Rosencrantz & Guildenstern are dead (1990)

Dieser Film gehört zu meinen jahrelangen Favoriten. Ich könnte ihn mir immer wieder anschauen, ohne dass Langeweile aufkommt. Wer Monty Python und skurrilen Humor liebt, kommt hier voll auf seine Kosten. Nicht nur, dass Tim Roth ("Lie to me") und Gary Oldman ("Harry Potter") alle Register ihres schauspielerischen Könnens ziehen, man merkt ihnen den Spaß beim verbalen Schlagabtausch richtig an.

 

Hamlets Freunde Rosenkranz und Güldenstern präsentieren sich hier leicht unterbelichtet, aber nichtsdestoweniger liebenswert. Sie erhalten den Auftrag, den schwermütig gewordenen Hamlet nach England auf eine geheime Mission zu schicken. Während Güldenstern (Roth) alles zu durchschauen glaubt, besticht Rosenkranz (Oldman) mit einem eher naiven Gemüt, mit dem er nebenbei den Hamburger erfindet, erstaunlich rudimentäre und philosophische Fragen aufwirft ("Whatever became of the moment when one first knew about death? There must have been one. In childhood.") und Isaac Newtons Theorien bei Gelegenheiten neu ergründet.

Deutsche Kritiken vergleichen die beiden mit Oliver Hardy und Stan Laurel, und so ganz ist der Vergleich nicht von der Hand zu weisen. Ähnlichkeiten zu Samuel Becketts Vladimir und Estragon in "Warten auf Godot" können ebenfalls nicht verleugnet werden und waren vermutlich beabsichtigt.

Auf ihrem Weg zum Schloss des Prinzen Hamlet begegnen sie einer fahrenden Schauspieltruppe, angeführt von einem grandios perückten Richard Dreyfuss. Mehrmals spielt diese den beiden ihr drohendes Schicksal vor, doch sie nehmen die Warnung nicht ernst und rennen ahnungslos in ihr Verderben. Spätestens, als sie mit dem Schiff Richtung England schippern und Hamlet sie austrickst, wird ihnen klar, dass sie besser Nein gesagt hätten zu dem Auftrag.

Die Handlung will ich nicht vorweg nehmen, und eigentlich ist sie in diesem Fall gar nicht so wichtig, da sie sich in groben Zügen an die Shakespear'sche Vorlage hält, nur eben aus der Sicht zweier etwas einfältigen Nebenfiguren, die zu Hauptakteuren werden. Vornehmlich lebt der Film von seinen köstlichen Wortspielen, die sich etwas sperrig ins Deutsche übersetzen lassen, daher sei die Originalversion empfohlen (wobei die Synchronisation erstaunlich gut gelungen ist).

Obwohl der Film bei den Filmfestspielen in Venedig 1990 einen Goldenen Löwen abgesahnt hat und sowohl Oldman als auch Roth beteuern, nie wieder ein interessanteres Projekt verwirklicht zu haben, geht er in der Filmografie der beiden Hauptdarsteller bedauerlicherweise ein wenig unter. Darum möchte ich darauf aufmerksam machen und vielleicht die Neugier des einen oder anderen auf mal absurden, mal hintersinnigen Humor wecken.

 

Quotes:

Rosencrantz: Do you think Death could possibly be a boat?
Guildenstern: No, no, no... Death is "not." Death isn't. Take my meaning? Death is the ultimate negative. Not-being. You can't not be on a boat.
Rosencrantz: I've frequently not been on boats.
Guildenstern: No, no... What you've been is not on boats.

 

Rosencrantz: Life in a box is better than no life at all, I expect. You'd have a chance, at least. You could lie there thinking, "Well. At least I'm not dead.'

 

Rosencrantz: So, we've got a letter which explains everything.
Guildenstern: You've got it!
Rosencrantz: I thought you had it.
Guildenstern: I do have it.
Rosencrantz: You have it?
Guildenstern: You've got it!
Rosencrantz: I don't get it!
Guildenstern: You haven't got it?
Rosencrantz: I just said that.
Guildenstern: I've got it.
Rosencrantz: Oh, I got it!
Guildenstern: Shutup!
Rosencrantz: Right.

Rosenkranz und Güldenstern
Rosenkranz und Güldenstern
Autor seit 6 Jahren
77 Seiten
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