Verbreitung von Flechten weltweit



Flechten sind auf der ganzen Welt verbreitet, von den Polen bis zum Äquator, von den Küsten der Ozeane genauso wie den trockenen Halbwüsten der Kontinente. Da Flechten fähig sind, für längere Zeit auszutrocknen, besiedeln sie oft extreme Standorte, die von anderen Pflanzen gemieden werden. Im ausgetrockneten Zustand können Flechten sehr hohe Kälte- und Hitzegrade ertragen. Wie bei höheren Pflanzen gibt es bei den Flechten Arten, die ein großes Verbreitungsgebiet besiedeln (Kosmopoliten) als auch einzelne Arten, die nur ganz spezielle Lebensräume ertragen (Endemiten). So wächst die weitverbreitete Krustenflechte Parmelia proxila auf Silikatfelsen von Skandinavien bis Südeuropa, die Art Pamelia taurica jedoch nur auf der Krim.

Überlebenskünstler an extremen Standorten

Strauchflechten sind bizarre Gebilde (Bild: H. Nedo)

Flechten an Felsen und auf der Rinde von Bäumen sind sicher jedem schon begegnet. In den Halbwüsten der Mongolei wachsen Flechten auf der Unterseite von kleinen Kieselsteinen. Dort, wo sich über Nacht der Tau sammelt und das Licht gerade noch reicht, finden sie einen Lebensraum. Wanderflechten liegen dem Substrat nur leicht auf. Wenn sie austrocknen, rollen sie sich zusammen und wandern so mit dem Wind über weite Strecken. Auch auf lebenden Strandschnecken und Seepocken wurden bereits Flechten gefunden. Eine Laubflechte (Parmelia reticulata) wuchs auf einer Riesenschildkröte der Galapagosinseln, eine andere (Physica picta) auf dem Panzer eines flugunfähigen Käfers Neuguineas (Gymnopholis lichenifer). Wissenschaftler kennen maritime Flechtengesellschaften, die auf zeitlich verschieden überfluteten Steinen siedeln. 

Steine ziehen Krustenflechten an

Krustenflechten sind kleine eckige bis runde Felder, die dünne Krusten bilden. Man sieht sie auf Steinen oft in verschiedenen Farben. Manche sind schwefelgelb oder ziegelrot, die meisten jedoch braun oder grau. Die verschiedenen Arten der Krustenflechten werden nach der Wuchsform ihres Thallus eingeteilt. Ihre Höhe erreicht maximal 3 Zentimeter. Einige Krustenflechten wachsen sehr langsam. In den kühlen alpinen oder arktischen Regionen nimmt der Durchmesser der Krustenflechten pro Jahr um etwa 0,5 Millimeter zu.

Gelb Leuchtkraft an altem Zaun - eine Flechte (Bild: H. Nedo)

Rentierflechten und Islandmoos werden sogar gesammelt

Strauchflechten haben einen Thallus, der meist aufrecht und reich verzweigt ist, wobei er dichte Polster bildet. Diese können 10, maximal 20 Zentimeter hoch werden. Die bekanntesten Strauchflechten sind die geweihförmigen Rentierflechten (Cladonia rangiferina). Selbst unter einer 60 Zentimeter dicken Schicht Schnee wittern Rentiere die lederartigen Zweige dieser Flechten. Sie dienen im Winter als Hauptnahrung der Rentiere. Da sie für die Rentierzucht besonders bedeutend sind, werden Rentierflechten um den Femundsee in Norwegen per Hand gesammelt. Sie werden aber auch für andere Zwecke in Europa verkauft. Weiterhin bekannt ist die bandförmige Flechte Cetraria islandica. In der Pharmazie wird sie als Islandmoos verwendet.

Auch Bartflechten sind weltweit verbreitet. Es sind herabhängende, 5 bis 30 Zentimeter lange Thalli, die fadenförmig, drehrund und manchmal auch verzweigt sind. Bartflechten wachsen bevorzugt in feuchten Wäldern auf Bäumen.

Ein Hingucker und Zeichen für ...

Ein Hingucker und Zeichen für saubere Luft (Bild: H. Nedo)

Flechten brauchen intakte Umwelt

So anpassungsfähig wie Flechten auch sind, sie reagieren empfindlich auf Luftverschmutzungen, besonders auf Schwefeldioxid. Flechten nehmen die in der Luft enthaltenen Schadstoffe beinahe ungefiltert auf. Auch die Wasseraufnahme erfolgt ohne spezielle Organe direkt über den Thallus. Schadstoffhaltiges Regenwasser wirkt sich somit unmittelbar aus. Daher kann man häufiges Vorkommen von Flechten in einer Region als Zeichen für eine intakte Umwelt sehen. In Ballungsgebieten mit erheblicher Luftverschmutzung, sind sie leider oft schon verschwunden.

Gegenüber radioaktiver Strahlung scheinen Flechten jedoch ungewöhnlich resistent zu sein. Sie vertragen Strahlungen, die für andere Pflanzen bereits tödlich wären. Leider bringt diese hohe Resistenz auch Nachteile mit sich. Arktische Flechten, die durch Kernwaffentests einen hohem Gehalt an radioaktiven Caesium und Strontium besitzen, werden von Rentieren gefressen. Diese Substanzen gelangen über das Fleisch in den Körper von Menschen.

Flechten in Lutschtabletten und als Tartarenbrot

Flechten enthalten verschiedene Säuren mit antibiotischer Wirkung. Schon im Mittelalter wurden sie für Heilzwecke eingesetzt. Die große Vielfalt ihrer Inhaltsstoffe macht Flechten für die Pharmazie interessant. Isländisches Moos ist heute noch Bestandteil in vielen Lutschtabletten und Erkältungstees. Seit der Entwicklung von Anilinfarben haben Flechten kaum noch Bedeutung bei der Gewinnung von Farbstoffen. Früher gewann man aus einigen Arten jedoch wichtige Farben. Als Nahrungsmittel nutzt der Mensch nur wenige Flechten. Diese sind dann seltene Spezialitäten, wie z.B. Iwatake aus Japan, eine Nabelflechte, die zu Hochzeiten und besonderen Anlässen gereicht wird.
Die bereits erwähnte Wanderflechte wird in den Steppen Kleinasiens, Irans und Nordafrikas als sogenanntes Tatarenbrot zubereitet. Es wird von einigen Wissenschaftlern als das berühmte Mannabrot der Israeliten angesehen.

Quelle:

  • Tier und Pflanzenführer Skandinavien – Renate und Achim Kostrzewa – Kosmos Verlag 2006
    ISBN: 3-440-10452-4
  • Urania Pflanzenreich Niedere Pflanzen – Urania Verlag - antiquarisch
  • Tierparadiese unserer Erde – Polargebiete – Wissen Media Verlag 2008
Autor seit 6 Jahren
128 Seiten
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