Offener Brief an US-Präsident Barack Obama - zur Verschärfung der Waffengesetze in den Vereinigten Staaten

Sehr geehrter Herr Präsident,

Jeder hat das Recht auf Leben. Es ist die Pflicht eines Rechtsstaates, das Leben seiner Bürger zu schützen. Die amerikanische Waffenlobby hingegen tritt dieses Recht mit Füßen, indem sie den verantwortungslosen Umgang mit Waffen fördert. Und das offenbar mit System. Inzwischen scheuen die Anbieter von Schusswaffen in den USA ja nicht einmal mehr davor zurück, schon ab 5-Jährige auf diesen verheerenden Geschmack zu bringen. Dieses verantwortungslose Geschäftsgebahren führt nicht selten dazu, dass ein kleines Kind schneller von einem Altersgenossen umgepustet wird, als das Kind, das unwissentlich abgedrückt hat, sich darüber im Klaren werden kann, wie das jetzt passieren konnte.

Bitte stoppen Sie die Praxis der US Waffenlobby, Gewehre für Kinder zu verkaufen!

Ich war schockiert, als ich von den Fällen las, in denen in Ihrem Land durch Kinderhand tödliche Unfälle mit Schusswaffen geschahen. Szenen wie die in Kentucky, Tennessee und New Jersey sind wohl an der Tagesordnung. Die Firmen, die diese Waffen verkaufen, interessiert die Gefahr, die von ihren Produkten ausgeht, nicht. Sie sind so sehr auf den Profit fixiert, dass ihnen jedes Mittel recht ist, um ihre Werkzeuge des Todes zu vermarkten. Nun also auch für Kinder. Die Verantwortungslosigkeit der US-amerikanischen Waffenunternehmen kennt offenbar gar keine Grenzen.

Vergleich zwischen deutscher und US-amerikanischer Waffenpolitik

Dass immer mehr jüngere Menschen an Schusswaffen kommen und diese benutzen, ist eine traurige Begleiterscheinung dieser Zeit. Auch hier in Deutschland erschütterten in den letzten Jahren einige Amokläufe an Schulen die Gesellschaft. Und auch bei uns lebte mit jedem Amoklauf die Diskussion um das Waffenrecht, das hier übrigens viel strenger gefasst ist als in den USA, erneut auf. Nach dem Amoklauf im deutschen Winnenden im Jahr 2009 wurden erfolgreich Änderungen durchgesetzt. Seitdem können Waffenbesitzer in Deutschland mehr kontrolliert werden. So kann zum Beispiel auch überprüft werden, ob die Schusswaffen ordnungsgemäß weggesperrt werden, damit sie nicht so einfach in unbefugte oder gar jugendliche Hände gelangen können.

Ein Teufelskreis der Gewalt durch gefährliche Schusswaffen im Privatbesitz

Der junge Amokläufer an der Sandy Hook Grundschule in Newtown, Adam Lanza, war 20 Jahre alt. Offenkundig konnte er bestens mit dem Sturmgewehr der Marke Bushmaster, dem Glock und dem SIG Sauer Gewehr seiner Mutter, mit denen er das Gebäude betrat, umgehen, als er am 14. Dezember 2012 seine Mutter, 12 Schülerinnen, 8 Schüler und zum Schluss sich selbst an der besagten Grundschule erschoss. Ich bin mir sicher, Mr. Obama, dass Ereignisse wie dieses Sie genauso erschüttern wie mich und die meisten anderen Menschen auch. Und die Dimensionen, die der sorglose Umgang insbesondere mit privaten Waffen annimmt, die Tatsache, dass – wie weiter oben erwähnt – immer jüngere Menschen bis hin zu Kindern Zugang dazu haben, macht mich noch sprachloser, als mich solche Massaker ohnehin schon machen.

Im Waffenrecht müssen Konsequenzen daraus gezogen werden!

In Connecticut, wo der verheerende Amoklauf an der besagten Grundschule stattfand, zog man aus diesem schlimmen Ereignis Konsequenzen. Ich begrüße es sehr, dass der US-amerikanische Bundesstaat infolge dieser Tat sein Waffenrecht verschärft hat, um die potentielle Sicherheit seiner Einwohner zu erhöhen. Es ist gut, dass dort zukünftig Waffenkäufer strenger geprüft werden, dass der Verkauf von Sturmgewehren und halbautomatischen Schusswaffen noch weiter eingeschränkt sowie der Besitz von Waffen mit mehr als 10 Schuss verboten wurde. Das sind aus meiner Sicht wichtige Schritte in die richtige Richtung, und es wäre wünschenswert, wenn auch andere Bundesstaaten der USA, deren Waffengesetz bislang noch lascher ist, diesem Beispiel folgen würden.

Auch in Maryland wurden bereits erste Konsequenzen gezogen. Zumindest können die späteren Todesschützen durch das zwangsweise Hinterlegen ihrer Fingerabdrücke beim Kauf von Schusswaffen so leichter geahndet werden. Meiner Ansicht nach geht diese Bestimmung allerdings noch nicht weit genug, denn sie verhindert nicht, dass solche Taten mit diesen Waffen überhaupt erst geschehen können.

Waffengesetz der USA verschärfen - Präsident Obama, bitte geben Sie nicht auf!

Herr Obama, ich begrüße Ihr Engagement für schärfere Waffengesetze in Ihrem Land sehr. Im Prinzip entspricht Ihr Standpunkt dem des Bundesstaates Connecticut. Auch Sie wollen den Verkauf von Sturmgewehren einschränken und Schusswaffen, die viele Kugeln in sehr kurzer Zeit abschießen können, verbieten. Sie fordern, dass die Käufer solcher Waffen gründlich kontrolliert werden und wollen eine nationale Datenbank aufstellen, in der sämtliche Waffenkäufe in den USA dokumentiert werden.

Aus meiner Sicht könnten diese Maßnahmen durchaus noch weiter gehen. Das Verbot des Verkaufs militärischer Sturmgewehre an Privatpersonen, der "Assault Weapons Ban", könnte meiner Meinung nach auf weitere gefährliche Waffen ausgeweitet werden. Und in der anvisierten Datenbank könnten internationale Waffenkäufe ebenfalls erfasst werden, obwohl die Amerikaner landesintern (leider!) sicher genug Möglichkeiten haben, an Waffen zu kommen. Als Pazifistin wäre es mir sogar am liebsten, sämtliche Waffen aus dem Verkehr zu ziehen. Mir ist jedoch klar, dass dies bei so einer starken Waffenlobby ein Wunschtraum bleibt.

"The American Way to die" - die Waffenlobby wird vertreten durch die NRA

Leider gibt es auch Bundesstaaten, die weniger einsichtig sind und in denen das Waffenrecht im Zuge schlimmer Vorfälle eher gelockert wird. Für solche Entscheidungen bringe ich keinerlei Verständnis auf. Mir ist bekannt, dass diese in der Regel republikanischen Cowboys Ihnen und Ihren Mitstreitern Ihr Engagement zur Verschärfung des US-amerikanischen Waffengesetzes erschweren, Ihnen in diesem Punkt viele Steine in den Weg zu legen versuchen. Mit großer Empörung habe ich in den Medien die Info von der Jahrestagung der National Rifle Association im texanischen Houston vernommen. Mir ist es schleierhaft, dass diese Veranstaltung eine so große Resonanz fand und 70.000 Menschen sich an dieser Veranstaltung beteiligten.

Die US-amerikanische Waffenlobby beruft sich bei ihrer "Argumentation" häufig auf die Freiheit. Aber was hat es mit Freiheit zu tun, wenn etwa ein Todesschütze seinen Mitmenschen durch eine kriminelle Tat auf gewaltsame Weise die Freiheit nimmt, über ihr eigenes Leben zu bestimmen? In meinen Augen überhaupt nichts. Aus meiner Sicht denkt und handelt die Waffenlobby extrem kurzsichtig und unverantwortlich.

Die Macht der Waffenlobby in den USA ist groß - die Angst der Bürger ebenso

Eine Frage, die ich mir nie habe beantworten können, ist: Warum ist die Waffenlobby in den USA überhaupt so stark, dass sie die Politik derart beeinflussen kann? Auch in Deutschland gibt es Lobbybranchen, die offenbar einen starken politischen Einfluss haben. Bei der hiesigen Energiebranche habe ich bei uns beispielsweise manchmal diesen Eindruck. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass eine Waffenlobby in meinem Heimatland jemals so stark werden könnte. Wenn das der Fall wäre, würde es mir aber große Angst machen. Deswegen kann ich jeden Amerikaner verstehen, dem eine so starke Waffenlobby in seinem Land Furcht einflößt.

Tatsächlich befürchten 65% der US-Bürger, auch in ihrer Gemeinde bestünde die Gefahr, dass irgendwann einmal eine Schießerei dort stattfindet. 58% unterstützen Ihre, Mr. Obama, Sichtweise, dass Sturmgewehre verboten werden sollten. Beim Thema Waffengesetze streitet sich in Ihrem Land die öffentliche Meinung darüber, ob diese verschärft oder gelockert werden sollten. Vertreter des letzteren Standpunkts sind der Meinung, mehr Waffen würden die Sicherheit erhöhen, und wollen Schulen mit bewaffneten Sicherheitskräften ausstatten lassen. Gewalt wollen diese also mit zur Schau gestellter Gewalt begegnen.

Mit noch mehr Waffen erhöht man nur die Angst, nicht die Sicherheit

Aber seien Sie ehrlich, Herr Präsident: Würden Sie Ihre Töchter guten Gewissens einer Schule anvertrauen, in der eine solche militärische Atmosphäre herrscht? Stellen Sie sich einmal vor, wie es wäre, wenn der Standpunkt der Menschen, die diese Lösung befürworten, umgesetzt würde. Durch die Präsenz der bewaffneten Kräfte würden die Schülerinnen und Schüler ständig daran erinnert, was auch an ihrer Schule passieren könnte. Die Angst wäre ständig präsent, was sich letztendlich auch auf die Erfüllung der Aufgabe der Schule, junge Menschen zu bilden, auswirken könnte. Für mich wäre es jedenfalls eine Horrorvorstellung, dass die Kinder und Jugendlichen dieser omnipräsenten Angst ausgesetzt wären, was auch psychische Folgen hätte.

Wenn man Gewalt mit Gewalt begegnet, wird der Teufelskreis, aus dem schreckliche Taten entstehen können, nicht durchbrochen. Im Gegenteil: Statt die gesellschaftlichen Probleme zu lösen, schafft man so nur noch mehr Leid – und häufig auch noch mehr kaputte Existenzen. Die Sichtweise der Waffen-Befürworter ist meiner Ansicht nach daher kontraproduktiv.

Mr. Obama, ich wünsche Ihnen und Ihren Mitstreitern im Kampf gegen die Waffenlobby viel Kraft und Erfolg in Ihrem Bestreben, die USA zu einem wirklich sichereren Ort für die, die in diesem Land leben, zu machen. Lassen Sie sich nicht von der Waffenlobby Ihres Landes einschüchtern, und setzen Sie Ihre Bemühungen, das US-amerikanische Waffenrecht zu verschärfen, bitte konsequent fort. Ich weiß, Sie haben da einige sehr dicke Bretter zu bohren. Umso wichtiger ist es, zum Wohle der Bürger Ihres Landes, auch in diesem Punkt nicht nachzulassen.

Yes, you can!

Mit freundlichen Grüßen

Karin Scherbart

Bildquelle: Pixabay

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