Immer im Mittelpunkt des Geschehens

Neuerdings erschienen verschiedene Biographien von Otto Katz. Das ist beachtlich, denn er war fast 60 Jahr lang in Vergessenheit geraten. Dabei taugt sein Leben (und Scheitern) doch ausgezeichnet zur Beschreibung der Widersprüche des 20. Jahrhunderts.

Katz wurde 1895 in Mähren geboren - sehr schnell kam er nach Prag, wo er die Bekanntschaft großer Literaten wie Kafka, Brod und Kisch machte. 1920 ging er in das brodelnde Berlin, wo er als Kunstkritiker arbeitete. Er wurde zu einem Geliebten von Marlene Dietrich. Politisch bewegte er sich nach links, landete dann im Umfeld von Piscator. Für ihn arbeitete er als Verwaltungschef des berühmten Theaters am Nollendorfplatz - eine Aufgabe, an der er scheiterte. Nach dem finanziellen Zusammenbruch des Projekts von deutschen Behörden gejagt, verhalf Willy Münzenberg ihm zu einer Tätigkeit in Moskau. In dieser Zeit scheint er Kontakte zur sowjetischen Auslandsspionage aufgebaut zu haben.

Später war er dann in Frankreich tätig (Er ist der Autor des berühmten "Braunbuches" über Naziterror und Reichstagsbrand, das weltweit Verbreitung fand - der Schriftsteller Arthur Köstler schrieb später, das Braunbuch sei die letzte Niederlage der Nazis vor Stalingrad gewesen), später auch Reporter im Spanischen Bürgerkrieg.

Als er 1939 ins Exil in die USA und nach Mexiko ging, war seine Stellung in Emigrantenkreisen bereits umstritten : viele  Emigranten, die dem Stalinismus und besonders dem deutsch-russischen Bündnis kritisch gegenüberstanden, sollten von ihm "auf Linie" gebracht werden. Für die prosowjetische Propaganda schreckte er vor Tricks und Lügen nicht zurück, so spielte er auf einer Veranstaltung einen französischen Resistance-Kämpfer, obwohl er nie an der Resistance teilgenommen hatte.

Nach dem Krieg ging er in die Tschechoslowakei, wo sein Leben scheinbar in etwas ruhigere Fahrwasser geriet. Er war Pressesprecher des Außenministeriums und Chefredakteur der Parteizeitung "Rude Pravo".

1952 aber auch hier eine Zäsur - die letzte in seinem Leben : im Rahmen des stalinistischen Slansky-Schauprozesses wird er angeklagt, gefoltert, verurteilt und hingerichtet. Ein Grab gibt es nicht - seine Asche wurde für den Winterdienst auf den Straßen Prags verstreut.

Otto Katz

Otto Katz (* 27. Mai 1895 in Jistebnice, Okres Tábor; † 3. Dezember 1952 (hingerichtet) in Prag) war ein österreichischer bzw. tschechoslowakischer Schriftsteller und im deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus unter dem Decknamen Breda tätig. Er wählte nach 1933 im Exil den Decknamen André Simone und behielt diesen bis zu seinem Tod bei.
Ehemaliges Piscator Theater am Nollendorfplatz
Autor seit 6 Jahren
32 Seiten
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