Auch er war für Berliner Restaurants vorgesehen
Hauskaninchen/Zwergkaninchen Mix

Hauskaninchen/Zwergkaninchen Mix (Bild: privat)

Der Weg vom Nutztier zum Haustier

Viele Jahre war das Kaninchen das Nutztier des kleinen Mannes. Sie lebten im Garten in sogenannten Buchten, das heißt, jedes Tier hatte seinen eigenen Stall, in dem es sich kaum bewegen konnte. Die Kaninchen dienten als Fleisch- und Felllieferant für die Familie.

Ungefähr ab Mitte des letzten Jahrhunderts zogen immer mehr Kaninchen in die Wohnungen, vorzugsweise in die Kinderzimmer, oder auch in geräumige Außengehege.

Sie wurden also vom Nutztier zum Haustier!

Als Haustiere sollten sie niedlich aussehen und Freude machen. Deshalb begann man Tiere zu züchten, deren Köpfe unnatürlich rund waren. Das wiederum hatte aber auch zur Folge, dass die Zähne nicht mehr gut abgenutzt wurden. Zahnerkrankungen waren häufig die Folge und die Zähne mussten regelmäßig von einem Tierarzt gekürzt werden.

Auch heute noch setzen viele Kaninchenzüchter auf das "Babyschema" und im Moment sind besonders plüschige Kaninchen beliebt, wie Löwenkopfkaninchen und Teddykaninchen, gerne auch in Kombination als Teddylöwchen, die sind dann meist kleiner als Löwenköpfchen. Wobei man sagen muss, dass diese Kaninchen alles Mischlinge sind und keine Rasse. Der runde Kopf ist natürlich geblieben.

Leider macht das plüschige und dichte Fell im Sommer oft Probleme und es kann schnell zu einer Überhitzung kommen, die in besonders schlimmen Fällen auch tödlich enden kann.

Durch Inzucht leidet auch das Immunsystem dieser Kaninchen und sie werden anfälliger für Krankheiten aller Art. Möglicherweise gibt es deshalb auch so viele e.c. Kaninchen.  

Größere Mischlinge sind meistens weniger krankheitsanfällig

Aus diesem Grund gibt es immer mehr Kaninchenfans, die größere Kaninchen halten. Häufig sind das ehemalige Schlachtkaninchen. Gerne werden auch Mischlinge zwischen Hauskaninchen/Schlachtkaninchen und Zwergkaninchen im Zoofachhandel verkauft. Davon erwarten sich die Händler mehr Gewinn durch größere Würfe.

Größere Kaninchen werden bei artgerechter Fütterung, meistens nicht so groß und schwer, da sie nicht mit stärkehaltigem Futter gemästet werden und in kleinen Buchten ohne Bewegungsmöglichkeiten leben müssen. Wildkaninchen in Mitteleuropa werden auch größer als die in Spanien, wo das Futterangebot aufgrund des wärmeren Klimas knapper ist.

Das Kaninchen  ganz oben auf dem Foto wiegt ca. 2,8 kg und sein Bruder auf dem Foto unten wiegt ca. 2,9 kg. Beide haben die gleichen Eltern. Ihre Mutter ist ein ca. 8 kg schweres Hauskaninchen, vermutlich ein Mischling, die zum Schlachten gehalten wurde und der Vater ist ein ca. 1,5 kg leichtes Zwergkaninchen, ein plüschiger Ausreißer.

Das wildfarbende Kaninchen ( vor dem Wäscheständer) sollte auch geschlachtet werden und als Sonntagsbraten enden. Seine Mutter ist ein Deutscher Riesen Mix und wiegt ca. 8 kg. Sein Vater ist ein reinrassiger Blauer Wiener, dessen Schlachtgewicht wohl bei 6-7 kg lag. Er ist mittlerweile ausgewachsen und wiegt 4,3 kg. Allerdings ist er schon sehr groß und auch schlank, aber nicht abgemagert.

Alle diese Kaninchen fressen sehr viel gutes Heu und Zweige als Hauptnahrungsquelle. Ansonsten bekommen sie frisches Gemüse, Blätter und Blüten (frisch oder getrocknet) und manchmal auch etwas Obst wie Apfel, Erdbeere und Banane. Ungefähr zwei Mal die Woche fressen sie auch eine kleinere Menge Sonnenblumenkerne und gut verträgliche Getreidesorten, wie Hirse.  

Die Haltung größerer Kaninchen

Zur einer artgerechten Kaninchenhaltung gehört, dass pro Nase immer mindestens 2qm zur freien Verfügung stehen sollte. Außerdem sollten die Kaninchen regelmäßig freien Auslauf in der Wohnung bekommen dürfen. Der Auslauf darf aber niemals ohne Aufsicht erfolgen, denn große Kaninchen können teilweise sehr hoch springen. Einige Exemplare schaffen es aus dem Stand zwei Meter hoch zu springen. Wichtig ist natürlich auch, dass man das beim Gehegebau bedenkt. Wer nicht selber bauen möchte, sollte sich Gehegegitterelemente für Welpen und Hunde besorgen, denn die sind deutlich höher.(Siehe unter dem Text!)

Da Kaninchen nicht gerne alleine leben, gehört zur artgerechten Haltung auch noch ein Partnertier.

Gerne können es auch noch ein paar mehr Tiere sein, da Wildkaninchen auch in großen Gruppen leben. Ab vier Tieren sind sie meist aber nicht mehr sehr stubenrein und das Gehege muss öfters gereinigt werden. 

Sehr oft wird gesagt, dass ein gegengeschlechtliches Pärchen in etwa gleich alt, am besten harmoniert. Ich kann das aus eigener Erfahrung nicht bestätigen und würde sagen, dass wenn die Chemie stimmt, auch kastrierte Rammler gut miteinander auskommen und das Alter halte ich für absolut nebensächlich. Es sei denn ein Kaninchen ist schon sehr alt.

 

 

Der Charakter

Größere Kaninchen sind meist deutlich weniger Stress empfindlich, als die Zwergkaninchen. Was natürlich nicht heißt, dass sie Kuscheltiere sind. Kein Kaninchen ist ein Kuscheltier! Aber sie lassen sich meist von sich aus lieber Streicheln. Deshalb empfehle ich auch eher größere ruhige Kaninchen, wenn Kinder mit im Haushalt leben.

Ich jedenfalls habe große Kaninchen in den letzten drei Jahren lieben gelernt und würde mir immer wieder Schlachtkaninchen holen!

Autor seit 4 Jahren
109 Seiten
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