Spruch

Ein guter Spruch rettet den Tag

 

Das Internet hat bekanntlich positive und negative Seiten. Es ist sehr schnell-lebig und es zieht einen hinein wie ein reißender Fluß. Damit muss man umgehen können oder es lernen. Ein reißender Fluß ist nicht die einzige Realität, die wir kennen. Es gibt auch stille ruhige Seen und natürlich das Meer, das mit Ebbe und Flut zwei verschiedene Welten zeigt.

Wir können nicht immer im reißenden Strom schwimmen, uns tragen lassen, an verschiedenen Ufern aussteigen und alles mitmachen. Wir brauchen auch den ruhigen See, um uns zu sammeln, richtige Entscheidungen zu treffen und einfach die seelischen Akkus wieder aufzuladen. Auch treibt einen der reißende Fluß gerne weg von Orten, an denen es uns eigentlich gut ginge und wo wir länger oder vielleicht für immer verweilen sollten. Genug bildhaft gesprochen? Dann wird es jetzt konkret.

Das Internet bietet uns dauernd neue Informationen. Vieles ist oberflächlich, reine Unterhaltung und nichtiger Nonsens. Das macht aber auch nichts. Das gehört zur Offline-Welt ja auch dazu. Vieles ist aber auch wichtig. Bedeutende politische Ereignisse werden im Internet kontrovers diskutiert und manch einer bekommt über die Internet-Medien einen besseren Einblick über die Zusammenhänge, als wenn er sich nur auf Zeitungen und Fernsehen verlässt.

Neben all dem Anstrengenden, Bedeutsamem, neben dem Oberflächlichen, Dümmlichen und Zotigen finden aber auch andere Inhalte Eingang ins Netz und sie beeinflussen (wortwörtlich) den reißenden Strom positiv.

Gemeint sind nachdenkliche Inhalte wie aufbauende motivierende Facebook-Pages. Tagtäglich wird ein schönes Foto mit tollen Landschaftsaufnahmen gepostet, dazu wird ein weiser Spruch herausgesucht. Die Fans nehmen die täglichen Botschaften gerne an, kommentieren sie, erweiteren sie mit eigenen Erfahrungen und man philosophiert im besten Falle sogar ein wenig herum.

 

 

Auch im Internet gilt: Ein guter Spruch kann einen miesen Tag retten. Lustige und motivierende Sprüche, die man auch noch bewerten kann, findet man hier.

Gute Sprüche treffen ins Herz

Merkwürdigerweise nehmen wir die Wahrheiten und Lebensweisheiten aus wohlklingenden Formulierungen eher an, als wenn uns ein Mitmensch einen Rat gibt. Wir brauchen einfach hin und wieder 'hohe' Worte. Manche Schreiber sagen ja auch: Das, was ich so schreibe, das kommt eigentlich nicht von mir, es wird mir regelrecht eingegeben. Wer wirklich Großes schafft, der muss sich meist nicht sehr anstrengen, sondern es kommt in ruhigen Augenblicken einfach so aus ihm heraus.

Manche Sprüche und Weisheiten haben so viel Aussagekraft, dass sie über Generationen hinweg bestehen bleiben und immer weiter gegeben werden. Wie das "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es" von Erich Kästner. Es gibt einfach viele Sprüche, die die Wahrheit auf den Punkt treffen und auch mal mitten ins Herz treffen. Gerade dann, wenn man schon etwas Lebenserfahrung hat und die Bedeutung mancher Worte erst so richtig begreift.

Sage nie das kannst du nicht - warum eigentlich nicht

 

Die besten Sprüche sind ohne Zweifel die, die wie Erich Kästners gar nicht weiter interpretierbar sind, sondern die einfach ein gutes Gesetz wiedergeben, dem man nicht widersprechen kann. Und wie oft kann man auch gerade in der heutigen Zeit diesen Spruch wiederholen? Wieviel wird von guten Taten und Ideen geschwätzt und zu wenig getan? Aktuell sind wir mal gespannt, ob in den Hochwassergebieten wirklich ausreichende Maßnahmen ergriffen werden, damit in ein paar Jahren nicht wieder eine Katastrophe eintritt. Aber das ist nur ein Beispiel. Viele sind heute Meister im Reden und Selbstdarstellen, tun aber eigentlich gar nichts Gutes im alltäglichen Leben, sondern sind nur auf ihre persönlichen Ziele ausgerichtet. Der Spruch ist also so aktuell wie eh und je.

Andere Sprüche sind ebenso beliebt und werden immer wieder zitiert, obwohl sie gar nicht so allgemeingültig sind. Einer ist z.B. der Spruch:

"Sage nie: "Das kann ich nicht!"

Vieles kannst du, will's die Pflicht.

Alles kannst du, will's die Liebe.

Darum dich im Schwersten übe.

Schweres fordert Lieb und Pflicht,

drum sage nie: "Das kann ich nicht!"

Sage nie das kannst du nicht."

Der Verfasser des Spruches ist mir leider unbekannt. Es ist einer von den Sprüchen, die ich nicht mag. Er hört sich schwer nach Unterordnung und Aufopferung an. Er ist eigentlich typisch für die Zeit, in denen gerade die Töchter nicht schauen sollten, was sie so aus ihrem Leben machen könnten, sondern sich rein an ihre familiären Pflichten zu halten hatten.

 

Ohne Frage bürdet das Leben einem immer wieder Lasten auf, die man einfach tragen muss. Diese sind dann einfach unausweichlich. Da nützt es dann auch nicht zu sagen, "das kann ich nicht." Es bleibt einem eh nichts anderes übrig, als zu machen.

Natürlich gibt es Dinge, Aufgaben, die man schafft, obwohl man sie sich selbst nie zugetraut hat. Darauf zielt der Spruch ja auch eigentlich ab. Ich denke dabei z.B. an meinen Kunstunterricht in der Schule, wenn unsere Lehrerin, die eine bekannte Künstlerin war, uns Bilder gezeigt hatte mit Techniken, die wir noch erlernen sollten. Man konnte sich nie vorstellen, dass man in ein paar Wochen selbst ein ähnliches Bild abgeben würde. Und doch war es jedes Mal so, dass man es fertigbrachte, ohne Mühen, denn man lernte es einfach.

Das Leben hält einem aber nicht immer tolle Bilder hin, die man einige Woche später selber malen kann.

Nö!

Viele Dinge muss man gar nicht können

Andere Menschen oder bestimmte Situationen verlangen von uns eher mal Dinge, die gar nicht gut für uns sind. Dieser Spruch fordert uns dazu auf, über uns selbst hinweg zu gehen und uns zu zwingen, Dinge zu tun, die wir nicht tun wollen. Natürlich zielt er eigentlich auf die Bequemlichkeit und Unlust eines sagen wir mal verwöhnten Kindes ab. Aber der Spruch ist einfach viel zu weitläufig interpretierbar, als dass man ihn so stehen lassen kann.

Ein Beispiel: Viele Kinder und Jugendliche sollen gute Noten schreiben und das Abitur schaffen. Ohne Zweifel, für viele ist es sicherlich das Beste. Aber nicht für alle. Ein Schulkamerad von mir hat sich durch die Schule nur gequält und mit Ach und Krach, mit zwei Jahren Verzögerung, die Fachhochschulreife geschafft. Er ist Grafik-Designer geworden, denn er hatte schon immer ein überdurchschnittliches zeichnerisches Talent. Viele Dinge konnte er nicht so gut wie der Durchschnitt, dafür war/ist er besonders begabt.

Was macht es also für einen Sinn, einzelne Menschen zu Aufgaben, Verrichtungen, Arbeiten zu zwingen, wenn sie ihnen einfach gar nicht liegen? Manch einer zieht ein Medizinstudium durch, nur für seine Eltern, um dann viel später einen künstlerischen Beruf zu ergreifen, sich seinen eigentlichen Traum zu verwirklichen. Zwingt man sich, etwas zu 'können', was man eigentlich gar nicht so gut kann, verschwendet man oft wertvolle Lebenszeit oder man schlägt sogar unwiderruflich den falschen Lebensweg ein.

Unser Leben ist nicht überschaubar

Unser Leben ist nicht so überschaubar, dass man diesem Spruch Recht geben könnte. Wenn ein Kind etwas absolut nicht kann, ist dies vielleicht ein Wegweiser für einen anderen Lebensweg. Kann es nicht Tennis spielen, soll es wohl etwas ganz anderes lernen - oder einfach nur in Ruhe gelassen werden. Was unser Leben so alles für uns in petto hat, können wir nicht einsehen. Wir haben aber einen Instinkt, der uns sagt, wann etwas gut für uns ist und wann nicht. Quälen wir uns mit einer Aufgabe, einem Job nur ab, so sind wir eben für etwas anderes gemacht. Natürlich sollte man aber diese Arbeit erstmal ausprobieren, bevor man vielleicht aus Unlust und Faulheit sagt: "Ich kann das nicht." Ein guter Pädagoge erkennt übrigens den Unterschied zwischen einem unmotivierten "Ich kann das nicht" und einem echten.

'Ich kann das nicht' zu sagen, ist eine große Freiheit, die man sich im Leben nicht verbieten sollte. Sonst kann jeder kommen, sei es der Chef oder der Kollege, der einem seine Arbeit aufhalsen will, oder die Freundin, die einen dauernd ausnutzt, und Dinge von einem verlangen, die einen selbst zu viel Kraft kosten. Hören wir auf unseren Instinkt (nicht zu verwechseln mit dem Ego..) wissen wir sehr genau, was wir können sollten und was nicht.

Jeder ist seines Glückes eigener Schmied

.. dies ist ein Spruch, den ich regelrecht hasse: Soll man Menschen, die von Schicksalsschlägen gebeutelt werden oder schwer kranken Kindern wirklich vor die Stirn knallen, sie wären selber an ihrem Leiden schuld? Dieser Spruch öffnet dem Egoismus Türen und Tore. Ist nämlich jeder seines Glückes eigener Schmied, muss man ja niemandem in Not mehr helfen. Der andere ist ja selbst schuld dran. Er müsste ja nur hier und da ein Rädchen drehen und schon wäre er fein raus.

Dieser Spruch ist auch deshalb so unpassend, weil er so tut, als würde jeder alleine vor sich hin leben. In einer Art Schutzblase, während die anderen weit entfernt ihr Leben lebten. In Wahrheit sind wir tagtäglich nah mit anderen Menschen zusammen. Probleme und Schwierigkeiten machen uns vor allem die anderen Menschen. Ungerechtigkeiten, Gehässigkeiten, Häme oder nerviges Verhalten, das einen in der eigenen Freiheit eingrenzt, kommen von außen. Da kann man so positiv und friedvoll, gutmütig und wohlwollend eingestellt sein, wie es nur geht... Andere Menschen können einem ordentlich den Tag vermiesen oder einem das Leben zur Hölle machen. Natürlich kommen dann hier die Verfechter des obigen Lebensmottos und meinen, das Verhalten der anderen hätte nur etwas mit dem eigenen falschen Verhalten zu tun. Und man müsste nur dieses und jenes tun, und schon wäre man glücklich. Auch hier zieht diese Argumentation gerade bei Kindern überhaupt nicht, wenn sie in der Schule gemobbt werden oder zuhause geschlagen. Sie können ihre eigene Situation nicht so einfach ändern. Und wenn sie erwachsen sind, können sie ihr Glück nicht so einfach schmieden wie andere.

Da gefällt mir der Spruch: "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn man ihn nicht lässt." viel besser.

Fazit:

Viele motivierende Sprüche und spirituelle Weisheiten, die uns so anfliegen, tun so, als ob wir Menschen Einsiedler wären. Sie sprechen uns an, als ob wir der erste und einzige Mensch auf der Welt wären. Die Aufgabe und Schwierigkeit des Lebens ist aber die Gemeinschaft mit anderen Menschen zu meistern. Die schönsten und die schrecklichsten Dinge auf der Welt passieren zwischen den Menschen. Wir bräuchten eher Sprüche und Botschaften aus dem Kosmos, wie wir besser mit schwierigen und fehlgesteuerten Mitmenschen umgehen sollen. Wie wir lernen, die eigene Schmerzgrenze wahrzunehmen und andere schon fernzuhalten, bevor sie uns ausnutzen können. Oder wie wir erwachsenes Fehlverhalten korrigieren können, statt Kindern einzureden, sie müssten alles können, was man so von ihnen verlangt.

 

Autor seit 6 Jahren
40 Seiten
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