Diskriminierung besser als ihr Ruf?

Schöne Frau: Diskriminierend?Viele Wörter haben im Laufe der Zeit eine Änderung ihrer Wertung und Begriffsverwendung erfahren. Wer weiß heute schon noch, dass beispielsweise das Wort Tunte einstmals für eine spießige, alte Jungfer stand und deshalb sogar in einem Disney-Comic Verwendung fand, in welchem Tick, Trick und Track Angst haben, von ihren Mitschülern als eben solche Tunten bezeichnet zu werden?

Besonders schlimm hat es jedoch das Wort Diskriminierung erwischt, das mittlerweile synonym für Benachteiligung oder Herabwürdigung steht. Dabei leitet sich dieser Ausdruck aus dem lateinischen discrimiminare ab, was nicht mehr und nicht weniger als trennen bzw. unterscheiden bedeutet. Selbstverständlich diskriminieren wir unablässig. Alleine der Umstand, dass Sie diesen Artikel lesen und nicht einen anderen, bedeutet eine Diskriminierung zu Gunsten des Artikelautors.

Ist es demnach fair, sich für X und gegen Y zu entscheiden? Stellt es nicht schlimmste Benachteiligung dar, wenn eine Frau einem um sie werbenden Mann einen Korb gibt? Und dies alleine auf Grund rein subjektiver Kriterien, wie etwa dessen Aussehen? Falls Sie diese Frage absurd finden, darf ich Ihnen gratulieren: Sie haben eines der absurdesten Wesensmerkmale unserer um "Gleichheit" und "Toleranz" penibel bemühten Gesellschaft erkannt!

YOU LOOK Modelcontest

Einfach nur so, weil der Artikelautor ein alter, notgeiler Bock istFolgerichtig sind Miss-Wahlen Ausdruck übelster Diskriminierung, trennen sie doch die "Schönen" von den "Hässlichen". Diesen ärgerlichen Schandfleck der Ungleichbehandlung hat GrünInnen-PolitikerIn Marianne Burkert-Eulitz erkannt und angeprangert. Für die Berliner Jugendmesse "You" (Anmerkung: Wer hip sein möchte, muss unbedingt Anglizismen verwenden!) war eine Wahl zur "Miss Teenie" geplant, an der TeilnehmerInnen, pardon: Teilnehmerinnen ab 13 Jahren zugelassen sein sollten. Die GrünInnen-PolitikerIn beschwerte sich beim Veranstalter, der darauf reagierte und die Miss-Wahl absagte. Oder sollte man vielmehr von verschlimmbessern sprechen?

Stattder "Miss Teenie"-Wahl wurde der "YOU LOOK Modelcontest 2013" (Anmerkung: Verdoppelung der Anglizismen! Hut ab) ausgerufen, dessen Teilnahmebedingungen zumindest ansatzweise wie der feuchte Traum einer Gender-ExpertIn klingen, wenn es allen Ernstes heißt:

Es werden 6 weibliche Kandidatinnen ausgewählt

Weshalb hingegen durchgehend von "Teilnehmern" die Rede ist, wenn lediglich junge Frauen gesucht werden, bleibt rätselhaft. Die Vermutung des Artikelautors geht dahin, dass der Veranstalter, pardon: Das VeranstalterIn einen Hauch subversiven Humors besaß.

Satirebücher des Artikelautors

Vielfalt statt Gleichmacherei!

Was verärgerte die GrünInnen-SprecherIn für Kinder, Jugend und Familie (also praktisch für uns alle, die wir mal Kinder oder Jugendliche waren) nun dermaßen? Zitat aus der BZ:

"Bei Miss-Wahlen werden grundsätzlich Menschen unserer Gesellschaft ausgeschlossen. [...] Jugendliche, die nicht groß und schlank sind, werden ausgegrenzt. Und Menschen ohne deutschen Pass auch. Das entspricht doch nicht dem Menschenbild."

Natürlich hat die PolitikerIn, hier auf einem Foto neben Miss Deutschland 2010 Anne Hagen zu sehen (Anmerkung, damit es zu keinen Verwechslungen kommt: Links Anne Hagen, rechts die PolitikerIn), grundsätzlich und faktisch vollkommen recht: Bei einer Miss-Wahl werden MitgliederInnen unserer Gesellschaft ausgeschlossen. Ebenso, wie Frauen ob mit oder ohne deutsche Staatsbürgerschaft von der Teilnahme an der Deutschen Bundesliga ausgeschlossen sind. Oder die Österreichische Fußballlachmannschaft von der Teilnahme an ernsthaften Großveranstaltungen. Oder Russen von der Kandidatur als US-Präsident.

The Devil In Disguise!Davon ausgenommen sind gerechtigkeitsfördernde Maßnahmen wie jener der BremerInnen GrünInnen, auf Wahllisten die Spitzenplätze für Frauen zu reservieren (dieser Schritt wird sehr schön begründet: "Durch das Frauenstatut werden keine Männer diskriminiert, sondern es wird Frauen einfacher gemacht, ihre Rechte auf Partizipation und politische Gestaltung wahrzunehmen. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal der Grünen und einer unserer wichtigsten Grundsätze" - der Artikelautor schließt sich dieser Begründung inhaltlich an: Das Alleinstellungsmerkmal der GrünInnen ist, es, mit ideologischen Scheuklappen hysterische Ausgrenzungspolitik zu betreiben, oder auf gut Deutsch: Bekloppt und stolz darauf zu sein).

Und weiter heißt es, Zitat:

"Kinder und Jugendliche sind in einer Selbstfindungsphase. Was sagt es über die Qualität der Menschen aus? Es werden Schönheitsideale propagiert, die längst überholt sind. Wir leben in einer vielfältigen und heterogenen Gesellschaft, die ein anderes Menschenbild lebt"

Sagt die Vertreterin einer Partei, die durch Intoleranz, Ausgrenzung von Menschen mit anderen Ansichten (aka: Menschen mit gesundem Menschenverstand) und Gleichmacherei glänzt. Eben weil die Menschen heterogen sind, muss es Miss-Wahlen in allen Ausprägungen geben, seien es Schönheitsveranstaltungen, Sportwettbewerbe mit Siegern und Verlierern oder Berufsbilder. Menschen sind unterschiedlich, und weil sie unterschiedlich sind, verfügen sie über individuelle Stärken und Schwächen. Heidi Klum ist schön, bringt aber ohne Spickzettel keinen geraden Satz auf die Reihe. Angela Merkel kann wunderbare Reden schwingen, hätte aber bei GNTM kaum Chancen auf den Sieg. Ungerecht? Diskriminierend? Nein - menschlich! Die eine mag sich vielleicht mal wünschen, auf Grund ihrer Erscheinung im Mittelpunkt zu stehen, die andere, auch mal einen klugen Satz zu plappern und nicht ausschließlich auf ihr Außeres reduziert zu werden.

Das ist Vielfalt - nicht die verordnete "wir sind alle gleich!"-Mentalität, die berechtigterweise so vielen Zeitgenossen mittlerweile beim Halse raushängt.

Toleranz mit Intoleranten

Absurderweise fühlt sich die PolitikerIn bemüßigt, in einer persönlichen Note ihre Befindlichkeit wie folgt zu erklären:

Ich bin klein und nicht so dünn. Aber ich komm damit klar, weil ich sportlich bin.

Durchaus erfreulich für die Gute, sich offenbar wohl in ihrer Haut zu fühlen. Tatsächlich redet sie hiermit der angesprochenen, von der Politik der GrünInnen energisch bekämpften Vielfalt und Individualität das Wort. Das angeblich propagierte, überholte Schönheitsideal ist doch vielmehr jenes, dass alle Menschen gleich sein sollten, es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern geben dürfe, die Teilzeit-Friseurin so viel wie eine Vollzeit arbeitende Maschinenbautechnikerin verdienen solle, damit es fair zugehe, nach den Werten der westlichen Aufklärung lebende Menschen gefälligst Toleranz ausgerechnet mit Intoleranten Fanatikern zeigen müssten, und dergleichen vieles mehr.

WIr diskriminieren, weil wir unterschiedlich sind, unterschiedliche Interessen, Ansprüche, Meinungen, Werte oder Begabungen haben. Eine Gesellschaft ohne Diskriminierung ist eine entmenschlichte Versuchsanstalt mit bekannten Folgen. Die Geschichtsbücher sind voll davon. Aber dann müsste natürlich auch lesen können und wollen, und das wäre ja voll arg diskriminierend gegenüber Bildungsabstinenzlern.

Und aus purem Trotz, und weil es noch nicht verboten ist...

Der Busen zum Sonntag

Der Busen zum Sonntag (Bild: http://pixabay.com)

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Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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