Warum Ritzen sich Menschen?

Diese Menschen stehen meistens unter enormen psychischen Stress und leiden auch nicht selten unter Depressionen und/oder unter anderen psychischen Erkrankungen. Einige haben auch traumatische Erlebnisse(z. B. sexueller Missbrauch, Misshandlung, Todesfälle) hinter sich, welche bisher nicht erfolgreich verarbeitet werden konnten. Daher sind Menschen, die sich ritzen, keinesfalls mit "Psychos", "Unmenschen" oder "Emos" gleichzusetzen! Jeder durchlebt früher oder später eine schwere Phase in seinem Leben, wobei die einen wenig schwerer Phasen, und die anderen eine extrem schwere Phase durchleben, womit nicht alle gleich gut damit umgehen können: In Deutschland ritzen sich schätzungsweise 800.000 Leute pro Jahr, wovon das häufigste Alter der Betroffenen 14 bis 16 Jahre ist.

Ist das gefährlich?

Ja, das ist gefährlich. Angefangen bei Infektionsgefahren, da die Objekte mit denen man sich ritzt, nicht immer steril sind, bis hin zu Risiken wie lebensgefährlicher Blutverlust. Dies hat im Übrigen auch einen großen Suchtfaktor, was das Aufhören deutlich erschwert. Desto länger man sich ritzt, desto schwerer kommt man davon weg, weshalb oft die professionelle Hilfe (Psychotherapeut, Psychologe) benötigt wird.

Mit dem Ritzen aufhören – Wie?

Mit dem Ritzen kann man selten "einfach aufhören", denn auch das wird schnell zur Gewohnheit bzw. zur Sucht. Gerade deswegen sollte man möglichst schnell versuchen, davon loszukommen. Die wohl wichtigste Voraussetzung ist der eigene Wille! Sollte dieser nicht vorhanden sein, ist es nur eine Frage der Zeit, bis man wieder Rückfällig wird und erneut in diesem Teufelskreis landet. Folgende Tipps können helfen, um damit aufzuhören:

• An einen Ort zurückziehen, wo man sich nicht Ritzen kann

Spitze/Scharfe Gegenstände (Schere, Messer etc.) sollten entfernt werden, um möglichst nicht auf falsche Gedanken zu kommen. Gut ist es auch, möglichst viel Zeit zusammen mit Freunden/Familienmitgliedern zu verbringen, da man, wenn man alleine ist, viel schneller auf rückfällige Gedanken kommt!

• Abwechslung die beschäftigt, ablenkt und zugleich glücklich macht

Abwechslung ist sehr wichtig, damit man möglichst auf keine rückfälligen Gedanken kommt. Regelmäßige Telefonate mit Freunden, Ausleben von Hobbys, Erlernen einer Sprache/eines Musikinstruments, oder regelmäßig Sport betreiben wären gute Optionen!

• Zu Alternativen greifen, die kontrollierbarer und schwacher sind

Wenn man dem Druck nicht standhält und sich wirklich selber Schmerzen hinzufügen muss, sollte man es auf eine kontrollierende Art machen. Hierzu zählt das Setzen von Reizen, was vom Zwicken bis hin zum leichten Kratzen gehen kann. Eine andere Methode wäre z. B. ein Gummiband gegen die Stelle, an der man sich Ritzen würde, schnalzen zu lassen.

• Über die Probleme/die Situation reden – oder auch Ausschreiben!

Da viele mit dem Ritzen ihren inneren Schmerz ausdrücken oder traumatische Erlebnisse hinter sich haben, hilft es oft darüber zu reden. Wenn man anfangs darüber nicht reden kann, hilft es oft schon, wenn man sich an einen Ort zurückzieht, wo man sich einfach alles von der Seele schreien kann. Alternativ dazu kann man auch alles niederschreiben, die Probleme/Sorgen in Gedichte/Lieder einbinden oder sie sogar Zeichnen/Malen – Je nachdem, was einem am besten gefällt! Dennoch sollte man mit der Zeit mit einer Person darüber reden (Freundschaftskreis, Familienkreis, etc.). Sollte man niemanden geeigneten dazu finden, kann man auch eine gratis Hotline anrufen! [siehe unten]

• "Schmetterlingsmethode"

Diese Methode soll einem helfen, Schritt für Schritt mit dem Ritzen aufzuhören. Im Grunde ist es ganz einfach: Man malt sich einen Schmetterling (oder mehrere) an jene Stelle, an der man sich üblicherweise ritzten würde und beachtet folgende Spielregeln: Jedes Mal, wenn man dem Druck nicht standhalten kann und sich ritzt, muss man den Schmetterling abwaschen. Wenn der Schmetterling mit der Zeit von alleine verschwindet, wurde er "freigelassen" und man darf sich selbst mit etwas bestimmten belohnen. Das Prinzip funktioniert natürlich auch mit Namen von Personen(oder auch Tieren!) anstatt Schmetterlingen, die einem sehr wichtig sind, oder auch dem niedergeschriebenen/niedergezeichneten Ziel.

Die Ursachen beheben

Ritzen ist ein Symptom – wenn man den Grund dafür beseitigt, wird der Druck auch etwas nachlassen. Wenn man soweit ist, genügt es meistens die 2 Punkte zu berücksichtigen, um von der Gewohnheit wegzukommen. Wenn man sich ritzt, um sich selbst zu bestrafen, muss beispielsweise etwas gegen den Selbsthass getan werden. Bei komplexeren Problemen wie z. B. bei traumatischen Erlebnissen, sollte man sich unbedingt professionelle Hilfe holen! Außerdem sollte bei Menschen mit Depressionen stets überprüft werden ob bzw. wie stark eine Depression bei dem betroffenen vorliegt. 

(Eltern) Mein Kind ritzt sich. Was soll ich tun?

Dies kann verschiedene Gründe haben. Einige tun dies aus Neugier und sehen es wie einen Trend, jedoch kann es ebenso aufgrund Verzweiflung, Selbsthass oder Ähnliches getan werden. Man darf das Kind keines Falles anschreien und befehlen, damit aufzuhören, denn das kann die Sache um einiges verschlimmern. Man sollte ein ruhiges Gespräch führen und versuchen mit dem Kind zu klären, warum es das tut und aufzuklären, warum das gefährlich ist. Sollte es keinen schwerwiegenden Grund für das Ritzen geben, sollte man es mit der Belohnungsmethode versuchen: Jeden Tag/ jede Woche (je nach Situation), wo sich das Kind nicht geritzt hat, bekommt es eine bestimmte Belohnung. Des Weiteren sollte man immer auf Anzeichen achten, die auf Ritzen hindeuten könnten. Sollte er Grund jedoch etwas aufgrund eines schwerwiegenderen Problems sein, ist es wichtig, professionelle Hilfe mit dem Kind aufzusuchen.
Gratis Hotlines

• Rufnummern der Telefonseelsorge in Deutschland: 0800-1110111 und 0800-1110222

Speziell für Kinder und Jugendliche: 0800-1110333

• Österreich: "Rat auf Draht", Psychologischer Notdienst: 147

• Schweiz: Tel.-seelsorge "Dargebotene Hand": 143

Online Hilfsangebote

Im Internet gibt zahlreiche Foren dich sich unter anderem auch mit dem Thema beschäftigen. Allerdings sollte man vorsichtig sein manche Foren sind nicht ausreichend moderiert und es kann dort schnell passieren das sich Kinder und Jugendliche gegenseitig runter ziehen. Ein gut moderiertes Online Angebot bietet beispielsweise der Kummer Chat dort können Menschen in unterschiedlichen Chaträumen miteinander Chatten und Erfahrungen zu unterschiedlichen Themen austauschen. Außerdem befinden sich in dem Chat ausgewählte Ehrenamtliche Helfer die Gespräche leiten und auch immer ein offenes Ohr haben.

Autor seit 8 Monaten
1 Seite
Laden ...
Fehler!