Den Glauben weitergeben, damit Gott im Gespräch bleibt

"Den Glauben weitergeben, damit Gott im Gespräch bleibt". Dies war der Leitsatz, den Pfarrer Wendelin Lieb sein Leben lang begleitete. Am 5. März 1961 wurde der Geistliche, der seinen Ruhestand in Schmachtenberg im Spessart verbrachte, von Bischof Josef Stangl in Würzburg zum Priester geweiht. Aber sein Ruhestand ist eher ein "Unruhestand", denn der knapp 77-Jährige war vier Jahre lang aktiv in das Gemeindeleben der Pfarreiengemeinschaft St. Wendelinus eingebunden, zu der die katholischen Gläubigen von Mönchberg, Röllbach und Schmachtenberg gehören. Er hatte seine Berufung zum Beruf gemacht und war Seelsorger sein Leben lang.

Im Dienst der katholischen Kirche

Seelsorger ein Leben lang: Pfarrer Wendelin Lieb (Mitte) beim Festgottesdienst zum goldenen Priesterjubiläum

52 Jahre lang war der gebürtige Pflaumheimer (Landkreis Aschaffenburg) Pfarrer. Am 12. Oktober 1936 wurde er als jüngstes von sechs Kindern geboren. Am 13. März 2011 feierte er sein goldenes Priesterjubiläum mit einem eindrucksvollen Festgottesdienst in der schmucken Pfarrkirche in Schmachtenberg. Ein alter Freund und Weggefährte, Pater Gregory Naduviledam aus Indien, hielt die Festpredigt und fasste zusammen: "Du heißt nicht nur so, sondern du bist auch lieb". Bereits eine Woche zuvor war zu Wendelin Liebs Ehren ein Gottesdienst in seinem Geburtsort ausgerichtet worden.

Bereits im Alter von 10 Jahren wurde Wendelin Lieb im Kilianeum in Miltenberg aufgenommenund studierte anschließend in Würzburg, wo er dann auch zum Priester geweiht wurde. Die Primizfeier fand eine Woche später, am 12. März 1961, in seinem Heimatort Pflaumheim statt. Zunächst war Wendelin Lieb als Kaplan in Schondra, Marktbreit, Kitzingen und Ebern tätig, bis er am 16. Mai 1966 nach Mainberg kam, wo er als Kuratus eingesetzt war. Die Pfarrstelle in Mainberg und Forst übernahm er 1968. Seine längste Zeit als Pfarrer verbrachte er in Obernburg. Dort wirkte er von Februar 1975 bis Mai 2000.

Nach dem Tod des örtlichen Pfarrers hatte er 1997 auch die Betreuung der katholischen Gemeinde im Stadtteil Eisenbach übernommen. Im Dekanat Obernburg wirkte er zehn Jahre lang als Dekan bis zu seinem Wechsel nach Stammheim. Dort war er Pfarrer für die Kerngemeinde sowie für die Gläubigen aus Lindach, Heidenfeld und Hirschfeld. Eine enge Verbindung besteht seit vielen Jahren zur katholischen Kirche in Indien, dort, wo Pfarrer Gregory Naduviledam tätig ist. 11 Mal reiste Wendelin Lieb nach Indien und sammelte Spenden für die caritative Arbeit dort.

Die eigene Schwester als Pfarr-Haushälterin - Diskussionspartnerin und Perle des Hauses

47 Jahre lang stand Emilie Lieb ihrem Bruder zur Seite, nicht allein als Haushälterin, sondern auch als Diskussionspartnerin und bei den kirchlichen Aufgaben. Wendelin Lieb ist mit Leib und Seele Pfarrer. Aber es gab auch noch ein Leben neben dem Amt. Der Geistliche war ein rechter Pferdenarr und ritt sehr gerne, wenn seine Pflichten ihm Zeit dazu ließen. Die waren im Jahr seines Priesterjubiläums 2011 nicht zu knapp, denn Ortspfarrer und Dekan Franz Leipold war über längere Zeit erkrankt, und Wendelin Lieb musste dessen Aufgaben in den drei Gemeinden übernehmen.

"Es ist nicht möglich, es allen Leuten recht zu machen", erklärte Wendelin Lieb zur Rolle des Pfarrers und zur Situation der katholischen Kirche. Für den Pfarrer vor Ort sei es wichtig zu spüren, dass er von den Menschen angenommen ist. "Es ist ein langer Prozess, den die Kirche durchlaufen muss", war sein Kommentar, wie sich die Amtskirche den Aufgaben der Zukunft stellen wird. Priester zu sein, sei ein "Freizeitdienstleistungsberuf", sagte er und meinte damit, dann zu arbeiten, wenn andere Freizeit haben: an den Abenden, an Wochenenden und immer dann, wenn Seelsorge erforderlich ist. "Aber ich würde immer wieder Pfarrer werden wollen", bekräftigte er. Er hat seine Profession bis zum Tod erfüllt. Er starb während der Exerzitien, an denen er in Werdenfels teilnahm. 

Krimifreundin, am 01.04.2011
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Bildquelle:
http://www.amazon.de/gp/product/3451284847/ref=olp_produc... (Buchtipp: Walter Fürst/Jürgen Werbick (Hg.), Katholische Glaubensfibel)

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