Die Sporen der Bauchpilze erscheinen als Rauch

Alle Pilze vermehren sich über Sporen. Die für uns über der Erde sichtbaren Teile der Pilze sind deren Fruchtkörper, die Träger der Sporen. Bei Bauchpilzen bilden sich diese im Inneren Ihrer Fruchtkörper. Sie werden bei der Reife nicht aktiv ausgeschleudert, sondern verbreiten sich entweder durch Wind, wenn sich der Pilzkörper über der Erde öffnet oder sie gelangen hinaus, wenn dieser zerstört wird. Vielleicht sind Sie schon einmal auf einen kleinen runden Pilz getreten, aus dem dann eine Staubwolke austrat? Das war dann ein Bauchpilz, vermutlich ein Stäubling. Die winzigen Sporen, fein wie Staub, bilden eine sichtbare Wolke. Der Pilz raucht. Zu den Bauchpilzen gehören verschiedene Familien. Die bekanntesten sind die Hartboviste, die Weichboviste, welche auch als Stäublinge bezeichnet werden, die Phallaceae und die Erdsterne.
Nicht alle diese Pilze werden heute so verteufelt wie früher. Einige sind in der Jugend essbar und sogar schmackhaft, andere wiederum ungenießbar oder giftig. 

Aus einem Hexenei wird eine Stinkmorchel

In die Familie der Phallaceae gehört die Gemeine Stinkmorchel (Phallus impudicus). Der junge Fruchtkörper einer Stinkmorchel sieht zunächst aus wie ein Bovist, also rund wie ein Ei. Dieses so genannte Hexenei platzt später auf und nimmt die Form einer Scheide an, aus der dann der Stiel herauswächst. Der zerbrechliche, weiße, etwa 10 bis 20 Zentimeter hohe Stiel endet oben mit einer glocken- oder fingerhutartigen Kappe. Die Hutoberfläche trägt in der Jugend eine schleimige, olivfarbene und vor allem widerlich stinkende Sporenschicht. Erst wenn diese abtropft oder von Insekten entfernt wird, zeigt sich der Hut wabenförmig und cremefarben. Die Stinkmorchel wächst von Juni bis November in Laub- und Nadelwäldern. Sie ist schwach giftig. In früheren Zeiten konnten sich die Menschen solch seltsame Erscheinungen nicht erklären. Schnell war die Verbindung zum Teufel hergestellt.

Phallus imudicus - Stinkmorchel

Stinkmorchel (Bild: Danke an Wikipedia - Autor Ak ccm)

Kartoffelboviste als gefälschte Trüffel?

Der Kartoffelbovist (Scleroderma citrinum), auch Gemeiner oder Dickschaliger Kartoffelbovist genannt, gehört zu den Hartbovisten (Scleroderma). Er hat außen eine leicht schuppige, creme- oder hellbraun gefärbte Oberfläche. Seine knollenförmigen Fruchtkörper erinnern tatsächlich an eine Kartoffel und tragen ihren Namen zu Recht. Junge Kartoffelboviste sind sehr fest. Der Pilz erreicht einen Durchmesser von vier bis acht Zentimeter. Das innen anfangs weiße Fruchtfleisch färbt sich später schiefergrau und wird am Ende tief schwarz. Der Pilz soll sehr aromatisch sein, ist aber giftig. In geringen Mengen wurden Kartoffelboviste als Würzpilz verwendet. Auch als Verfälschung in getrockneten Trüffeln wurde er nachgewiesen, für Liebhaber der teuren Gaumenfreude eine traurige Tatsache. Der Verzehr von Kartoffelbofisten führt zu Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall bis hin zu Schwindel, Kollaps und Bewußtlosigkeit. Das zuletzt schwarze, anfangs noch feuchte Fruchtfleisch verströmt einen unangenehmen Geruch und verwandelt sich mit zunehmendem Alter in einen graugrünen oder auch mohngrauen Sporenstaub. Diese Verwandlung macht sie zu interessanten und früher sicher auch zu angsteinflößenden Objekten. 

Kartoffelboviste bevorzugen trockene, nährstoffreiche Standorte. Man findet sie in kleinen Gruppen von Juni bis Oktober in Laub- und Mischwäldern. 

Ein Gigant unter den Weichbovisten

Die Familie der Weichboviste heißt im Volksmund Stäublinge oder einfach Boviste. Hierher gehören der Flaschen-Stäubling (Lycoperdon perlatum), der Beutel-Stäubling (Catvatia excipuliformis) und der Getäfelte Steubling (Calvatia utriformis), die alle drei als essbar gelten, so lange ihr Fruchtfleisch weiß ist. Es färbt sich später je nach Art gelboliv, gelbgrün oder bräunlich und zerfällt genau wie beim Kartoffelbovist in feinen Sporenstaub. Stäublinge sind recht häufige Arten. Sie wachsen in Wäldern aber auch im Gras, also auf Weiden und Wiesen. Die sichere Unterscheidung von Bovist-Arten ist etwas für Pilzkenner. Daher rät die Deutsche Gesellschaft für Mykologie DGfM unsicheren Pilzsammlern, Boviste lieber stehen zu lassen oder sie vor dem Verzehr einem Pilzkenner zu zeigen.

Der bekannteste Vertreter der Weichboviste ist der Riesenbovist (Langermannia Gigantea). Da die Systematik der Boviste nicht mehr die der letzten Jahre ist, auch Mykologen ordnen Ihre Vertreter immer mal wieder anders, könnte es sein, dass Sie dem Riesenbovist in einem aktuellen Pilzbuch bei den Champignonartigen finden. Er gilt dennoch als unverwechselbar. Sein weißer, ballförmiger Fruchtkörper kann einen Durchmesser von 15 bis 50 Zentimeter erreichen und wird bis zu 10 Kilogramm schwer. Die Oberfläche ist lederartig, weiß und glatt. Solange auch das Fruchtfleisch weiß ist, gilt der Pilz als sehr schmackhaft. Er wird in Scheiben geschnitten, paniert und gebraten. Riesenboviste wachsen von Juni bis Oktober auf Wiesen und Weiden sowie in Parkanlagen und Gärten. Sie sind relativ standorttreu und wachsen über viele Jahre immer wieder am gleichen Ort. Wenn der Pilz reift, färbt sich sein Fruchtfleisch gelblichgrau und nimmt einen bitteren, ungenießbaren Geschmack an. Am Ende löst sich der Körper von oben schollenförmig auf. Es bleibt eine Art Schüssel übrig, die mit olivbraunen Sporen gefüllt ist. Ein Gigant ist der Riesenbovist nicht nur wegen seiner Größe. Mit bis zu acht Billionen Sporen in einem einzigen Fruchtkörper mit etwa 30 bis 35 Zentimeter Durchmesser, kann der Riesenbovist als der fruchtbarste Organismus der Erde betrachtet werden.

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