1. Moderne Kunst als Symbol für eine Werksiedlung

Die Ideen gehen dem Künstler Rudolf Müller aus dem Erlenbacher Stadtteil Mechenhard eigentlich nie aus. Moderne Kunst gehört für ihn zum Alltag. Es war eine  künstlerische Herausforderung für ihn, anlässlich des 75. Geburtstags der Glanzstoff-Siedlung in Erlenbach eine Skulptur zu entwickeln, die dem Ereignis angemessen ist und den Inhalt eines Geschehens ausdrückt, das sich durch mehrere Generationen zog und maßgeblich zur Entwicklung Erlenbachs beigetragen hat.

Ein Kunstwerk entsteht.

Ein Kunstwerk entsteht. (Bild: Foto: Ruth Weitz)

2. Kunstwerke aus Fundstücken zusammengefügt

Der Bildhauer Rudolf Müller ist ein waschechter Mechenharder, der nicht nur sein Handwerk versteht, sondern ein wahrer Entdeckungskünstler ist, der Fundstücke zu eindrucksvollen Kunstwerken verarbeitet. Er verleiht banalen Gebrauchsgegenständen wie beispielsweise Eislöffeln, ehemals im Handwerk verwendeten Maschinenteilen oder Werkzeugen sowie anderen Fragmenten – vorwiegend aus Metall – ein völlig neues Gesicht. Zudem ist er ein Tausendsassa und auf mehreren Ebenen künstlerisch aktiv. Er malt und zeichnet, fertigt Collagen und Assemblagen, arbeitet in Bronze,  formt Skulpturen und Objekte aus den unterschiedlichsten Materialien und ist bekannt für seine außergewöhnlichen sakralen Arbeiten. Seine moderne Kunst ist cool, wie es in der Jugendsprache heißt.

Moderne Kunst mit unterschiedlichen ...

Moderne Kunst mit unterschiedlichen Materialien gestaltet. (Bild: Foto: Ruth Weitz)

3. Geborgenheit als zentrales Thema des Kunstwerks

"Als die Stadt Erlenbach in Person von Frau Gebler vom Referat für Wirtschaft, Kultur und Tourismus auf mich zukam und mich beauftragte, einen passenden Gedenkstein anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Siedlung zu entwerfen, entwickelte ich gerade eine Idee zu einem Objekt", erzählt der 70-jährige Künstler. Mit dem gerade entstehenden Werk im Kopf habe er spontan den Vorschlag gemacht, den Gedenkstein mit einer Skulptur zu ergänzen, die thematisch zum Jubiläum passt. Rudolf Müller hat einen Vogel aus Stahl gestaltet, der symbolisch für die Anfänge der Siedlung steht, wo die ersten Häuser mitten in der Natur, noch weit entfernt vom Ortskern Erlenbachs, standen.

Andererseits ist der Vogel bekannt dafür, ein Nest zu bauen, um seinen Nachkommen Geborgenheit zu geben. Das wiederum drückt sich in den Häusern der Siedlung aus, die damals gebaut wurden, um den Mitarbeitern der damaligen Glanzstoffwerke ein Heim in Nähe ihrer Arbeitsstätte zu bieten. Eine dritte Symbolik ist der Bezug zur Natur, zu der grünen Oase, die sich schon die erste Generation der Siedlungsbewohner geschaffen hatte und diese Tradition von den Mitgliedern des Siedlungsvereins fortgeführt wird. In dessen Satzung ist unter anderem die Pflege der Gartenanlagen in der Siedlung verankert.

Moderne Kunst als cooler Beitrag zu ...

Moderne Kunst als cooler Beitrag zu einem Jubiläum (Bild: Foto: Ruth Weitz)

75 Jahre Glanzstoffsiedlung Erlenbach all gegenwärtig

Rudolf Müller fertigte einen Entwurf und stellte ihn Bürgermeister,  Stadtrat und Siedlungsverein vor. "Dem Bürgermeister hat's gefallen und der Siedlungsverein hat ebenfalls seine Zustimmung gegeben", berichtet der Mechenharder Künstler. Nachdem der Kulturausschuss im Erlenbacher Stadtrat für die Finanzierung der Skulptur einmütig grünes Licht gegeben hatte, ging er an die Vollendung des Werkes.

Der Rumpf des Vogels besteht aus Stahlteilen, die Rudolf Müller geschmiedet, geschweißt und verschraubt hat. Der Kopf ist ein Fundstück, ein ungebrauchtes Zahnrad, dessen Herkunft und das Ziel der Verwendung nicht bekannt sind. Die Skulptur steht auf einem Sockel aus rotem Buntsandstein mit einer Inschrift, die auf die Geschichte der Siedlung hinweist. Sein Kunstwerk wollte Rudolf Müller im Vorfeld der offiziellen Übergabe nicht der Öffentlichkeit preisgeben. Die Enthüllung erfolgte am 14. Juli 2012 auf dem Siedlerplatz, wo die Skulptur dauerhaft ein Blickfang sein wird und zudem an die Geschichte der Siedlung erinnert. So ist all gegenwärtig: Moderne Kunst ist cool.

Krimifreundin, am 18.07.2012
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Bildquelle:
Ro Halfhide / Flickr (Michael Nyqvist, seine letzte Rolle verfasste der Tod)

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