Schalke gegen Milan (2012)

Vor allem organisatorisch soll sich etwas ändern. Der Polizei wird beispielsweise erlaubt ihre Videokontrollen zu verschärfen. Somit können "Täter" im Nachhinein noch schneller identifiziert werden. Wo liegt also das Problem? Natürlich klingt Überwachung erst einmal nach Big Brother, aber Zuschauer, die nichts zu befürchten haben bekommen davon ohnehin nichts mit. Dass Ordnungsdienste geschult werden sollen ist ein eigentlich längst notwendiger Schritt, der hier und da auch schon praktiziert wird. Ein negativer Aspekt lässt sich auch hier nicht erkennen, denn es dient einwandfrei der Sicherheit den Ordnungsdienst zu schulen.

 

Der Sicherheitsbeauftragte bekommt klarere Strukturen in seinem Aufgabengebiet und ist verantwortlich für einen Spielreportbogen. Auch die Funktionen von Veranstaltungsleitern und Fanbeauftragten sollen konkretisiert werden. In diesen Punkten richtet sich das Sichterheitspapier in keinster Weise gegen Fans. Es kann nur im Sinne des allgemeinen Zuschauers sein, dass alle Beteiligten ihren Jobs gründlich und gewissenhaft nachgehen. Bei Antrag 7 musste ich schmunzeln, denn das der Veranstaltungsleiter am Tag der Veranstaltung verpflichtend anwesend zu sein hat, hatte ich irgendwie vorrausgesetzt.

Der Unsinn mit dem Risikospiel

Mehr Raum für Interpretationen lassen dagegen die sogenannten "Risikospiele". Ein Verein kann als Gastgeber festlegen, welche Partien er mit Risiko einstuft. Derbys wie Dortmund gegen Schalke könnten davon ebenso betroffen sein, wie Teams mit rivalisierenden Fangruppen. Wird ein Spiel also als Risikopartie eingestuft, kann bei den Gästefans das Ticketkontingent reduziert werden. Diese Lösung ist nicht ganz glücklich. Zwar muss der Heimverein detailliert festlegen, warum eine Partie als Risikospiel eingestuft wird, doch die undeutlichen Formulierungen lassen Platz zur Willkür. Bayern München stufte die Partie gegen Frankfurt zum Beispiel so ein, obwohl sich die Fans beider Lager nie miteinander stritten. Zwar haben die Frankfurter einen gewissen Ruf weg, aber so könnte es dazu kommen, dass eben die Vereine mit größeren Fan-Problemen immer weniger Gästefans mitbringen dürfen. Im Normalfall bleibt es aber in Sachen Gäste-Tickets bei den zehn Prozent der Stadion-Kapazität.

Alles halb so wild

 

Nach insgesamt 16 Anträgen bleibt festzuhalten: Das war's schon. Mit Ausnahme der unglücklichen Risikospiel-Regelung befasst sich das Sicherheitspapier hauptsächlich mit verbesserter Struktur und Organisation. Warum fühlt sich der "Fan" so attackiert? Und: Wird er überhaupt attackiert? Vereine haben mehr Möglichkeiten und Rechte, sich von den wenigen auffälligen Randalierern nicht länger auf der Nase herumtanzen zu lassen. Nachteile für die harmlose Mehrheit bestehen überhaupt nicht. Selbst ein Euro mehr für ein Ticket wäre zwecks Sicherheit nachvollziehbar, da es in anderen Großveranstaltungen schon längst im Preis inbegriffen und auch teurer ist. Verein, Polizei und Steuerzahler sind die, die es erwischt, wenn es zu Gewalt oder anderen Eskalationen kommt. Warum ist es also falsch, ihnen mehr Rechte zuzusichern?


Vorsicht vor dem wahren Feind des Fußballs

Der Fußball wird nicht zerstört und der Fan auch nicht übergangen. Gerade das wurde zuletzt in den Medien aber so kommuniziert. Zumindest wurde so berichtet, dass die wenigen Hobby-Randalierer die Masse für ihre Zwecke instrumentalisieren konnten. Plötzlich sind Staat und Verband der Feind. Leicht gemacht und ein gefundenes Fressen für die aggressiven Minderheiten, sich so mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Dieses ganze Bruderschafts- und Gemeinschafts-Gequatsche, was sich auch die poltisch-rechte Szene gerne mal zu Nutzen macht, hat mit Sport nichts zu tun. Wie oft habe ich in Foren schon den Begriff "sich für den eigenen Verein gerademachen" gelesen. So etwas verlangt kein Verein. Mit ein bisschen Verstand können Fan- von Schmähgesängen ebenso getrennt werden, wie Plakate von Pyrotechnik.

 

Viele fallen aber auf diese Stimmungsmacher rein und feinden zusammen mit den wirklichen Tätern die einzigen Instanzen an, die für einen lupenreinen Ablauf eines Spiels verantworltich sind. Dazu zählen auch die 12:12-Initiatoren. Natürlich wurde nach zwölf Schweigeminuten im Stadion klar, dass das Stadion durch Gesänge und Gebrüll lebt. Aber das geht auch anders. Ohne Pyro, ohne Beleidigungen oder andere Faktoren, die die Stimmung zum überkochen bringen könnten.

Ein guter Fan braucht keine Pyrotechnik

 

Bengalos können eine Temperatur von bis zu 2500°C erreichen. Warum einige nicht einsehen wollen, dass das gefährlich ist bleibt schleierhaft. Und bevor wieder dieses eine Argument auftaucht: Ja, bislang habe ich mich sicher gefühlt in deutschen Stadien. Bei dieser Frage keimt in mir immer der Gedanke auf, dass wieder erst mehr passieren muss, damit es alle verstehen. Gerade lese ich wieder einen Kommentar: "Selbst wenn's mal knallt, wir sind hier beim Fußball und nicht beim Ballett." Ich denke, dass so etwas nicht kommentiert werden muss, gebe aber trotzdem gerne zu Protokoll, dass ich selbst beim Boxen oder Wrestling noch nie Pyromanen außerhalb der Show gesehen habe.

 

Einen Nacktscan wird es so nicht geben, Ganzkörperkontrollen sind weder machbar, noch angedacht. Und die Stimmung war schon vor den Feuerwerken super im Stadion. Ein echter Fan hat das Talent sich zu benehmen und trotzdem Stimmung in der Kurve zu machen. Er muss nichts ins Stadion schmuggeln, keinen Streit anzetteln. Er ist laut, mit dem Herz bei der Sache und mit Leib und Seele dafür, dass sein Verein nicht nur gut abschneidet, sondern auch ein Vorbild in der Liga und ein gerngesehener Anlaufpunkt für neutral-interessierte Zuschauer ist.

Preußen Münster gegen Werder Bremen (2012)

Autor seit 4 Jahren
41 Seiten
Laden ...
Fehler!