Trauben –Äpfel – und auch Birnen

Das Lexikon gibt eine im Gegensatz zur Konsistenz des "Stöffche" recht trockene Antwort: "Als Most (lateinisch mustum) wird allgemein durch Keltern (Pressen) gewonnener Fruchtsaft bezeichnet, je nach Gegend auch bereits vergorener. Übliche Früchte sind Trauben (Traubenmost) als Vorstufe zum Wein (Federweißer), Äpfel (Apfelmost) und auch Birnen. Andere Obstweine werden auch in der Vorstufe nicht als Most bezeichnet".

Most mit durchschlagender Wirkung

Zu wissen, wo Barthel den Most holt – das bezieht sich nach Auffassung der Experten im Kern auf den Heiligen Bartholomäus, dessen Gedenktag der 24. August ist. Wer also an diesem Tage schon weiß, wo später dies süffige Getränk mit seiner oft durchschlagenden Wirkung aufs Gedärm später zu holen sein wird, der weiß sich zu helfen, ist ein schlaues Kerlchen, ist gewandt – aber auch verschlagen und hintertrieben. Der Sprachforscher Professor Manfred Becker-Huberti, ein Theologe aus Köln, verweist darauf, dass diese Redensart bereits seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts belegt ist; beispielsweise in Grimmelshausens "Simplicissimus". Das Wort wird im Schwäbischen auch als Drohung genutzt: "Dem will i sa, wos Bartle de Moscht holt" – und das heißt, einem anderen auch derb und deftig zu sagen, wo es lang geht.

Zweites Frühstück: Most mit Brot

Ob auf der Schwäbischen Alb oder im Hessischen, in Österreich, Frankreich oder auch in Oberitalien am Südhang der Alpen, der Most, Moscht, mosto, war und ist ein beliebtes, nicht oder nur ganz leicht alkoholisches Getränk; erfrischend und billig herzustellen. Kein Wunder, dass es in früheren Jahren zuvorderst ein Arme-Leute-Getränk war. Auf der schwäbischen Alb beispielsweise heißt es in einer Chronik aus dem 19. Jahrhundert fast im Telegrammstil, aber bündig: "Zweites Frühstück – Most und Brot". Und weiter: "Täglich zwei Liter Most; in der Ernte vier Liter für männliche Arbeiter, weibliche die Hälfte". Wie sich das so gehört hat. Und noch in den 1930er Jahren kamen nach amtlicher Statistik auf den Kopf der württembergischen Bevölkerung 50 Liter Most im Jahr; Frauen, Kinder und Babies eingerechnet. Bei den cleveren Schwaben wurde er hin und wieder auch – verbotenerweise - zum Strecken des edlen Traubensaftes, des Weines also, verwendet. Der Urschwabe Thaddäus Troll beispielsweise wusste zu berichten, "dass man im schwäbischen Wein hin und wieder einen Apfelkern fand".

Mit Speierling besonders gut

Während in Hessen, und dort vor allem im Großraum Frankfurt, der Most vorzugsweise aus Äpfeln gewonnen wird, ist die Basis in Baden-Württemberg, Bayern, auch in Oberösterreich traditionell die so genannte Mostbirne – nur mit einer Beimischung von Äpfeln. Er wird auch mit Quitten oder Speierling-Früchten (ein Wildapfel) gekeltert und später vergoren. Dazu gibt es dann beispielsweise beim alkoholhaltigen Frankfurter Eppelwoi oft den Hinweis "mit Speierling" – und dann ist er besonders gut.

In der Schweiz gibt es "Mostindien"

Auch der schweizerischen Kanton Thurgau ist zumindest innerhalb der Eidgenossenschaft für seinen Apfelmost berühmt. Somit wird der Kanton häufig "Mostindien" genannt – Hinweis auf eine für viele Schweizer etwas ferne Spezialität.


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