Warnung!

Ohne Humor - wäre unser Alltag hier nicht zu ertragen!

Wir sind, weiss Gott, keine normale Familie!

Allein schon die letzte Volkszählung bescheinigt uns unsere Ungewöhnlichkeit. Mit den 5 Köpfen, die unsere Gemeinschaft zählt, liegen wir weit über dem Bundesdurchschnitt, der irgendwo bei 3 seinen Pegel findet. Normal ist bei uns nur die Anzahl der Familienmitglieder über 18 Jahren, die da, wie in tausenden anderer Familien auch, zwei beträgt. Ich und mein Lebensgefährte teilen uns die Personensorge für drei Minderjährige.

Der "ganz normale Tag" bei uns wäre aber durchaus dazu geeignet, Menschen mit schwachen Nerven auf einen etwas längeren Urlaub in einer Nervenheilanstalt zu schicken.

Ein ganz normaler Tag - ...

dessen Schilderung ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Irgendwann nach vier in der Nacht droht selbige, ihrem Ende zu zu gehen. Wohl höre ich die Geräusche, bin aber weder willens, noch in der Lage, mein Bett zu verlassen. Gedanklich checke ich das Wohnungsinnere. Ist das Wohnzimmer abgeschlossen? Genug Brot in der Küche? Welche Lebensmittel werden heute wieder verschwunden sein und welche Getränke werden sich auf dem Küchenfussboden wieder finden? Von leeren Lebensmittelumverpackungen im Kühlschrank und Gefrierschrank ganz zu schweigen.

Katastrophe? Nein, Katastrophen sind etwas anderes. Das ist der ganz normale Alltagswahnsinn. Oder besser - sein Anfang.

Zwischen halb 6 und 6 ist es nämlich völlig vorbei mit der Nachtruhe. Meine grosse mit ihren 10 Jahren verlässt das Bett lautstark um auf jeden Fall sicher zu stellen, dass ihre kleine Schwester mit aufsteht. Die eigentlich noch liegen bleiben könnte, weil sie keinen Kindergartenplatz bekommen hat und sowieso den ganzen Tag bei mir ist. Keine 5 Minuten nach dem Aufstehen haben die beiden Mädchen sich das erste Mal in den Haaren. Die kleine steht der Grossen in den Füssen, will etwas anziehen, das der Grossen gehört, stellt ihr Fragen. Um 6 geht mein Wecker das erste Mal. Meist ruft Caro jedoch eh nur an um zu hören zu bekommen "Danke..., ich bin schon wach....!"

Um euch ein wirklichkeitsnahes Bild meiner morgendlichen Aufwachsequenz zu geben, bräuchte ich eine Tonübertragung - nur wer die Frequenzen kennt, die meine Töchter in ihrem allmorgendlichen Streitgespräch zu erreichen wissen, versteht, dass ich bei der ersten Tasse Kaffee nicht in der Lage bin, ein Telefonat zu führen und mir menschliche Stimmen am frühen Morgen ein furchtbares Greuel sind.

Gegen 6:30 schaue ich das erste Mal bewusst auf die Uhr. Es gibt nur eine Möglichkeit, dem Streit mit meiner Grossen am frühen Morgen aus dem Weg zu gehen - ich bleibe im Bett und stelle mich schlafend. Ich werde nie verstehen, an welche Dinge eine 10jährige morgens um 7 denkt, die den gesamten Vorabend keinerlei Wichtigkeit hatten. Da sind Gelder die unbedingt in die Schule müssen, Zettel und Klassenarbeiten, auf denen meine Unterschrift fehlt, fehlende Bücher und Hefte und und und. Nein, ich habe auch heute kein Bargeld im Haus - ich habe nie Bargeld im Haus wenn ich es nicht brauche. Ich habe auch keine Mathehefte auf Vorrat im Schrank und nein, ich schlafe nachts auch nicht auf den zweiten Teilen der vermissten Sockenpaare. Dafür aber auf dem Wohnzimmerschlüssel - was allerspätestens um 7 meine Nacht rüde beendet!

Technik, die begeistert!

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja  - beim Wohnzimmerschlüssel. Eine Geschichte, deren Hintergründe ich erklären muss. Mein mittlerer mit seinen fast 9 Jahren gilt als behindert, weil er nicht spricht. MIR kommt dieses Kind aber oft vor, wie die Hauptperson in dem alten Witz "Salz fehlt" (Warum soll ich sprechen? Dann wird mir doch der Arsch nicht mehr nach getragen?) Was ihm an Sprache fehlt, macht er nämlich an Computerwissen wett. Wenn sie wissen wollen, was ihr Computer alles kann, das in keiner Bedienungsanleitung zu lesen steht - geben sie ihn meinem Sohn!

Seine Leidenschaft für Technik begann schon als er anfing, seine Umwelt wahr zu nehmen. Ich war grosse Teile meiner Zeit damit beschäftigt, elektronische Einrichtungsgegenstände vor seinem Zugriff zu sichern. "Das wächst sich aus" war die einhellige Meinung meiner Umwelt. Falsch gedacht. Je älter er wird, je intensiver beschäftigt er sich mit Dingen, die uns in den Wahnsinn treiben. Verbote werden ignoriert, Passwörter geknackt und wer schon einmal einen Computer softwareseitig reparieren musste, den mein Sohn in den Fingern hatte, kennt den Befehl "Format C:" in und auswendig. "Wenigst lässt er dann die Finger vom Herd" dachte ich mir - denn zu dieser Zeit war es die Küche, die ich abschliessen musste, wollte ich nicht Gefahr laufen, als Grillhähnchen wach zu werden. Mein erster Laptop überlebte seinen Zugriff nur, weil ich ihn rechtzeitig verkaufte. Mein zweiter nur, weil dessen Display schneller kaputt ging, als ich die Software tauschen konnte. Inzwischen haben die Kinder ihren eigenen PC. Was jedoch meinen Sohn durchaus NICHT daran hindert, seine Künste an den Systemen meines Lebensgefährten auszuüben.

Systeme, deren Hardware mehrere tausend Euro kostet. Von der Software und den Lizenzen ganz zu schweigen. Und ganz abgesehen davon, was ein automatisches Posting bei Twitter, Facebook etc im Leben eines Menschen auszulösen imstande ist.

Ein Dank den Schulen - und eine Entschuldigung an meine Nachbarn

8:05

Endlich herrscht weitestgehend Ruhe. Meine Tochter hat bereits um halb 8 das Haus verlassen - mein Sohn um kurz nach 8 seinen Bus erreicht. Mir tun jeden Morgen meine Nachbarn leid, die jeden Morgen von hin und her rennenden Kindern gestört werden. Ich selber bin inzwischen weitestgehend trampelresistent - aber ich glaube jedem, der mir sagt, dass es sich anhört, wie eine Elefantenstampede. Schliesslich stelle ich selber oft genug die Frage, wie ein Mensch, der allenfalls ein Drittel meines Gewichtes erreicht, das Dreifache an Lauflautstärke zu erreichen imstande ist.

In den letzten Tagen ist mein Kaffeeverbrauch im übrigen immens angestiegen. Ob das daran liegt, das meine Tagenswachphasen etwa 1,5 Mal so lang sind wie an Schultagen? Ich sollte es beobachten. Kaffee wärmt die Seele und beruhigt die Nerven. Letzteres tut Baldrian auch - aber ich habe noch zu arbeiten.

8:15

Die Mails sind kontrolliert, die Werbung ist gelöscht, die Social Media Portale sind kontrolliert und ich KÖNNTE mich an die Arbeit machen....

"Mamaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa darf ich ein Eis?"

Mein Blick geht nach links und trifft sich mit dem meines Lebensgefährten. "Ich geh Kaffee holen - DU machst Zigaretten!" Während er in der Küche verschwindet, findet eine allmorgendliche Diskussion über gesunde Ernährung statt, die darin endet, dass sie in die Küche stürmt und meinen Lebensgefährten umrennt - samt der vollen Kaffeetassen in seinen Händen. Ungeachtet der Tatsache, dass deren Füllung sich soeben auf den Küchenfussboden ergiesst umarmt sie ihn stürmisch. "Papiiiiiiiiiiiiiiiiiii gibst du mir das Toastbrot runter?" Es können auch die Cornflakes oder der Kakao sein - das gewählte Szenario wiederholt sich mehrmals täglich mit unterschiedlichen Gesprächsinhalten.

Eine genaue Schilderung der hiesigen Vater-Tochter Gespräche kann man im übrigen dem Bericht meines Lebensgefährten unter "Papi, guck mal" entnehmen - er wird sie vermissen, wenn sie ab Herbst in die Schule kommt glaube ich!

Eigentlich...

Doch es ist Samstag.

11:48 und drei furchtbar unausgelastete Kinder streiten sich darüber, wer, wann, wielange und auf welchem Portal an den PC darf.

Wenigstens wird die Grosse gleich die Flucht antreten. Nachdem gestern ich dann plötzlich 4 Kinder zum Abendessen und Übernachten bei mir hatte, werden es heute nur zwei sein - meine Grosse schläft bei ihrer Freundin.

Ruhe? Weit gefehlt - aber ihre Abwesenheit werde ich nutzen - und ihren Kleiderschrank aufräumen.

Und über das Phänomen berichte ich euch dann

in meinem nächsten Artikel

traumstundenfee, am 11.06.2011
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Bildquelle:
Bild: clker.com (Wer gute Beziehungen möchte, sollte "Giraffensprache" sprechen: Gew...)
Kahei (Weihnachtsgeschenke für Dreijährige – bauen, malen, vorlesen)

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