Ein seltener DDR-BMW. Später wurde ...

Ein seltener DDR-BMW. Später wurde daraus der EMW mit rot-weißem Emblem.

Noch bevor die DDR 1949 gegründet wurde, verzeichnete der ostdeutsche Automobilbau erste zaghafte Wiederbelebungsversuche. So wurde beispielsweise 1948 der Kleinwagen F9 vorgestellt. Einige Zeit später präsentierte in Westdeutschland die Firma DKW den F91, welcher dem F9 optisch glich, da beide Fahrzeuge auf einer DKW-Entwicklung aus den ersten Kriegsjahren beruhten. Das Aussehen des F9, dessen Türen sich nach rechts öffnen ließen, ähnelte ein wenig dem VW Käfer.
Auch die Produktion des Vorkriegsmodells F8 wurde wieder aufgenommen. Das Auto war teilweise sogar noch mit hölzernen Bauteilen versehen. Zunächst wurden beide Typen in Zwickau gefertigt. Später verlegte man die Produktion des F9 jedoch nach Thüringen in das Automobilwerk Eisenach (AWE). Dort befand sich ursprünglich ein Produktionsstandort von BMW. Der Betrieb stellte daher nach dem Krieg zunächst unveränderte oder leicht weiterentwickelte BMW-Modelle aus den 30er Jahren her. Erst 1951 wurde den Eisenachern gerichtlich untersagt, die Marke BMW für ihre Produkte zu verwenden. Fortan trugen diese Autos die Markenbezeichnung EMW (Eisenacher Motorenwerke). Der blau-weiße BMW-Propeller auf der Kühlerhaube erhielt nun die Farben rot und weiß.

Der Wartburg: Kreativer Beginn einer Ära
In Eisenach präsentierte man erstmals 1955 ein komplett selbst entworfenes Fahrzeug. Auf Basis der F9-Technik entstand der Wartburg 311 als Auto mit völlig neuer Optik. Die Markenbezeichnung orientierte sich an der gleichnamigen Burg, welche ein Wahrzeichen von Eisenach ist. Zudem gab es einen weiteren historischen Bezug, denn bereits von 1898 bis 1903 wurden in Eisenach "Wartburg-Motorenwagen" produziert.
Der Wartburg 311 bestach durch eine elegante Karosserieform und wurde zudem in zahlreichen Varianten angeboten. Besonders beliebt waren Coupe und Cabrio, wahlweise mit Stoffverdeck oder Hardtop. In der Sportausführung trugen sie die Typenbezeichnung 313. Eine verfeinerte Variante des Kombiwagens war die sogenannte Campinglimousine. Im Fahrzeugheck verfügte der Wagen über ein Faltdach sowie getönte Scheibeneinsätze an den seitlichen Dachkanten.

Stagnation und Untergang einer Automarke
Auf das optisch baugleiche Übergangsmodell 312 folgte 1966 der Wartburg 353. Stilistisch verkörperte seine unelegante Kastenform Vernunft und Modernität. Die im Vergleich zum Vorgänger bereits deutlich geringere Modellvielfalt ging zudem noch mit recht unauffälligen Unterscheidungsmerkmalen zwischen den einzelnen Produktausführungen einher. Obwohl es den Eisenacher Ingenieuren nicht an neuen Ideen mangelte, blieb der Wartburg 353 mehr als 20 Jahre lang nahezu unverändert im Angebot. Erst 1988 wurde als sein Nachfolger der Wartburg 1.3 präsentiert. Die Zahlenangabe wies auf die wesentliche Neuerung des Autos hin: Den bisherigen Dreizylinder-Zweitaktmotor hatte man mit Hilfe von VW durch einen modernen Viertakter ersetzt. Das kastenartige Aussehen des Wartburgs hingegen hatte man nur minimal verändert. Die Modelle 353 und 1.3 ließen sich auf den ersten Blick lediglich durch das unterschiedliche Design der Lampen und Blinker unterscheiden! Dennoch verlangte IFA für den Wartburg 1.3 im Vergleich zum Vorgängermodell einen fast doppelt so hohen Preis. Nun zeigte sich ganz offen, dass die Eisenacher Autobauer ihre internationale Konkurrenzfähigkeit längst verloren hatten. Die politische Wende im darauf folgenden Jahr bedeutete daher folgerichtig auch das Aus für den Wartburg. 1991 wurde das Kombinat IFA durch die Treuhandanstalt abgewickelt.

Auf dem Weg zum Trabant: Der P70
Das durch die Wendezeit weitaus populärer gewordene DDR-Auto war der Trabant, gefertigt im Automobilwerk Zwickau (AWZ). Die dort hergestellten F8-Modelle wurden 1955 unter Verwendung der bisherigen Fahrwerkstechnik durch den P70 abgelöst. Dieses anfänglich äußerst spartanisch eingerichtete Fahrzeug mit 700 ccm Hubraum machte vor allem durch seine mit Duroplast verkleidete Holzkarosse auf sich aufmerksam. Die schönste Variante des P70 war zweifelsohne das schnittige Coupe.

Der Trabant: Markenzeichen eines ganzen Landes
Obwohl der P70 noch bis 1959 produziert wurde, stellte das mittlerweile als Sachsenring firmierende Automobilwerk Zwickau 1957 mit dem sogenannten P500 bereits ein verbessertes Fahrzeug vor: Der Trabant war geboren. Basierend auf den Erfahrungen mit dem P70 hatte man die Stahlkarosse des Trabants ebenfalls mit einer (damals als innovativ geltenden) Duroplast-Verkleidung ausgestattet und behielt dieses Merkmal bis zur 1991 erfolgten Schließung von Sachsenring bei.
Auf den P500 folgte das Übergangsmodell P600, welches sich lediglich durch eine verbesserte Motorisierung auszeichnete. Im Jahr 1964 begann schließlich die Produktion des Trabants 601, der sich optisch von seinen Vorgängern deutlich abhob. Doch auch in Zwickau verschwanden fortan alle neuen Fahrzeugkonstruktionen in den Schubladen der Bürokratie. So blieb der Trabant 601 fast bis zum Ende der DDR das aktuelle Modell aus Zwickau. Es gab lediglich kleinere Neuheiten im Design, beispielsweise an Lenkrad und Armaturenbrett. Aus mehreren Gründen entwickelte sich der Trabant 601 dennoch zum "Volkswagen" der DDR. Er war das billigste Auto des Landes und wies (mit "nur" bis zu 14 Jahren) die geringste Wartezeit auf. Im Laufe der Zeit gab es für den Kleinwagen zahlreiche Zusatzausstattungen wie beispielsweise das auf dem Dach montierbare Campingzelt. Trotz eines Zweitaktmotors mit lediglich 600 ccm Hubraum erwies sich der Trabi als kleines Kraftpaket, welches selbst Wohnwagen zog.
1989 stellte Sachsenring den Trabant 1.1 vor. Dessen Viertaktmotor war der Lizenzbau eines VW Polo-Motors. Optisch hingegen erfuhr der Trabant lediglich winzige Designänderungen, wie sie einem Hobby-Bastler sicherlich auch eingefallen wären. Als das unbeliebte und überteuerte Vehikel 1990 in Serie ging, war das Ende der DDR längst beschlossen. Ein Jahr später standen die Bänder bei Sachsenring endgültig still.

Ein EMW, erkennbar an dem ...

Ein EMW, erkennbar an dem rot-weißen Propellerzeichen

Der Wartburg-Vorgänger F9

Ein Wartburg 313 Sportcabrio

Ein Wartburg 313 Sportcabrio

Der Melkus RS 1000 war ein privat produzierter Sportwagen mit Wartburg-Motor. Links im Hintergrund die Wartburg-Modelle 353 und 1.3

Wartburg 353

Der Wartburg 1.3 ähnelte stark seinem Vorgänger 353

Der F8 war das erste Nachkriegsmodell aus Zwickau

Der P70 sah als Coupe am schönsten aus

Trabant 500

Der Trabant 601 wurde von 1964 bis 1989 produziert

Was die DDR-Autoindustrie sonst noch zu bieten hatte

Zum Thema Automobilbau in der DDR fallen sogar vielen ostdeutschen Mitbürgern lediglich zwei Begriffe ein: Trabant und Wartburg. Doch diese Reduzierung auf die beiden bekanntesten Autotypen des Arbeiter- und Bauernstaates erzeugt ein falsches Bild von den technischen Fähigkeiten der ostdeutschen Fahrzeughersteller. Vor allem in den ersten 20 Jahren ihres Bestehens konnte die DDR durchaus mit formschönen und originellen Fahrzeugen aufwarten.
Längst nicht jeder Prototyp schaffte es allerdings bis in die Werkhallen von Zwickau und Eisenach. Schuld daran war neben wirtschaftlichen Zwängen gelegentlich auch das "Nein" der politischen Führungsriege. Zahlreiche Neukonstruktionen mussten daher nach ersten Versuchen eingestellt werden, so beispielsweise ein Wartburg, der heutige Umweltstandards wahrscheinlich mühelos übertreffen würde.

Die Golf-Legende
Für damalige Zeiten wegweisend erschienen auch die aus Kostengründen nie in Serie gebauten Trabant-Modelle P602 und P603 aus den 60er Jahren. Sie wurden noch während der Markteinführung des Trabant 601 entwickelt und wiesen eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem VW Golf I auf. Kleiner Schönheitsfehler am Rande: Das VW-Modell existierte zum damaligen Zeitpunkt noch gar nicht. Es kam erst rund zehn Jahre später auf den Markt. Als dieser Umstand nach dem Ende der DDR bekannt wurde, entwickelte sich daraus das für Ostdeutsche schmeichelhafte Gerücht: "Das Golf-Design wurde eigentlich in der DDR erfunden..."

Typisches Oldtimerflair: Die Modelle F8 und EMW 340
Vor allem in den ersten DDR-Jahren profitierte die Fahrzeugindustrie des Landes von den technischen Hinterlassenschaften namhafter Hersteller aus der Vorkriegszeit. So konnte beispielsweise der vor allem als Cabrio sehr elegante F8 seine Horch-Gene nicht verleugnen. Auch die Firma BMW besaß bis zum Kriegsende einen Standort im ostdeutschen Eisenach. Auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht begann unmittelbar nach Kriegsende die Wiederaufnahme der Produktion. In bescheidenem Umfang wurden Motorräder und PKW gefertigt, welche allerdings nicht für die deutsche Bevölkerung gedacht waren.
1949, im Gründungsjahr der DDR, kam schließlich der frei erhältliche BMW 340 auf den Markt. Er war eine optisch überarbeitete Weiterentwicklung des Vorkriegsmodells BMW 326 und wurde auch ins westliche Ausland verkauft. Aufgrund von Reklamationen und der Namensgleichheit kam es sehr schnell zum Rechtsstreit mit dem westdeutschen Hersteller BMW. Die DDR lief Gefahr, ihre dringend benötigten Devisengelder zu verlieren. Daher benannte man die ostdeutschen Fabrikate in EMW um. Das Kürzel stand für "Eisenacher Automobilwerk". Der blau-weiße BMW-Propeller erhielt nun die Farben Rot und Weiß. 1955 endete die Produktion des EMW 340.

Fast vergessen: Der P 240
Das Nachfolgemodell des EMW 340 wurde allerdings nicht in Eisenach, sondern in den Zwickauer Sachsenring-Werken produziert: Der ab 1956 erhältliche P 240 war eine komplette Neuentwicklung. Das als Kombi, Cabrio und Limousine erhältliche Oberklassenfahrzeug wurde jedoch nur ganze drei Jahre hergestellt. Angeblich intervenierte die sowjetische Besatzungsmacht gegen den automobilen Luxus aus der DDR. Stattdessen wurden für Behörden, Funktionäre und Besserverdiener künftig sowjetische Limousinen importiert. Fahrzeuge aus der kurzen Ära des P 240 findet man daher heute bestenfalls noch in Museen.


Der "Sachsenring Repräsentant"
Zehn Jahre nach seinem offiziellen Ende erlebte der P 240 jedoch noch einmal eine kurze Renaissance. Für den 20. Jahrestag der DDR-Gründung ließ die Staatsführung den "Sachsenring Repräsentant" entwickeln. Das viertürige Cabrio war fahrwerkstechnisch weitgehend mit dem P 240 identisch. Es besaß jedoch eine modernere Karosserie, welche ein wenig an den Wartburg 353 erinnerte. Insgesamt entstanden fünf Fahrzeuge, welche in den Farben der ostdeutschen Armee NVA lackiert wurden. Die Staatsführung nutzte diese Cabrios
zu Paradezwecken während der Jubiläumsfeierlichkeiten 1969.

Der Sachsenring 240

P240 Repräsentant

Autor seit 5 Jahren
97 Seiten
Laden ...
Fehler!