Farbenfrohe Kunstwerke und spannende Geschichten

Ein besonderer Anziehungspunkt ist der Skulpturengarten, in dem Besucher den farbenfrohen Kunstwerken von Karin Günther begegnen. Das Bild zeigt sie in ihrem Atelier, wo sie ihre Arbeitsweise erklärt. Ihr ist es gelungen, das Grün des kleinen Parks mit ihren fantasievollen und aussagekräftigen Skulpturen zu ergänzen. Sie hat einen Schuss Ironie und eine Menge Gesellschaftskritik hineingepackt, was erst bei näherem Betrachten zu Assoziationen anregt. Die Besucher erleben eine Symbiose von Gartenlandschaft und zeitgenössischer Kunst.
Bei den Führungen durch ihr kleines Paradies verbindet das Ehepaar Erläuterungen über die Geschichte des Anwesens mit dem spannenden Leben von Richard Wehsarg und mit den Kunstwerken, die Karin Günther geschaffen hat. Die öffentlichen Führungen sind meist ausgebucht. Wer sich vorher nicht angemeldet hat, geht das Risiko ein, wieder nach Hause geschickt zu werden. Aber es sind auch private Führungen möglich. 
So erfahren die Gäste, dass Richard Wehsarg keineswegs nur eine Lichtgestalt ohne Fehl und Tadel war, die sich um die Gesundheit und das Wohlergehen der Bevölkerung bemühte, neue Heilmethoden entwickelte und den Spessart touristisch beleben wollte. Ohne dessen Verdienste schmälern zu wollen, berichtet Wolfgang Günther auch von den dunklen Seiten seines Urgroßvaters. »Er war ein Verehrer Adolf Hitlers, kein Opportunist, sondern völlig überzeugt von dieser politischen Einstellung.«

Familiengeschichte hautnah erleben
Ein Foto aus der Vergangenheit: ...

Ein Foto aus der Vergangenheit: Wolfgang Günther erzählt von seinen Urgroßeltern. (Bild: Ruth Weitz)

Engagement für den Spessart

Der »reitende Doktor« und später zum Sanitätsrat avancierte Wehsarg hatte im Jahr 1897 das ehemalige Adelspalais mit seiner Frau Mary, einer gebürtigen US-Amerikanerin, und der gemeinsamen Tochter Else bezogen. Dort richtete er auch seine Praxis und ein Sanatorium für nervenkranke Menschen ein. Mit seiner Schwester betrieb er ab 1889 die mondäne Kuranstalt Villa Elsava in Hobbach, deren Betrieb nach zwölf Jahren wegen mangelnder Einnahmen eingestellt werden musste. Heute befindet sich dort das Schullandheim.
Wehsarg war nicht nur aufklärerisch tätig und versuchte, der Landbevölkerung die Grundregeln der Hygiene beizubringen, sondern machte sich auch als Forscher und Erfinder einen Namen. Er entwickelte ein dem Joghurt ähnliches Getränk mit dem Namen »Saya« zur Darmgesundheit und stellte aus gemahlener Kieferborke einen Korkersatz her. Weiterhin war er maßgeblich an der Gründung der Obernburger Obstverwertungsgenossenschaft (OVGO) beteiligt und unterstützte den Bau der Strecke für die im Volksmund bezeichnete Spessartbahn entlang der Elsava von Obernburg-Elsenfeld nach Heimbuchenthal.
1906 gründete Wehsarg das Monatsmagazin »Spessart«, das er bis 1912 redigierte. Es erscheint nun im 111. Jahrgang und wird von unserem Medienhaus herausgegeben. Wolfgang Günther hat einige Beiträge über die Geschichte seines Urgroßvaters, des Gründers, beigesteuert.

Einige Bildimpressionen von den Skulpturen

Die tut nix! (Bild: Ruth Weitz)

Malepartus im geschichtsträchtigen und farbenfrohen Umfeld

Bei den Führungen ist auch zu erfahren und anhand von Exponaten zu sehen, dass Wehsarg ein begabter Zeichner war, der die Beiträge im »Spessart« mit der Zeichenfeder ausschmückte. Als Malerin unterstützte ihn seine Frau Mary dabei. So schließt sich der Kreis von der Vergangenheit zur Gegenwart, wo sich künstlerisches Schaffen mit Geschichtsbewusstsein verbindet. Karin Günther hat sich in einer Ecke des Gartens eine Werkstatt eingerichtet. Bei den Führungen dürfen die Besucher einen Blick hineinwerfen und sich zeigen lassen, welche Materialien die Künstlerin verwendet.
Schlusspunkt der Führung ist die Begegnung mit dem so genannten »Malepartus«, einem kleinen Turmanlage mit angrenzendem Häuschen, das Wolfgang Günther mit allem Komfort ausgestattet hat. Bei kalten Temperaturen sorgt eine Fußbodenheizung für wohlige Wärme. Ein junger Mann hat das putzige Häuschen, den »Fuchsbau« (Malepartus ist der Fabelname für Fuchs), gemietet und fühlt sich sichtbar wohl in der geschichtsträchtigen und mit farbenfroher Kunst ausgestatteten Umgebung.

Ein Türmchen und ein Häuschen
Der Malepartus

Der Malepartus (Bild: Ruth Weitz)

900ste Besucherin kommt aus dem Literaturkreis Hanau

Am 13. Juni 2018 hatte sich eine Gruppe aus Hanau angesagt, die sich regelmäßig einmal im Monat zu einem Literaturkreis zusammenfindet. Die Leiterin, Gerlinde Seelmann, hatte im vergangenen Jahr schon an einer Führung durch den Skulpturengarten teilgenommen. Ihre Begeisterung hat sie an den Literaturkreis weitergegeben und so die Neugierde von 35 Teilnehmern geweckt, die nun die Fahrt nach Sommerau antraten.
Über 900 Menschen haben bisher an den Führungen teilgenommen. Die 900ste Besucherin war Annemarie Antl vom Literaturkreis Hanau war völlig überrascht, als Karin Günther ihr ein Buchgeschenk überreichte. »Ich freue mich sehr darüber«, sagte sie und war wie die anderen Teilnehmer sehr angetan von der Führung, die Kunst und Historie miteinander verbindet.

Die 900ste Teilnehmerin der ...

Die 900ste Teilnehmerin der Führungen im Skulpturengarten ist Annemarie Antl. (Bild: Ruth Weitz)

Dort wo Kunst, Natur und Geschichte sich begegnen

Karin und Wolfgang Günther leben seit 1987 in einem 500 Jahre alten Adelspalais der Freiherren von Fechenbach, heute Elsavastraße 122. Es ist das Elternhaus von Wolfgang Günther. Sein Urgroßvater Richard Wehsarg hatte es 1897 dem Freiherrn Elmar von Haxthausen abgekauft und betrieb dort seine Praxis als Landarzt bis ins hohe Alter. Er starb 84-jährig im September 1946. Gegenüber befindet sich das Sommerauer Schloss. Der kleine Park, der sich an das heutige Wohngebäude anschließt, ist inzwischen von den zahlreichen Kunstwerken Karin Günthers bevölkert und mittlerweile ein Skulpturengarten, in dem sich Kunst, Natur und Heimatgeschichte begegnen.

Anmeldungen für eine private Führung unter Tel. 0 93 74 / 71 68 oder E-Mail: wogue@gmx.net

Krimifreundin, vor 9 Tagen
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Bildquelle:
Ruth Weitz (Upcycling: Aus Müll und Schrott Nützliches und Dekoratives herstellen)

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