Leben im Nest - Junge Störche haben immer Hunger

Störche bringen der Legende nach nicht nur Babys, sie haben auch selbst welche. In ihren ausladenden Nestern hoch über den Dächern hegen sie ihre Küken, die aus den gesprenkelten Eiern geschlüpft sind. Diese sind nur doppelt so groß wie Hühnereier und so erstaunt es kaum, dass der Baby-Storch zunächst ein kleines, graues Etwas ist, das im Nest optisch kaum auszumachen ist.

Ein bis fünf hungrige Schnäbelchen hat das Storchen-Paar dann zu füttern, ganz selten sechs. Voraussetzung, dass alle Jungen durchkommen, ist ein üppiges Speisenangebot: Rund 1,2 Kilogramm vertilgt ein Storchen-Baby pro Tag - das entspricht ungefähr 500 Regenwürmern und 16 Mäusen.

Nahrungssuche - Ein Weißstorch sucht für den Nachwuchs Futter.

White Stork, Uganda (Bild: Ariadne Van Zandbergen / AllPosters)

Für den erwachsenen Storch dagegen genügen rund 500 Gramm Fleisch und Fisch. Denn auch wenn auf Zeichnungen dem Storch oft ein Frosch aus dem Schnabel hängt – tatsächlich stehen diese Amphibien seltener auf dem Speisezettel als Schnecken, kleine Nagetiere oder Insekten. Erfolgreicher bei ihrem Streifzug sind die Stelzvögel nämlich, wenn sie mit ihrem 35 Zentimeter langen Schnabel frisch gemähte Wiesen durchstöbern und vor einem Mauseloch auf Beute lauern.

Wird das Nahrungsangebot auf der Wiese knapp, füttern die Eltern nur noch die stärksten Kücken. Notfalls schmeißen sie die schwächeren sogar aus dem Nest. Das erscheint grausam, doch nur so kann gewährleistet werden, dass am Ende wenigstens ein Junges durchkommt.

Dennoch: Betreuungsgeld würden die Störche als Eltern locker kassieren. Sie wechseln sich nicht nur beim Füttern ihrer hungrigen Babys ab, sondern auch schon davor beim Brüten, das rund einen Monat dauert. Dafür sucht sich das Storchenpaar in jedem Jahr das gleiche Nest aus. Die beiden bleiben nicht nur ihrem Wohnsitz treu, sondern auch sich als Paar. Dass sie bei der Balz laut mit den Schnäbeln aufeinander schlagen, hat ihnen den Namen Klapperstorch eingebracht.

Blick ins Storchen-Nest - Schauen, was hoch oben auf dem Dach passiert

Beim Einzug baut der Storch sein Nest in jeder Saison weiter aus. Kaum erstaunlich, dass er dadurch die größten Nester baut – kein anderer Vogel in Europa setzt bis zu zwei Tonnen schwere Nester auf Dächer und Türme. Gelegentlich helfen auch die Menschen mit: Da der Storch schon immer als Glückssymbol gilt, freut sich jeder über seine Ansiedlung. Mit Wagenrädern oder Metallgestängen auf hoch gelegenen Plätzen sollen ihm die Entscheidung für einen Nistplatz und der "Einzug" erleichtert werden.

Die Störche lassen sich bei der Brutpflege beobachten – und das hautnah. Zwischen 50 bis 100 Tagen sind sie damit beschäftigt, ihren Nachwuchs aufzupäppeln – dann wird er flügge. Videokameras geben den Blick ins Nest frei, beispielsweise unter www.storchennest.de oder www.bo.de/Storch.TV

Glücksbringer mit Spitznamen - Stelzender Gang sorgt für leisen Spott

Meister Adebar fasziniert die Menschen schon immer. Das mag an seinem Gefieder liegen und an der Art, wie er mit seinen langen, roten Beinen über die Wiese stolziert: Beides hat ihm allerlei Namen eingebracht - "Knickerbein", "Langbein" oder "Stelzbein" beispielsweise. Doch wie auch immer man ihn nennen mag – er steht für Glück und Reichtum. Und natürlich: Er bringt die Babys. Diese nette Geschichte erzählt man den Kindern seit dem 18. Jahrhundert.

Auch wenn der Storch den Menschen als durch und durch sympathische Gestalt gilt - untereinander herrschen mitunter raue Sitten: Nicht nur, dass sich die Störche das Nest streitig machen - kinderlose Paare werfen auch den Nachwuchs der anderen aus dem Nest.

Überwintern in Europa - Nicht alle Störche treten den Rückflug nach Afrika an

Von den 17 Storch-Arten ist in Deutschland vor allem der Weißstorch anzutreffen, der ursprünglich aus Afrika stammt. Reisefreude ist also die Voraussetzung, um die rund 10000 Kilometer pro Strecke zurückzulegen. Immer mehr der Vögel sparen sich den Aufwand und überwintern in Europa. Halt machen sie dann in Spanien oder Portugal. Oder sie bleiben direkt in ihren Sommerquartieren. Das wird nicht nur durch das mildere Klima möglich, sondern auch durch die Fütterung durch Menschen. So verköstigen beispielsweise die Elsässer, deren besonderer Liebling und inoffizielles Wappentier der Weißstorch ist, eine Kolonie in der Orangerie in Straßburg.

Myrtis, am 18.06.2012
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Warum haben Rosen keine Dornen?)
https://pagewizz.com/welche-pflanzen-sind-giftig-fur-katz... (Welche Pflanzen sind giftig für Katzen?)

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