmidt, der spätere Gründer der Schmidt-Spiele GmbH, entwickelte "Mensch ärgere dich nicht" im Winter 1907 aus dem englischen Spiel Ludo. Er vereinfachte die Regeln, indem er die taktischen Komponenten herausnahm, und erfand damit ein Spiel, das sich über Jahrzehnte ungebrochener Beliebtheit erfreuen sollte.

1910 wurde "Mensch ärgere dich nicht" zum ersten Mal veröffentlicht. Der Bekanntheitsgrad des Spiels wurde erst ab 1914 wirklich größer. Schmidt versorgte schlauerweise die Feldlazarette des 1. Weltkriegs mit 3000 Exemplaren seines Brettspiels. Diese Idee sorgte dafür, dass bis 1920 schon 1 Million Exemplare von "Mensch ärgere dich nicht" verkauft wurden. In den späteren Jahren versuchten viele Firmen an die Erfolge von Schmidt anzuknüpfen, in dem sie Plagiate auf den Markt brachten. Diese konnten sich jedoch nie durchsetzen.

Wie gerne dieses Brettspiel auch heute noch gespielt wird, belegen die Verkaufszahlen, die immer noch jedes Jahr um die 100.000 Stück liegen. Es dürfte kaum einen deutschen Haushalt geben, in dem es nicht im Schrank liegt. Selbst Meisterschaften werden ausgetragen, obwohl es doch kaum taktische Möglichkeiten gibt, das Spiel zu gewinnen. Letzteres dürfte ausschlaggebend für den Erfolg von "Mensch ärgere dich nicht" sein.

Ein Klassiker der Brettspiele für jung und alt

"Mensch ärgere dich nicht" kann jeder spielen, der bis sechs zählen kann. Das gelingt schon manchen Vierjährigen. Auch die Spielregeln sind sehr einfach und werden von Kindern gut verstanden. Die Altersempfehlung ist daher "ab 6 Jahre". Dennoch ist das Spiel kein reines Kinderspiel.

Normalerweise sind Spiele für Kinder in der Altersgruppe von vier bis acht Jahren für Erwachsene ziemlich langweilig. Sie werden nur mitgespielt, um dem Kind einen Gefallen zu tun. Intellektuell interessantere Spiele, wie die ebenfalls beliebten Spiele Malefiz oder Monopoly, sind für jüngere Kinder jedoch zu schwierig. Aber an "Mensch ärgere dich nicht" haben alle Altersgruppen ihre Freude.

Dass es auch von Erwachsenen so gerne gespielt wird, hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass allein das Würfelglück entscheidet, wer das Spiel zuletzt gewinnt. Eine Niederlage hängt damit nicht mit der eigenen Unfähigkeit zusammen, sondern ist nur Schicksal. Eine solche Niederlage ist leichter zu verkraften und man ärgert sich nicht sehr lange.

Zum Schluss eine kleine Anekdote: Während der Dreharbeiten zu der neuen Staffel der Teenie-Comedy-Serie "18 - Allein unter Mädchen" (ProSieben), entspannten sich die jugendlichen Schauspieler abends und in den Drehpausen mit "Mensch ärgere dich nicht"- Orgien. Wenn das nicht Bände spricht…

Bildnachweis: Claudia Hautumm, pixelio.de

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