Der nationale Vitaminbedarf

Dieser Abschnitt soll verdeutlichen, dass mit Vitaminen große Geschäfte möglich werden. Das dürfte dann auch erklären, warum nicht gerne über diese Details geredet wird. Ein Hinweis darauf ergibt sich aus dem unterschiedlichen Vitaminbedarf von Angehörigen verschiedener Nationen. So benötigt beispielsweise ein Amerikaner 90 Milligramm Vitamin C, ein Brite muss mit 30 mg auskommen, ein Italiener mit 45 mg, ein Franzose braucht 80 mg und ein Deutscher 100 mg Vitamin C.

Die unterschiedlichen Zahlen sind Folgen von Absprachen, den sog. Konsenzgesprächen. Von den Herstellern wird festgelegt, wie viele Vitamine von den Angehörigen der einzelnen Staaten konsumiert werden sollen. Der Gewinn zählt und von Wissenschaftlichkeit ist da nirgends die Rede.

Wie groß das Geschäft ist, lässt sich allerdings abschätzen, obwohl genaue Zahlen für Deutschland nicht bekanntgegeben werden. In Deutschland haben die Vitaminhersteller "Hoffmann-la Roche, BSAF, Merk, Degussa, etc. ihren Sitz. Diese Firmen stellen billig Vitamine aus Mikroorganismen her und decken 90% des Weltmarktbedarfs ab. Merk musste allein knapp 500.000 Euro Busse wegen unlauterem Wettbewerb an Nordamerika und Kanada zahlen. Bei Hoffman-La Rosche waren es etwa 2,5 Milliarden Dollar. Zwischenzeitlich ermitteln die Behörden der EU auch in Australien und Japan.

Das Cerealienfrühstück, ein gesundes Vollbad in Vitaminen?

Nicht nur Bußgelder bringen die Kassen der Vitaminhersteller ins Minus, sondern teilweise auch vollmundige aber unzutreffende Werbeversprechen. Die Rede ist hier vom Frühstück mit vitaminisierten Getreideflocken. Ein "Vollbad in Vitaminen" und Nahrungsmittel können nach volkstümlicher Auffassung nicht genug Vitamine enthalten. Ob das tatsächlich so ist, haben Lebensmittelchemiker in den Staaten untersucht.

Untersucht wurden die angeblich so gesunden Frühstücksflocken. Glücklicherweise wurden diese Versuche nicht an Menschen, sondern an Säugetieren, an jungen Ratten vorgenommen. Die Versuche mussten wegen Gefährdung der Tiere allerdings vorzeitig abgebrochen werden. Die Ratten, die ursprünglich vor Gesundheit strotzten, erkrankten ernsthaft. Sie nahmen drastisch ab und einige Tiere verstarben sogar. Sie litten an Fettleber, Anämien und Bluthochdruck. Die Hoffnung der Wissenschaftler war, dass die Frühstücksflocken den Cholesterinspiegel senken würden und ausgerechnet zwei Produkte mit niedrigem Fettspiegel erhöhten die Cholesterinwerte sogar noch weiter deutlich. Die Versuche mussten deshalb vorzeitig abgebrochen werden. Bei den Versuchstieren, die wenig Salz in ihrem Testfutter hatten, stieg wider Erwarten der Blutdruck und die Tiere, die nur wenig Eisen (Hämoglobin) im Blut hatten, lagerten das in der Leber ab. Auch sie wurden schwer krank. Die Tiere, denen nur wenig Salz gegeben wurde, hatten den niedrigsten Blutdruck. Einige der getesteten Produkte enthielten Eisen und im Gegensatz zu den Erwartungen gab es zwischen der Eisenaufnahme und den Hämoglobinwerten keinen Zusammenhang., denn es gab Tiere, die trotz der Eisenaufnahme blutarm waren und weiter existierten Exemplare, die das Eisen in der Leber einlagerten und deshalb erkrankten. Auch hier lagen somit Welten zwischen den Werbeversprechungen und den tatsächlichen Effekten. Weiter entstehen durch dieses Verhalten natürlich Zweifel am Wert der Aussagen von Ernährungsberatern. 

Amerika, Land des Säuglings-Skorbuts

Immer wieder ist die Meinung zu hören, dass unsere Nahrung kaum jemals genügend Vitamine haben kann, um Gesundheit zu erreichen. Das Gegenteil lässt sich allerdings mit einer ausgestorben geglaubten Erkrankung beweisen. In den USA kamen Säuglinge mit einem angeborenen Skorbut, einer Vitamin-C Mangelerkrankung zur Welt. Im übertriebenen Vorsorgedenken konsumierten werdende Mütter große Mengen dieses Stoffes. Das Ergebnis war, dass der kindliche Organismus das Vitamin nun als Feind ansah und es schnellstens wieder ausschied. So entstand der gravierende Vitaminmangel.

Weiter wird davon gesprochen, dass jedes Zuviel an wasserlöslichen Vitaminen vom Organismus umgehend ausgeschieden wird und dass deshalb damit keine dauerhaften Schädigungen gesetzt werden können. Dem Beispiel des Säuglingsskorbutes lässt sich aber unschwer entnehmen, dass das keinesfalls zutrifft. 

Eisenmangel in Entwicklungsländern

Afrikanische Nomadenvölker, wie beispielsweise die Massais, ernähren sich meist eisenarm, da ihr Hauptnahrungsmittel Milch extrem wenig davon enthält. Der nach europäischen Normen daraus resultierende Eisenmangel ist deshalb für diese Völker charakteristisch. Weiterhin wurde registriert, dass viele an einer Malariainfektion oder Ruhr litten. Deshalb wurden diesen Personen eisenhaltige Medikamente gegeben. Die Versuche mussten allerdings vorzeitig abgebrochen werden, da viele der Betroffenen oft an den Folgen eines erneuten Ausbruchs ihrer Erkrankung, oft mit tödlichen Folgen verstarben.

Exkursion in Sachen Eisenmangel

Der bekannteste Eisenwert dürfte der Hämoglobinwert sein. Das ist der Blutfarbstoff der roten Blutkörperchen. Die Flüssigkeit in der sich die Blutkörperchen befinden, ist das Blutserum. Auch hier existiert Eisen. Sofern die Werte für das Eisen der Blutkörperchen erniedrigt sind und der des Serumeisens ebenfalls, dann kann das auf eine Infektion des Körpers hinweisen. Das bedeutet, dass der Körper seine Eisenvorräte vor dem Zugriff von Krankheitserregern abesichert hat. Daher kann von einem Eisenmangel erst dann gsprochen werden, wenn beide Werte erniedriigt sind. 

Weiter scheinen neuere Arbeiten zu belegen, dass Infektionskrankheiten, insbesondere parasitäre Erkrankungen wie Malaria, Ruhr und Dengue mit einem erhöhten Bedarf an Vitaminen einhergehen. Es scheint so, als würden diese Erreger Vitamine zu ihrer Vermehrung benötigen. Ein Verdacht, der teilweise auch auf grippale Infekte zutreffen kann und eventuell darauf hinweist, dass das "Vollbäder in Vitaminen" sich kontraproduktiv auswirken kann.

 

Dieser Text basiert u.a. auf Texten von Udo Pollmer, Ernährungschemiker

Klaus_Radloff, am 22.12.2013
6 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Autor seit 7 Jahren
89 Seiten
Laden ...
Fehler!