Im Volksglauben hat der Sellerie zwei Wirkungen: Er soll Ängste vertreiben und auch sexuell anregend wirken – wobei beides wohl nicht selten Hand in Hand geht. Jedenfalls hat schon besagter Paracelsus, genauer Philippus Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493 – 1541), geschrieben: "Wen die Angst aufzufressen beginnt, und wer nicht Herr darüber wird, der esse an jedem zweiten Tag einen Stengel Sellerie". Dieser Ratschlag wird von der Medizin heute erklärt durch eine erhöhte Wasser austreibende Wirkung der Knolle, wodurch auch Säuren aus dem Körper ausgeschieden werden, welche wiederum die Ursache für Depressionen und Nervenstörungen sein können. Denn die ätherischen Öle der Sellerieknolle erweitern die Nieren, führen zu erhöhter Wasserabgabe und scheiden auch gleich giftige Stoffwechselprodukte mit aus. Außerdem wirkt der Selleriesaft und -absud äußerst haarkräftigend und wachstumsfördernd. Wahrscheinlich sind hierfür die hormonartigen Stoffe verantwortlich, die in der Sellerieknolle enthalten sind.

 

Sellerie "vertreibt die schlechten Winde"

Selleriesaft – er fehlte nie in Omas Rezeptküche. Zur kalten und trüben Jahreszeit, "wenn die Nebel über unserem Gemüt liegen", war und ist er als Muntermacher genau das richtige Gemüse. In alten Koch- und Naturheilbüchern heißt es somit: "er regt die danieder liegenden Lebensgeister an, vertreibt die schlechten Winde, stärkt und unterstützt die Heilung von Magenschwäche, hilft den Nieren bei ihrer Arbeit" – und soll schließlich auch beim Ausbleiben der Regel schon geholfen haben.

Dreimal täglich ein halber Becher Saft

Es gibt allerdings ein Hindernis: Selleriesaft schmeckt nicht besonders gut. Jedenfalls löst er bei vielen Menschen Widerwillen aus. Aber er ist gut mit anderen Gemüsesäften zu mischen und dann durchaus zu genießen. Eine Kur von dreimal täglich einem halben Becher soll sogar rheumatische Beschwerden und die Beschwerden der Gicht lindern. Last but not least: Frische Wunden können mit frisch gepresstem Selleriesaft ausgewaschen werden. Man muss sich manchmal nur ein bisschen überwinden.

Das schlichte Rezept für den Selleriesalat

Für das nordhessische Fritzchen, das eher wie ein alter Fritz daherkommt, ist dagegen der schlichte Selleriesalat wohl richtig: Zwei kleine Sellerie-Knollen, Salzwasser, ein Schuss Zitronensaft, ein Esslöffel Essig, zwei Esslöffel Öl, eine Zwiebel, Salz, Pfeffer. Man koche den geputzten Sellerie (genau wie Selleriegemüse) in etwas gesäuertem Salzwasser gar, gebe eine geriebene Zwiebel daran (in Italien auch eine geriebene Knoblauchzehe), Pfeffer, einen Esslöffel Essig und gut zwei Esslöffel Öl. – Schmeckt warm und kalt gleichermaßen gut.

Und dazu der Hinweis angesichts neuer Trends: Mit Sellerie läuft sich eine Reihe recht schmackhafter Gerichte für Veganer kochen. Man muss nur ein bisschen Fantasie walten lassen… beispielsweise in der Kombination mit Linsen oder anderen Hülsenfrüchten.

 

 

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