Der Aufstieg zum Refugio de la Rencluse auf 2140 m

Nach einer Nacht auf einem Campingplatz in den Pyrenäen führte uns der Weg nach Benasque. Von dort sind es dann mit dem Auto noch weitere 10 km bis man schließlich das Hospital de Benasque erreicht.

Das Hotel, welches früher ein Hospital war, liegt wunderschön in einem Hochtal und wurde unter der Verwendung von Stein und Holz restauriert, wie es der traditionellen Architektur dieser Gegend entspricht. Es ist raffiniert dekoriert - ein Blick ins Innere lohnt sich - und bietet mit seinen 55 Zimmern, dem Whirlpool und dem guten Restaurant Erholung für die komplette Familie.

Da wir noch genug Zeit hatten, konnten wir den Tag genießen, suchten uns ein schönes Plätzchen im Hochtal und lauschten dem Plätschern des Bächleins, das sich dort durch eine wunderschöne Naturlandschaft windet.

Später durchwanderten wir das Hochtal bis zum Talschluss und erreichten in etwa 1 Stunde den ehemaligen Parkplatz Plan d'Estany. Dieser liegt auf etwa 1900 m und bildet den eigentlichen Ausganspunkt der Tour. Wer sich diesen (wunderschönen) Teil sparen möchte, kann den kostenpflichtigen Shuttlebus in Anspruch nehmen (4 Euro für Hin- und Rückfahrt).

Vom ehemaligen Parkplatz Plan d'Estany geht es dann in einer weiteren Stunde zum 2140 m hoch gelegenen Refugio de la Rencluse. Wer in der Hochsaison unterwegs ist, sollte auf jeden Fall einen Platz in der Hütte reservieren, das es sonst mit einer Übernachtungsmöglichkeit in der Hütte schlecht ausgehen kann. Ende August gab es für uns allerdings genügend Platz. Vom Refugio auf 2140 m Höhe bietet sich bereits ein beeindruckender Blick auf die umgebenden Berge. Aber nicht nur die Umgebung, sondern auch 2 Esel und ein paar übermütige Kätzchen tragen zum herrlichen Ambiente auf dem Refugio bei.

Das Hospital de Benasque ...

Der Normalweg auf den Pico de Aneto

In der Nacht entlud ein Gewitter seine überschüssige Energie über unserer Hütte und es war gar nicht sicher, ob ein Aufstieg überhaupt möglich ist. Zudem erfuhren wir am Abend zuvor, dass beim Queren des Gletschers Steigeisen angebracht sind, die wir natürlich nicht dabei hatten. Zum Glück konnten wir diese für 12 Euro am nächsten Morgen ausleihen. Gegen 8.00 Uhr, nachdem sich das Wetter gelegt hatte, begannen wir mit dem Aufstieg.

Nach der Hütte ändert sich der Weg schlagartig. Zuvor war alles gut beschildert und die Wege ausgetreten - jetzt ist plötzlich kein Weg mehr vorhanden und man konnte nach Lust und Laune über Schutt- und Blockgelände höher steigen. Es sind weder Markierungen noch Wegweiser vorhanden - die einzige Orientierung bilden ein paar Steinmännchen sowie eine Felsrippe weiter oben, die linksseitig vom Aufstiegspfad liegt. Diese Steilstufe - die Cresta de las Portillones - kann man entweder durch das Portilón Superior oder durch das Portillón Inferior, das sich etwas weiter nordöstlich befindet, überwinden. Nach der Überquerung der Steilstufe steigt man zunächst ein paar Meter ab, bis man dann nach einer weiteren Stunde und mit Hilfe vieler Steinmännchen am Fuß des Gletscher steht. Jetzt heißt es Steigeisen auspacken und aus meiner Sicht den schönsten Teil der Tour zu absolvieren.

Im Gegensatz zu den riesigen Geröllfeldern und den mannshohen Steinblöcken, läuft es sich auf dem Gletscher mit den Steigeisen recht bequem. Am Ende des Gletschers geht es nochmals steil bergauf, bis man den "Vorgipfel" des Pico de Aneto erreicht. Nun gilt es die letzten Höhenmeter zu erklimmen. Diese führen über eine sehr schmale Felspassage, die zu beiden Seiten stark ausgesetzt ist und das einzige Kletterstück dieser Tour darstellt.

Vom höchsten Punkt der Pyrenäen bietet sich dem Bergsteiger ein beeindruckendes Panorama über die im Norden stehenden schneebedeckten Gipfel des Maladeta Massiv, nach Lagos de Coronas bis hinüber nach Frankreich. Nach Süden wandert der Blick über die trockenen Hochflächen von Aragon und im Osten sind die Berge des Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici zu sehen.

Der Aufstieg am Morgen beginnt ...

Fazit

Die Tour dauert insgesamt etwa 9 Stunden, wobei der Abstieg nochmals ganz schön in die Beine geht. Vor allem die atemberaubende Landschafte, die abwechslungreichen Wege, die tollen Ausblicke und natürlich das Gefühl, den höchsten Berg der Pyrenäen bestiegen zu haben, entschädigen die Mühen allemal. Für den Abstieg zum Hospital haben dann auch wir den Bus genommen :-)

Hans, am 16.11.2011
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