Zu Omas Zeiten waren elektrische Küchengeräte sehr langlebig

Mein erster Standmixer stammte noch aus dem Haushalt meiner Mutter. Das war ein solides Modell von Krups und für damalige Verhältnisse mit ca. 60 DM nicht gerade billig. Da er nur selten benutzt wurde, hielt er entsprechend lange. Meine Tante versuchte einmal Nüsse darin zu mahlen. Seitdem war der Mixbehälter mit einem Netz aus feinen Rissen überzogen, aber auch so konnte man ihn noch benutzen.

Vor einigen Jahren entdeckte ich dann die grünen Wildkräuter-Smoothies. Löwenzahn, Brennnessel und Spitzwegerich zu zerkleinern setzte dem Mixer schon hart zu, denn verglichen mit heutigen Geräten war er eine lahme Ente. Zuerst brachen kleine Stücke aus dem Verbindungsteil zwischen Motor und Mixbecher. Das war aber wohl eher auf altersbedingte Materialermüdung zurückzuführen. Ich klebte die Stücke wieder zusammen. Bis das Teil so auseinanderkrümelte, dass kein Kleben mehr half. Außerdem gab auch der Motor seinen Geist auf. Wildkräuter zu pürieren ist nämlich Schwerstarbeit für einen Mixer.

Smoothie aus Wildkräutern und Ananas (Bild: Federspiel)

Bei unbekannten Marken ist der Kauf von Elektrogeräten oft reine Glückssache

Also musste ein neuer Standmixer her. Ich bin ein sparsamer Mensch und entschied mich für ein 20-Euro-Modell. Damit hatte ich wenig Freude. Es blieben immer lange Fasern von den Stängeln der Pflanzen übrig, die sich gern um die Schneidmesser wickelten. Die Smoothies wurden auch nicht besonders fein gemixt. Dieses Gerät besitze ich zwar immer noch, aber es steht jetzt ungenutzt und eingepackt als Reserve für Notfälle in der Ecke. Zwischendurch versuchte ich auch einmal, mit einem Stabmixer von Aldi Smoothies zu bereiten. Das Ergebnis war noch schlechter als mit dem Billigmixer.

Der Studio-Standmixer von Aldi Süd

Dann gelang es mir endlich, einen der heiß begehrten Standmixer von Aldi zu ergattern. Es handelte sich um das Studio-Modell UM 600 von Aldi Süd mit 600 Watt Leistungsaufnahme, 5 Geschwindigkeitsstufen plus Impulsstufe und einem Kunststoffbehälter mit 1,5 Liter Fassungsvermögen. Preis zwischen 20 und 25 Euro.

Verglichen mit den vorherigen Geräten war dieser Mixer ein Traum. Er mixte alles, womit ich ihn fütterte. Die Smoothies wurden fein und sämig, und die Reinigung des Mixers war kinderleicht. Etwas Wasser in den Becher, entweder kurz durchmixen oder mit der Spülbürste an der inneren Becherwand entlang, ausgießen, nachspülen, fertig. Nur ganz selten wickelten sich Fasern um die Messer. Der Kunststoffbecher verfärbte sich mit der Zeit ins Bräunliche, aber das störte mich nicht. Ich fand diese leichte Tönung sogar ganz angenehm. Bis zu einem gewissen Grad lässt sich die Verfärbung mit heißem Wasser und Spülmittel auch wieder entfernen oder gleich verhindern.

Drei Jahre lang verrichtete der Studio-Mixer treu seinen Dienst, wobei er in den Sommermonaten fast täglich im Einsatz war. Dann bemerkte ich eines Tages einen etwas brenzligen Geruch und entsorgte ihn, weil ich kein Risiko eingehen wollte. Wahrscheinlich hätte er noch länger gehalten, wenn ich die Bedienungsanleitung strikt beachtet hätte. Darin steht nämlich, dass man den Mixer höchstens 50 bis 60 Sekunden am Stück betreiben soll, um den Motor nicht zu überhitzen. Diese Zeitspanne habe ich wohl doch öfters überschritten und das hat sich letztendlich gerächt.

Grüne Smoothies erfordern einen ...

Grüne Smoothies erfordern einen leistungsstarken Mixer (Bild: Federspiel)

Der SilverCrest-Standmixer von Lidl

Noch einmal stürzte ich mich in den Wettlauf um einen Aktionsmixer, diesmal bei Lidl. Stolz trug ich den Standmixer SSM 550 C1 der Eigenmarke SilverCrest nach Hause. Er war in schwarz und weiß erhältlich und mit einem Glaskrug ausgestattet, der sogar 1,75 Liter fasst. Im Gegensatz zum Studio-Mixer verfügt er nur über 550 Watt Leistung, darf dafür aber maximal 3 Minuten am Stück laufen.

Die geringere Leistungsaufnahme macht sich zu meiner Überraschung in der täglichen Praxis nicht bemerkbar. Die Smoothies werden genauso gut wie mit dem Konkurrenzmodell. Obwohl die erlaubten 3 Minuten beim Mixen ja eigentlich eine lange Zeit sind, achte ich aufgrund der vorherigen Erfahrung darauf, den Mixer nicht zu lange laufen zu lassen. Meist warte ich auf der niedrigsten Stufe so lange, bis das Mixgut grob zerkleinert ist, und schalte dann durch alle Geschwindigkeiten bis zur höchsten Stufe 5, wobei ich den Mixer auf jeder Stufe ein paar Sekunden laufen lasse. Dann geht es wieder rückwärts bis zum Nullpunkt. Auf diese Weise wird alles fein gemixt, auch harte Stängel und Apfelkerne. Ich benutze den SilverCrest-Mixer jetzt seit fast anderthalb Jahren und hatte bisher keinerlei Probleme damit.

Auf den Glasbehälter war ich sehr neugierig, weil alle so dafür schwärmen. Allerdings bringt so ein dickwandiger Glaskrug mit 1,75 Liter Fassungsvermögen einiges an Gewicht mit sich. Das Hantieren damit fällt einer schwachen Frau wie mir nicht ganz leicht, zumindest erfordert es Eingewöhnung. Fast bin ich geneigt zu sagen, dass der Kunststoffbehälter des Aldi-Mixers praktischer war. Aber in diesem Jahr hat Aldi nachgezogen und das Design seines Studio-Standmixers überarbeitet. Auch dieser ist jetzt mit einem Glasbehälter ausgestattet, sodass es hier keine Wahlmöglichkeit mehr gibt.

Fazit

Ich bin bisher mit den Standmixern der Eigenmarken von Discountern gut gefahren. Es mag sein, dass man auch mal ein "Montagsgerät" erwischen kann, das vorzeitig schlappmacht. Aber aufgrund meiner eigenen Erfahrung vermute ich, dass ein erheblicher Teil der Fälle, bei denen von Versagen der Geräte schon nach wenigen Tagen oder Wochen berichtet wird, auf Bedienungsfehler zurückzuführen ist.

In der Bedienungsanleitung beider Geräte sind einige Rezepte für Mixgetränke enthalten, die dazu anregen, mal einen Blick in das Heftchen zu werfen. Und wenn man es schon in der Hand hat, kann man doch eigentlich auch den Rest lesen, denn viel ist es ja nicht, was man beachten sollte. Neben der maximalen Betriebsdauer ist es wichtig, den Mixer nicht trocken laufen zu lassen. Um Nüsse oder Ähnliches zu mahlen, ist er halt nicht konzipiert. Also immer genügend Flüssigkeit in den Mixer füllen, zumindest so viel, dass die Messer bedeckt sind. Soll eine größere Menge etwas härterer Zutaten in das Mixgut, so gibt man sie besser nach und nach während des Mixvorgangs durch die separate Einfüllöffnung im Deckel dazu. Die Stücke sollten auch nicht zu groß sein, sondern vorher bis auf 2 bis 3 cm zerkleinert werden.

Wer diese wenigen Regeln beachtet, sollte im Normalfall schon einige Jahre lang Freude an seinem Standmixer haben. Die beiden Modelle von Aldi und Lidl würde ich als gleichwertig einstufen. Sie sind recht ähnlich ausgestattet und unterscheiden sich nur in Kleinigkeiten. Der SilverCrest-Mixer hat den größeren Mixbehälter und bot bisher mit dem Material Glas für manche vielleicht einen Vorteil, aber dafür hat der Studio-Mixer im unteren Teil eine Ummantelung aus Edelstahl. Das Motorteil des Lidl-Mixers besteht aus Kunststoff. Beide Geräte sollen übrigens auch zum Eiscrushen geeignet sein, was ich selbst aber noch nicht ausprobiert habe. Die 50 Watt Unterschied in der Leistungsaufnahme spürt man beim normalen Gebrauch nicht. Ob die geringe maximale Laufzeit des Studio-Mixers als Mangel einzustufen ist, bleibt eine persönliche Entscheidung. Mixen ist definitiv auch in einer Minute möglich. Wer sparen will, muss meistens gewisse Einschränkungen in Kauf nehmen, und diese ist meiner Ansicht nach zu verkraften.

Und nun die Praxis: Rezept für einen grünen Wildkräuter-Smoothie

  • Zwei bis drei Handvoll frisch gesammelte Wildkräuter (Löwenzahn, Wiesenkerbel, Brennnessel, Giersch, Spitzwegerich oder was sonst gerade wächst)
  • Nach Belieben etwas Obst (Apfel, Orange, Aprikosen, Beeren ...)
  • Etwa 200 ml Wasser oder Saft (entspricht einer großen Kaffeetasse)

Obst und Wildkräuter gründlich waschen. Größere Blätter und Stängel etwas zerkleinern (Brennnesseln können ganz bleiben), Obst in 2 bis 3 cm große Stücke schneiden und alles zusammen mit der Flüssigkeit in den Mixer geben. Bis zur gewünschten Feinheit mixen und möglichst frisch trinken.

Das ist die minimale Menge, die sich mixen lässt, ohne den Mixer zu beschädigen. Sie reicht für zwei Personen, man kann sie aber auch als Single verkraften. Das Obst können Sie auch weglassen. Es macht den Smoothie süßer und ist für Anfänger deshalb vielleicht zu empfehlen. Nach meiner Erfahrung gewöhnt man sich aber sehr schnell an den herben Geschmack der Wildkräuter. Ich trinke meine Smoothies inzwischen lieber ohne Obst und nur mit Wasser bereitet. Aber egal, ob mit oder ohne Obst, ob als Smoothie oder im Ganzen: Hauptsache, Sie nehmen überhaupt genügend Vitamine zu sich!

Smoothie mit frischen Wildkräutern

Smoothie mit frischen Wildkräutern (Bild: Federspiel)

Federspiel, am 26.08.2014
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Bildquelle:
Simone Peter / pixelio.de (Urkost - eine radikale Ernährungsform)

Autor seit 5 Jahren
54 Seiten
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