Was in der Öffentlichkeit nämlich ganz gerne unter den Tisch fällt,  ist die Unzufriedenheit einiger Bürger über die Bürokratie und dem Kampf gegen politische Windmühlen.

 

Man hat das Gefühl, hier dürfe kein Leben in die Ortschaft kommen, alles soll so bleiben, wie es ist. Ab und zu wird mal eine Straße geflickt (wenn die Löcher groß genug sind, aber immer schön langsam), ein privates Wohnhaus gebaut und einmal im Jahr gibt es einen großen Flohmarkt.

 

Im Ort selbst gibt es eine alte Edeka, einen kleinen Getränkemarkt, einen schönen Teehandel, zum Glück endlich einen Arzt und - das war´s so ziemlich. Die letzten Jahre hat sich kaum mehr etwas bewegt - wozu auch? Solange der Sportverein, Trachtenverein, mehrere Gaststätten und der Stammtisch da sind... - damit sollen alle zufrieden sein.

 

Brauch ma ned

Natürlich darf sich in Schechen etwas verändern, auch neue Projekte sind erwünscht - sofern es von der Gemeinde selbst ausgeht. Sobald Bewohner, Gewerbetreibende und Häuslbesitzer ihre Ideen umsetzen möchten, rennen sie oft gegen eine Wand aus Bürokratie, Sturheit und Engstirnigkeit an. Nicht immer, aber auffallend oft.

 

Ein paar Beispiele:

 

Private Obstbrennerei in Marienberg: Zwei Brüder möchten auf ihrem Grundstück mit einer Streuobstwiese gerne eine Garage errichten um dort das Obst (oder einen Teil davon) zu Schnaps zu verarbeiten.

 

Für mich wirkt das ungefähr so: "Selbstgebrannter aus eigenem biologischem Anbau, heimische Wirtschaft".

 

Für die Gemeinderäte und einige Konservative: "Da wären wohl kaum hohe Gewerbesteuereinnahmen zu erwarten, warum sollte man jedes Hobby genehmigen? Außerdem liegt kein Bebauungsplan vor".

 

Und das bringt es in etwa auf den Punkt: Hier zählt nur, wer ordentlich Geld mitbringt. Die Bürger dürfen brav Gewerbesteuern abdrücken, aber kleinere Projekte und Ideen "brauch ma ned". (Übersetzung: Wollen wir hier nicht)

 

... (Bild: pixabay.com)

Großer Discounter am Ortseingang Schechen: Die Hoffnung, gleich hier im Ort einen günstigen Supermarkt mit großem Sortiment zu bekommen, dürfen wir wohl für immer begraben. Schon vor einigen Jahren gab es Pläne des Grundstücksbesitzers, dort einen großen Supermarkt zu errichten. Damit wäre allen geholfen: Die Anwohner müssten nicht erst in die nächste Ortschaft fahren, um günstig einzukaufen, sondern könnten sogar zu Fuß gehen.

 

Die Lage direkt an der Bundesstraße wäre ideal: Viele Kunden von außerhalb, die sich vielleicht sogar zu den kleineren Geschäften im Ort verlaufen. Aber trotz der Aussicht auf die hohen Steuereinnahmen, Arbeitsplätze und mehr Komfort für die Bürger - abgelehnt. Schließlich würde dieser Discounter genau gegenüber der örtlichen Edeka entstehen (was in jeder anderen Gegend/Ortschaft absolut normal ist, hier denkt man noch nicht so fortschrittlich). Dass sich die vielen Neukunden durch die Bundesstraße auch zur alten Edeka verlaufen würden, kann sich wohl keiner vorstellen. Projekt Supermarkt: Brauch ma ned.

 

Tankstelle mit großer Waschanlage: Brauch ma ned, wollen wir ned.

Hundepension in Hochstätt:

Eine Anwohnerin möchte gerne eine Hundepension eröffnen, in der gleichzeitig Tiere mit Verhaltensstörungen therapiert werden sollen. Hier ist die Haltung nicht ganz so ablehnend, die Dame darf also ein klein wenig hoffen, ihre Idee zu verwirklichen.

... (Bild: pixabay.com)

Dagegen plant die Gemeinde Schechen selbst ihre eigenen Projekte:

 

Ein großes Altenheim in der Blumenstraße:

Dieses Vorhaben - für das hauptsächlich das Gemeindeoberhaupt eintritt - schläft momentan einen seligen Schlaf, da sich keine Betreiber für ein Altenheim finden lassen. Bei ca. 4.597 Einwohnern, die meisten davon Eigenheimbesitzer, will sich der Bedarf für ein derart großes Senioren- und Pflegeheim nicht so recht einstellen. Das Grundstück dafür (direkt an der Bahnlinie in einer Seitenstraße) wurde schon vor Jahren von der Gemeinde erworben - momentan sieht es allerdings nicht danach aus, als würde irgendetwas damit geschehen. Es ist halt da, alle paar Monate wird der Rasen gemäht.

 

Grundstückskäufe:

In der Rosenheimerstraße wurde von Steuergeldern ein großes Grundstück gekauft, um darauf - ja was denn eigentlich? - zu errichten. Es hieß, was damit geschehen soll, ist noch unklar, aber der Ortskern soll dadurch belebt werden. Also erst mal ein Grundstück mit ca. 3.500 Quadratmetern kaufen, ohne konkrete Vorstellungen, was damit passieren soll.

 

Zweites (abgelegenes) Gewerbegebiet:

Viele Projekte schlummern gemütlich vor sich hin und verstauben in der Planungskiste. Demnächst soll bei Lochberg, gleich an der Ortsgrenze zu Großkarolinenfeld ein zweites Gewerbegebiet entstehen. Die Lage ist schon mal mehr als fraglich: Wer außer den Anwohnern soll das überhaupt finden? Es ist halt so schön praktisch, weil man sich dann gleich an den Kanal der Nachbargemeinde und deren kleines Gewerbegebiet anschließen kann. Falls sich nicht zufällig ein Auswärtiger dorthin verfährt (im wahrsten Sinne des Wortes), dürfte das ein großes Geldvakuum werden. (Das ist natürlich nur meine persönliche Einschätzung)

 

 

Mit meiner Ansicht stehe ich nicht ganz alleine da, aber diejenigen, die etwas durchsetzen und verändern wollen, haben alleine oft keine Chance. Aus diesem Grund wurde vor Kurzem eine Facebook-Gruppe und Seite gegründet, dort steht es jedem frei, sich mal Luft zu machen oder neue Ideen vorzustellen. Einfach mal reinschauen => Gruppe Schechen Innovativ

Was Schechen wirklich bräuchte:

 

- Apotheke, Tankstelle, Discounter

 

- Kunst, Kultur, Freizeitangebote für Menschen unter 80 (außer dem Sportverein und dem Frauenbund)

 

- Mehr Unterstützung und Offenheit für die Ideen und Projekte der Bürger und kleinerer Unternehmer. Nicht jeder kann gleich groß anfangen und sofort die Gemeindekassen klingeln lassen.

 

- Mehr Zusammenhalt und weniger Sturheit - bei den Anwohnern und der Gemeindeverwaltung.

 

- Was ich mir selbst noch wünschen würde: Ein paar kleine Geschäfte im Ortskern, ähnlich wie in Bad Aibling oder Wasserburg.

 

- Ein Ortszentrum, in dem man sich gerne aufhält und etwas mehr Veranstaltungen ohne die übliche Bierbank-Atmosphäre.

 

- Zum Vergleich: Rott am Inn hat ca. 3.677 Einwohner, zwei Apotheken, zwei Supermärkte, Bekleidungsgeschäfte, Eiscafes, Bauernmarkt, div. Veranstaltungen  und so weiter. 

 

- Etwas mehr Weitsicht und Toleranz für Individualität.

 

 

 

Quellen: Gemeindeblatt Schechen, OVB, Gespräche mit einigen Anwohnern und persönliche Ansichten. Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit.

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