Selbstgespräche finden nicht nur im stillen Kämmerlein statt

Manch einer belächelt andere Menschen, wenn er sie bei ihren Selbstgesprächen ertappt. Dennoch besteht dazu kein Anlass, denn: Mit sich selber reden - das tut jeder hin und wieder einmal. Dass dies normalerweise niemand mitbekommt, liegt daran, dass die meisten Menschen nur mit sich selber sprechen, wenn sie alleine sind. Meistens, aber eben nicht immer. Oftmals sind Selbstgespräche schon so zur Gewohnheit geworden, dass sie gar nicht bewusst geführt werden und dann eben auch vor Publikum stattfinden können.

Psychologischer Nutzen von Selbstgesprächen

Aus Sicht der Psychologie sind Selbstgespräche ein ganz normaler Vorgang. Sie helfen bei der Bewältigung der unterschiedlichsten Gefühle, so zum Beispiel Trauer, Verzweiflung und Wut. Auch für positive Gefühle wie Freude oder Vergnügen stellen sie ein Ventil dar.

Selbstgespräche bei Kindern

Ab dem Alter von etwa zwei Jahren beginnen Kinder, mit sich selber zu reden. Im Vorschulalter weitet sich das aus, indem sie häufig beim Ins-Bett-Gehen die Ereignisse des vergangenen Tages reflektieren und somit die Geschehnisse aufarbeiten. Durch die konzentrierte Wiedergabe des Tagesablaufs werden Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit und Konzentrationsvermögen gesteigert.

Hilfestellung bei Problemen und Problemlösungen

In einer Studie der Psychologen Louis Manfra und Adam Winsler wurde eine Gruppe Kinder aufgefordert, bei der Lösung der ihnen gestellten Rätsel mit sich selber zu sprechen, einer zweiten Gruppe wurde dies untersagt. Das Ergebnis war, dass die Kinder, die Selbstgespräche führten, bei die Rätsel schneller und besser lösten als die Kinder, die das schweigend taten. Auch sind sie in ihrer sprachlichen Entwicklung weiter als Gleichaltrige, die nie mit sich selber sprechen.

Selbstgespräche als Quelle der Motivation und Inspiration

In der Forschung ist es schon länger bekannt: Floskeln, mit denen man sich selber anspornt, führen dazu, dass man seine Ziele leichter und schneller erreicht. Motivationstrainer nutzen dieses Phänomen, um ihre Klienten zu Höchstleistungen zu trimmen. Durch ständige Wiederholung von Affirmationen soll der Gedanke "du schaffst das" fest im Bewusstsein verankert werden und dann quasi die Grundlage einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung bilden.

In einer neuen Studie hingegen, setzt man nicht nur auf das Selbstgespräch in Form von Suggestionen, sondern zusätzlich auf das fragende Selbstgespräch. Hier redet sich der Proband nicht ein "ich schaffe das", sondern er fragt sich selber "schaffe ich das?". Im Test wurde dann die Motivation überprüft, inwieweit ein geplantes Unterfangen auch von den Probanden dann in die Tat umgesetzt wurde. Die Teilnehmergruppe, die sich Fragen gestellt hatte, schnitt besser ab als die Gruppe, die sich selber lediglich angefeuert hatte.

In einer Frage macht sich der Betroffene eher klar, warum er sein Ziel erreichen will. Und wer den Überblick über seine persönlichen Gründe hat, gewinnt bei der Umsetzung.

Sophie1975, am 09.12.2011
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